Dass sich die "Exkursionsfauna" als Standardwerk der Tierbestimmung bewährt hat, zeigt sich schon daran, dass dieser Band 2/Insekten nunmehr schon in 11. Auflage vorliegt. Auf knapp 1000 Seiten werden alle heimischen Insektenordnungen in ausführlichen Bestimmungsschlüsseln vorgestellt. Viele Gruppen finden Erwähnung, für die man sonst nur sehr schwer Literatur findet. Nach einer extrem kurzen Einführung (man setzt wohl schon einige Grundkenntnisse voraus) folgt ein Hauptschlüssel, der zu den einzelnen Ordnungen hinführt (dürfte für diejenigen, die mit diesem Buch arbeiten, wohl entbehrlich sein). Anschließend werden auf über 900 Seiten über 4000 heimische Insekten in einem dichotomen Bestimmungsschlüssel vorgestellt - eine derartige Fülle in nur einem einzigen Band zusammengefasst habe ich bisher noch nicht gefunden.
Artenauswahl: Es werden alle heimischen Insektenordnungen bearbeitet, allerdings in stark unterschiedlich umfangreichen Kapiteln. Viele Ordnungen werden sehr ausführlich (bei "kleineren" Gruppen auch vollständig) behandelt: so die Libellen (incl. eines Schlüssels für die Exuvien), Heuschrecken, Pflanzenläuse (es werden über 500 Arten vorgestellt!), Käfer (mit über 1200 vorgestellten Arten) oder Hautflügler (auch hier ca. 500 Arten). Nicht so gut "weggekommen" sind die Köcherfliegen (gerade einmal 40 Arten), Schmetterlinge (ca. 560) oder die - zugegebenermaßen schwer zu bestimmenden - Zweiflüger (nur ca. 150) (aber sind nicht auch die Pflanzenläuse nur sehr schwer zu differenzieren?).
Abbildungen: die Bestimmung wird unterstützt durch zahlreiche Strichzeichnungen, die die bestimmungsrelevanten Merkmale hervorheben. Diese sind zahlreich und in vielen Kapiteln auch ausreichend. Allerdings sind die Darstellungen im Kapitel über die Zweiflügler unverkennbar Darstellungen von Sammlungspräparaten und wirken in dieser Darstellung etwas antiquiert - hier wäre eine gründliche Überarbeitung sinnvoll. Andere Kapitel - z. B. zu den Hautflüglern oder Schmetterlingen - sind eher knapp illustriert. Bei letzterer Gruppe setzt man offensichtlich auf die bereits zahlreich vorhandenen, z. T. hervorragend illustrierten Feldführer.
Bestimmungsschlüssel: die Arbeit mit diesem Bestimmungsschlüssel setzt schon einige Kenntnisse über Anatomie und Nomenklatur der Insekten voraus. Es ist nun einmal notwendig, sich tiefer in die Materie einzuarbeiten, wenn man sich in diesem Umfang mit der artenreichste Klasse der heimischen Fauna beschäftigen möchte. Etwas gebrauchsfreundlicher - insbesondere für den Einsteiger - wäre sonst nur noch der BÄHRMANN.
Sicherlich haben einzelne Kapitel weiterhin ihre Schwächen (s. oben) - aber eine derartig umfangreiche Zusammenstellung dürfte einzig sein. Der BROHMER zeigt wesentlich weniger Arten; die als illustrative Ergänzung geeigneten Bücher von BELLMANN oder CHINERY können nicht diese Präzision in der Bestimmung liefern - zudem stellen sie wesentlich weniger Arten dar (970 im ersten, ca. 2200 im zweiten Fall), sind aber als Ergänzung zu diesem Buch glänzend geeignet. Ein durchgängigerer Aufbau der Bestimmungsschlüssel wäre wünschenswert gewesen. Dennoch möchte ich diesem Buch 5 Sterne geben, weil diese Gesamtdarstellung auf dem deutschsprachigen Markt konkurrenzlos ist und viele anderenorts kaum berücksichtigte Gruppen hier ihre Erwähnung finden. Diese "Konkurrenzlosigkeit" schlägt sich allerdings auch auf den nicht eben günstigen Preis nieder.