Es ist das hohe Verdienst der Herausgeber, mit dem neu und eigens generierten Begriff der Exklusion ein Problem thematisiert zu haben, das vom gesellschaftlichen System der Bundesrepublik offenbar nicht gelöst werden kann, das Problem der "Überflüssigen", deren steigende Zahl sich nicht nur von materieller Not betroffen, sondern von kultureller und politischer Teilhabe ausgeschlossen findet. Die im Bändchen vertretenen Soziologen spitzen ihre Aussagen nicht etwa politisch zu, sie bleiben hochprofessionell in ihrer Disziplin, zeigen aber - u. a. an Fallstudien zu Ostdeutschland - zum ersten Mal die Dimension eines neuen sozialen Wandels, der nach bisherigen Mustern nicht mehr reguliert werden kann. Der Grundkonsens des Politischen, allein auf quantitatives Wachstum zu setzen und mittels Globalisierungsargumentation die von der Wirtschaft und Hochfinanz geforderten Reproduktionsbedingungen zu sichern, führt zu einer "Prekarisierung der Lebensverhältnisse" und damit zu einer Exklusion vieler Menschen, die ihrerseits quasi von unten den politichen Konsens in Frage stellen werden. Am deutlichsten analysiern und urteilen die Herausgeber Bude und Willisch selbst, manch anderer Text wirkt langatmig, redundant, reduzierbar, gehört aber wohl zum wissenschaftlichen Erfordernis von Begriffsdiskussion und Fußnotenernst. Ich kenne keine Publikation, die aufmerksamer und wacher in der Wahrnehmung, genauer im Begriff und enagagierter in der Aussage die ökonomisch ausgelösten Abkopplungsprozesse in der Gesellschaft beschreiben würde. Ein wissenschaftliches Alarmzeichen und gewissermaßen also Pflichtlektüre für jeden politischen Menschen.