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Exit: Wohlstand ohne Wachstum
 
 
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Exit: Wohlstand ohne Wachstum [Taschenbuch]

Meinhard Miegel
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (23 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: List Taschenbuch (10. Juni 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548610315
  • ISBN-13: 978-3548610313
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,4 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (23 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 32.631 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Meinhard Miegel
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Die Wirtschaft muss nicht wachsen. Diese allen bisherigen Glaubenssätzen entgegengesetzte Position vertritt Meinhard Miegel. Nicht weniger als eine Zeitenwende im Denken wie Wirtschaften will der Sozialwissenschaftler damit einleiten. Denn seiner Überzeugung nach ist „das Glücksversprechen immerwährender Wohlstandvermehrung“ angesichts sozialer wie ökologischer Probleme uneinlösbar geworden. Vielmehr müsse sich der Verbraucher wandeln zum Ressourcen schonenden „Gebraucher“.

Miegel zufolge soll Deutschland keinen Wert mehr darauf legen, Exportweltmeister zu werden. Vernünftig sei künftig, Verantwortung im Rahmen einer maßvollen Bürgergesellschaft zu übernehmen. „Der Wohlstand des 21. Jahrhunderts ist ein anderer und wird in höherem Maße immateriell sein“, lautet seine Prognose. Der Sozialstaat könne aufrecht erhalten werden, müsse jedoch abspecken. Für die Arbeitswelt gelte, Erwerbs- und Nichterwerbsarbeitszeit miteinander zu verschränken.

Miegel gibt zu bedenken: Nach dem Krieg wuchs die Zufriedenheit der Deutschen mit steigendem Wohlstand, bis sich 1970 etwa 60 Prozent der Menschen zufrieden nannten. Seitdem stieg der Wohlstand weiter an, aber nicht mehr die Zahl der Zufriedenen. Daran zeige sich, dass unsere Gesellschaft „ein gestörtes Verhältnis zu den materiellen und immateriellen Grundlagen ihrer Existenz“ entwickelt habe. Das wohltuende Feuer des Wachstums sei längst zu einem verzehrenden Brand geworden.

In Exit spricht Meinhard Miegel Klartext und profiliert sich einmal mehr als mutiger Querdenker in den konservativen Reihen. Offen bleibt, wie viele Deutsche begeistert Miegel folgen und den Gürtel verantwortungsbewusst enger schnallen wollen. Denn seine Ansichten schrecken auf wie einst die Forderung der Grünen nach einem Benzinpreis von 5 Mark pro Liter. Damals wie heute bleibt ebenso zu klären, inwieweit Deutschland den geforderten Kurswechsel im Alleingang schaffen kann.

„Denen, die über den Tellerrand hinausschauen“, lautet die ungewöhnliche Widmung in Miegels Sachbuch. Dass der Sozialwissenschaftler zu denen gehört, die weit blicken, steht außer Frage. Ausgiebig diskutiert werden sollte, inwieweit sein „Plan B“ in die richtige Richtung weist – am besten in den Feuilletons, Wirtschaftsteilen und an den Stammtischen zugleich.
– Herwig Slezak -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Pressestimmen

