Aus der Amazon.de-Redaktion
Seagal spielt in diesem Streifen Orin Boyd, einen eigenbrötlerischen Cop aus Detroit, der zwischen die Fronten seiner korrupten Polizeistation gerät. Es dauert nicht lange, bis Boyd im Kampf gegen seinen mächtigen Widersacher Montini (David Vadim), der seine Position als Polizist ausnutzt, um mit einem reichen Gangster (DMX) Geschäfte zu machen, die Füße und Fäuste fliegen lässt, während Tom Arnold für die komischen Momente sorgt.
Regisseur Andrzej Bartkowiak hatte sicherlich weniger Freude an Seagals Zeitlupen-Kampfsequenzen als an denjenigen von Jet Li in Romeo must die, aber dafür hatte er die Gelegenheit, mit dem charismatischen DMX zu arbeiten, von dem man noch einiges erwarten darf. Jede Menge Blut und Klamauk, dazu haufenweise Material von Jill Hennessy (als Boyds knallhartem Boss), das man besser im Schneideraum gelassen hätte. --Tom Keogh
Video Jakob Kurzinhalt
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Orin Boyd (Steven Seagal) ist ein wachsamer und aufrechter Cop. So fallen ihm auch sofort einige Polizisten auf, die sich bei der Eskorte eines Senators merkwürdig verhalten. Boyd folgt der Truppe lieber und es stellt sich heraus, dass die vermeintlichen Cops Attentäter sind. Nachdem diese die echten Polizisten in der Eskorte erledigt haben, muss Boyd die Killer im Alleingang besiegen. Schon mit diesem Auftakt legt "Exit Wounds" gut vor: Der Überfall, bei dem die Killer auch noch Luftunterstützung durch einen Hubschrauber bekommen, findet auf einer Brücke statt, die bald nicht mehr befahrbar ist. Diese Situation bietet vor allem etwas für Fans ordentlicher Shoot-Outs.
Zur Strafe wird Boyd in das 15te Revier versetzt, in dem sich die übertrieben gewalttätigen Bullen nur so tummeln. Bei seiner Chefin (nicht nur James Bond, sondern auch Seagal muss sich inzwischen mit weiblichen Vorgesetzten herumschlagen) macht sich Boyd auf Anhieb durch Lästereien unbeliebt und dann versaut er seinem Kollegen Montini (David Vadim) auch noch drei Monate Undercover-Arbeit. Zur Strafe wird Boyd nicht nur zur Gewalttherapie geschickt, sondern muss auch als Streifenpolizist Dienst schieben (dabei darf Boyd feststellen, dass mit blutrünstigen Killern einfach umzugehen ist als mit wütenden Autofahrern). Hier wird auch klar, dass "Exit Wounds" der humorvollste Seagal-Film ist. Vor allem in der Therapiegruppe ist es unheimlich witzig, wenn unser Actionheld mit wütender Stimme verkündet er sei nicht aggressiv. Außerdem lernt Boyd hier den Moderator Henry Wayne (Tom Arnold) kennen, der für weitere witzige Momente sorgt. Denn wayne ist ein Angeber und Feigling, wie er im Buche steht.
Der zweite, wichtige Charakter ist der Dealer Latrell Walker (DMX), der mit korrupten Cops aus dem 15ten Revier einen Drogendeal abwickeln will. Boyd kommt den Cops auf die Schliche und versucht ihnen das Handwerk zu legen.
Mit dieser Grundkonstellation geht "Exit Wounds" an den Start. DMX darf nach der Generalprobe, dem Kurzauftritt in "Romeo must die", eine etwas größere Rolle für das Team aus Produzent Joel Silver und Regisseur Andrzej Bartkowiak spielen und kräftig zum Soundtrack des Films beitragen. Als Comedic Sidekick wurde ihm Anthony Anderson (ebenfalls aus "Romeo must die" bekannt) zugeteilt, der den herrlich dreisten Clubbesitzer T.K. spielt. So bringt dieser den Verkäufer von Nobelkarossen zur Weißglut, als er bei einem Autokauf von Walker die anderen Käufer belästigt, dreist rumprollt und die Autoradios mit lauter Hip Hop Musik testet.
Eine weitere komödiantische Rolle spielt (wie oben bereits erwähnt) Tom Arnold: Ähnlich wie Anderson gibt auch den dreisten Typen, der seinen großen Worten selten Taten folgen lässt. Doch genau diese Art von witziger Rolle passt auf Tom Arnold, wie er bereits in nicht ganz so karikierender Form in "True Lies" zeigte. DMX spielt mit ganzen 2 Gesichtsausdrücken und wird sogar von Seagal überboten, der durch seine Leinwanderfahrung wohl auch schauspielerisches Talent aufgenommen hat. Doch auf die Leistungen der Darsteller kommt es bei "Exit Wounds" nicht wirklich an.
Die Action bietet Silver-typisch vor allem Schießereien, aber auch einige Nahkämpfe und Verfolgungsjagden. Das Ganze ist zwar nicht weniger deftig als in den alten Seagalkrachern, aber die schnelle Schnitttechnik von Regisseur Bartkowiak mildert das Geschehen doch ein wenig ab. So sind blutige Einschüsse nur kurz zu sehen und auch ausgiebige und harte Nahkämpfe á la "Zum Töten freigegeben" sucht man vergeblich. Doch die mainstreamige Inszenierung (und die damit verbundene Kohle) bietet Raum für sehr viel mehr Action als in den älteren Werken Seagals.
Regisseur Bartkowiak wurde glücklicherweise bei der Arbeit auf die Finger geschaut, so dass "Exit Wounds" nicht zu einem "Matrix"-Abklatsch á la "Romeo must die" wird. Lediglich zwei Drahtseilaktionen darf Seagal vollführen und selbst die passen nicht wirklich.
Musikalisch unterlegt wird das Ganze mit Hip Hop, größtenteils brachialer Rap, der auch ganz gut ins Geschehen passt. Mir persönlich hätte Rock oder Metal besser gefallen, aber da die gewählte Musik ganz gut ins Geschehen passt, kann man sich eigentlich nicht beklagen.
Mit "Exit Wounds" feiert Seagal das Comeback, dass er verdient hat. Auch wenn die ganzen harten Fans vermutlich unglücklich über die Anpassung ihres Idols sind, qualifiziert sich Seagal mit "Exit Wounds" für etwas massentauglichere Actionfilme als früher; "Exit Wounds" ist ein typischer Joel Silver Streifen für Fans dieser Art von Film.
--- Nils Bothmann (McClane)
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Blickpunkt: Film
Gleich mit der bombastischen, von 'In The Line Of Fire' inspirierten Eröffnungssequenz, in der Seagals Figur, der unkontrollierbare Übercop Orin Boyd, den US-Vizepräsidenten vor einem Terroristenanschlag rettet, wird unmissverständlich demonstriert, dass es sich um eine gut geölte Maschine aus der Werkstatt von Überproduzent Joel Silver handelt. Hier wird geradlinige Standardaction inklusive Maschinengewehrhagel, Explosionen und blechverbiegende PS-Akrobatik mit Autos, Motorrad und Helikopter geboten. Die folgende Story basiert auf dem Roman eines ehemaligen Polizisten und thematisiert ein undurchsichtiges Netz aus Korruption und Intrigen beim 15. Polizeirevier in Detroit. Boyd wird für seine Kamikaze-Rettungsaktion mit einer Versetzung und Beförderung zum Verkehrspolizisten belohnt. Die neue Revierchefin ist jung, attraktiv und mit Minirock bekleidet und dient zudem als angedeuteter Love Interest. Dass es hier nicht um Lumetsche Authentizität geht, machen weitere zwar gefällig anzusehende, aber nicht unbedingt schlüssige Handlungsdetails deutlich. Aber den Filmemachern geht es nicht um schlüssige Plotkonstruktion, sondern primär um das Auffahren eines unverwüstlich soliden Actiongeschützes, das man spüren und nicht intellektuell beleuchten soll. Visuelle Spielereien, wie sie Regisseur Bartkowiak in seinen Debütfilm 'Romeo Must Die' stilvoll und gewinnbringend einzuflechten verstand, bleiben diesmal auf der Strecke. Wenn auch das Hiphop-Element erneut prominent vertreten ist und es zudem ein Wiedersehen mit einigen 'Romeo'-Mitspielern gibt (neben DMX ist auch Anthony Anderson wieder mit dabei), ist der Folgefilm des Kamera-Asses Bartkowiak insgesamt gesetzter und konventioneller. Seagal wirkt im Vergleich zur schnellfüßigen Hongkong-Granate Jet Li wie eine stoische Kampfwalze, und eine gewisse Gemächlichkeit seiner Martial-Arts-Einlagen ist trotz des blitzschnellen Schnitts nicht zu übersehen. DMX porträtiert den scheinbaren Drogendealer Latrell Walker mit all den einhergehenden stereotypen Statussymbolen, um später eine unerwartete Identität zu offenbaren. Für den befreienden Humor sind Anderson (einer von Jim Carreys Söhnen in 'Ich beide und sie') als Walkers Handlanger T.K. und Tom Arnold ('True Lies') als TV-Moderator mit Selbstbeherrschungsproblemen zuständig. Alles dran also an diesem grundsoliden Genreprodukt, in dem Originalität mit der Lupe gesucht werden darf. Das umfangreiche Genrepublikum wird sich gut amüsieren. Und nach lukrativer Kinoauswertung wird 'Exit Wounds' ein langes, gesundes Leben in den Top Fünf der Videocharts erwarten. ara.