"Unsere Debatten über die Zukunft des Sozialstaats kranken zumeist daran, dass Sie nur an der Oberfläche kratzen. Meinhard Miegel versteht es in seinem neuen Buch meisterhaft und sprachlich brillant, zu der wirklich großen Frage vorzudringen: Wie sieht künftig der Wohlstand in einer Gesellschaft aus, die nicht mehr auf automatisches Wachstum setzen kann und will? Miegels Antworten sind radikal und äußerst bedenkenswert." Thomas Schmid, Herausgeber WELT-Gruppe "Seine Analyse liefert einen wichtigen Denkanstoß, der eine vertiefte Auseinandersetzung verdient. Es ist ein kraftvolles Buch, das von der sorgfältigen Argumentation und dem souveränen Erzählstil des Autors lebt." Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Philipp Krohn, 08.03.2010 "Ein lesenswertes Buch. Ein nachdenkliches allemal. Ein aufrüttelndes." Deutschlandfunk / 8.03.2010 "Miegel setzt sich bis in alle philosophischen Verästelungen mit dem heutigen Wachstumsbegriff als Grundbedingung der westlichen Marktwirtschaft auseinander ... Ein lesenswertes Buch, ein nachdenkliches allemal." Das Parlament / 15.03.2010 "Das Neue an Meinhard Miegels Buch ist, dass er zweierlei zusammenführt: die umweltorientierte Kapitalismuskritik mit dem wertorientierten Kulturpessimismus einer erschöpften Gesellschaft." ZEIT LITERATUR / März 2010 "Das Thema ist flächenbrandaktuell Ein Buch, das die gegenwärtige Gesamtmisere gut erklärt und zum (Rück-)Besinnen auffordert." Manager Magazin, 4/2010 "Miegels Buch ist mehr als lesenswert. Es ist eine aufrüttelnde Warnung." Rheinischer Merkur / 25.03.2010 "Die Diskussion über die Grenzen des Wachstums ist überfällig." Deutschlandradio Kultur, Johannes Kaiser, 25.03.10 "Wer die nationale Selbstbezogenheit unserer Diskussionskultur im Auge hat, wird mit Freude vermerken, dass hier einer weit über unseren nationalen Tellerrand hinaus schaut. Miegel denkt global." Deutschlandradio Kultur, Peter Merseburger,18.4.2010 "Fundierte und verständlich formulierte Analyse" Hannoversche Allgemeine, Kristan Teetz, 27.03.10

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
47 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von flu
Format:Gebundene Ausgabe
Meinhard Miegel zieht eine pessimistische Bilanz des Zustands der Gesellschaft. Wachstum und Wohlstand, die Paradigmen unserer sozialen Marktwirtschaft, werden einer ausführlichen und kritischen Prüfung unterzogen. Er kommt zu dem Schluß, dass unser Wohlstand weit niedriger zu bewerten ist als gemein hin angenommen und dies gerade wegen unserer Fixiertheit auf das ewige Wachstum. Das Wachstum hat durch die nicht mehr umkehrbare Zerstörung sämtlicher Arten von Ressourcen inzwischen einen negativen Einfluß auf unseren Wohlstand. Die Folgen führen unseren Staat geradewegs in den finanziellen Notstand. Meinhard Miegel rechnet mit dem unmittelbar bevorstehenden Crash unserer Umverteilungssysteme.

Nur durch eine Rückbesinnung auf Werte wie Handeln nach ethisches Grundsätzen, Übernahme von Verantwortung als Privatperson und zukünftig auch wieder als Familienverband kann der Verfall des Wohlstandes zwar nicht mehr umgekehrt aber doch zumindest gemildert werden. Der Verzicht aller Beteiligten auf sicher geglaubte Pfründe ist dabei unumgänglich.

So weit so gut und nachzulesen in vielen begeisterten Rezensionen hier bei Amazon. Warum aber nur drei Sterne? Das Buch macht keine gute Laune, was aber weniger am stark pessimistischen Grundtenor liegt, als vielmehr daran, dass zu viele wichtige Aspekte einfach ausgeblendet werden:

Der Sozialstaat wird in erster Linie als Kostenfaktor betrachtet, der jeden Bürger im Durchschnitt 9.000 Euro im Jahr kostet (S.201). Punkt. Kaum ein Wort davon, was mit diesem "Sozialaufwand" eigentlich gemeint ist. Kein Wort davon, dass zum Sozialstaat auch beispielsweise der medizinische Fortschritt gehört, der die Lebenserwartung mehr als verdoppelt hat und Krankheiten wie selbst Krebs sogar immer besser heilbar macht. Kein differenzierter Blick auf das Gesundheitssystem in dem es neben den Patienten auch Profiteure wie die Pharmaindustrie, einige wenige Ärzte oder die kassenärztlichen Vereinigungen gibt. Kein Wort darüber, was hier mehr Effizienz und eine Neuausrichtung auf den Nutzen für die Menschen als Patienten (und nicht nur als Gewerbetreibende) für Wohlstand und Wachstum erzeugen könnte.

Kein Wort über das Wachstum bei regenerativen Energien, welches durch höhere Energiekosten sicher nicht gebremst werden wird. Kein Wort über neue Werkstoffe, über neue Technologien, die die klassische Ressourcenabhängigkeit immer weiter entspannen werden. Keine posiven Aspekte beim Wachstum, die es aber zweifelsohne gibt.

Es ist keine zwingende Eigenschaft des Wachstums, dass es sich irgendwann in ein Wuchern verwandeln und schließlich in der Katastrophe enden muss. Wachstum kann sich positiv wandeln. Zum Problem wird Wachstum insbesondere dann, wenn es zu den Zwecken einiger weniger und zum Nachteil der Mehrheit betreiben wird. Das Gesundheitssytem als Teil des Sozialstaats ist ein exzellentes Beispiel dafür. Ein weiteres Beispiel ist die Globalisierung. Während der freie Handel in Europa den EU-Mitgliedern überwiegend nutzt, führt ein freier Welthandel in Afrika zu Terrorregimen, Ausbeutung und Unterdrückung. In einem Fall wird ein Wachstum im Interesse aller gefördert, im anderen die Katastrophe durch die gnadenlose Ausbeutung für die Interessen einiger weniger Individuen betrieben.

Noch so ein blinder Fleck: Meinhard Miegel nimmt die Wohlhabenden aus der Schusslinie. Wenn man ihr Vermögen auf die gesamte Weltbevölkerung aufteile, bleibe ein verschwindender Betrag für jeden einzelnen. Außerdem zeige die Krise gerade, dass das Eigentum der Wohlhabenden sinke. Folglich sei Reichtum kein Problem. Hier begeht er einen schweren volkswirtschaftlichen Denkfehler, denn die Guthaben der einen sind auch immer die Verpflichtungen der anderen. So funktionieren weltweit die Geldsysteme nun mal. Die Schulden hält Meinhard Miegel sehr wohl für ein Problem und zwar zurecht, noch dazu werden sie in der Krise nicht weniger.

Die Staatsschulden sind dabei noch nicht mal das Schlimmste, denn die Unternehmen in Deutschland sind mehr als doppelt so hoch verschuldet wie die öffentliche Hand. Die Zinsen zahlt der Privathaushalt. Seine eigenen sowieso, die des Staates über die Steuern und die der Unternehmen über die Verbraucherpreise, denn den Unternehmen bleibt nichts anderes übrig, als die Zinsenverpflichtungen in die Produktpreise mit einfließen zu lassen. Auch hier kann man einen Durchschnitt berechnen, den jeder Deutsche jedes Jahr an Zinsen zahlt: 9.500 Euro (Quelle: Helmut-Creutz.de). Das ist sogar mehr als uns der Sozialstaat nach der Logik von Meinhard Miegel kostet.

Natürlich bekommt der Privathaushalt auch Zinszahlungen für seine Ersparnisse und zwar hier ebenfalls: 9.500 Euro. Blöderweise sind diese Zinsen aber nicht sehr gleichmäßig verteilt. Wer bekommt schon 9.500 Euro Zinsen im Jahr? Tatsächlich sind 80% der Deutschen Nettozinszahler, 10% bekommen soviel wie sie zahlen und die verbleibenden 10% sind Nettoempfänger. Folglich wird durch die Verschuldung von den ärmsten 80% der Bevölkerung zu den reichsten 10% umverteilt. Tendenz steigend (Quelle: Helmut-Creutz.de). Man sollte sie nicht zu Alleinschuldigen erklären, aber man sollte die Wohlhabenden auch nicht pauschal von Kritik ausnehmen: Gerade hier findet besonders ungesundes und schädliches Wachstum statt. Schon in Deutschland sieht der Istzustand deprimierend aus. Mit welchem Superlativ man jetzt die Verhältnisse in einem Entwicklungsland beschreiben könnte, tja, da muss ich passen.

Diese dramatischen Zustände sind der Grund dafür, warum es mit Meinhard Miegels Appellen zu mehr Verantwortung und ethischem Handeln nicht getan sein wird. Schulden, Guthaben und Zinsen sind ein zentraler Bestandteil der weltweiten Währungssysteme. Sie sind ethisch anerkannt und werden von keinem vernünftigen und einflussreichen Menschen in Frage gestellt. Lediglich das Christentum kannte mal ein Zinsverbot und der Islam kennt es heute noch. In diesen beiden uralten Wertesystemen ist die Weisheit gespeichert, das jedes Geldsystem, in dem Zinsen eine zentrale Rolle spielten, der Menschheit früher oder später um die Ohren geflogen ist. Eine Rückbesinnung auf echte Werte wird im Kollaps und danach tröstlich sein. Rechtzeitiges und beherztes Eingreifen könnte aber auch die schnöden materiellen Werte retten und eine demokratischere Verteilung könnte vor Existenzängsten und nackter Angst ums Überleben schützen.

Also: Wohlstand und Wachstum zu hinterfragen sind ein guter Ansatz und das leistet Meinhard Miegels Buch in vorbildlicher Weise. Jedoch muss insbesondere der Wachstumsaspekt differenzierter betrachtet werden. Die Gründe für erstrebenswertes auf der einen und schädliches Wachstum auf der anderen Seite sind der Schlüssel. Die Menschheit in ihrer überwiegenden Mehrheit muss man nicht über Ethik und Verantwortung belehren. Mal ehrlich: Was werden gut gemeinte Appelle hier ausrichten? "Pflichtlektüre für Politiker!!!" (Jaja, is' scho' recht...)

Aber: Wie wär's den damit, den Menschen zur Abwechslung mal die Möglichkeit zur Übernahme von echter Verantwortung zu geben? Es gibt noch genügend Strukturen, die demokratisiert werden sprich in die Verantwortung aller überführt werden könnten: Unternehmen, Geldsysteme, Parteien, Staaten - alle die, die heute von entartetem Wachstum profitieren. Wohlgemerkt: Die Verantwortung muss sozialisiert werden, nicht in erster Linie die materiellen Werte. Mehr Verantwortung und weniger ohnmächtig im Hamsterrad kann auch ein Heilmittel für die "unmündige", "gedopte", "hilflose" und "überforderte Gesellschaft" sein. Hier wäre noch Potential für 300 Seiten gewesen - ein prima Thema für ein Denkwerk Zukunft.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Interessant und engagiert 24. April 2010
Von Lena Waider TOP 100 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Ein interessant und engagiert geschriebenes Buch, in dem es um Themen geht, die uns alle angehen. Von der Vorstellung, dass eine Krise nur ein kleines Tal in einem ansonsten kontinuierlich stattfindenden Wachstumsprozess ist, sollten wir uns endgültig verabschieden, zumal darauf bereits seit vielen Jahren hingewiesen wird (siehe z. B. Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit).

Miegel setzt genau dort an, indem er behauptet, dass Wachstum unseren Wohlstand nicht weiter mehre, sondern verzehre. Er fordert deshalb einen entschiedenen Wertewandel, und zwar einen solchen, der qualitatives statt quantitatives Wachstum begünstige.

Dies mag alles richtig sein, jedoch befürchte ich, dass es nicht funktionieren wird. Insoweit mangelte es dem Buch für mich an einem praktikablen Lösungsvorschlag.

Auch glaube ich, dass man das Thema interdisziplinärer angehen sollte. Manche Disziplinen haben für vergleichbare Situationen Ergebnisse produziert, an denen auch die Gesellschaftswissenschaften nicht einfach vorbeigehen sollten. Beispielsweise macht Richard Dawkins in Das egoistische Gen deutlich, dass Tiere bei Ressourcenknappheit nicht einfach die Zahl ihrer Nachkommen reduzieren werden. Denn wer sich in dieser Weise arterhaltend bzw. altruistisch verhält, würde sich im evolutiven Wettbewerb selbst aus dem Rennen werfen: es setzten sich dann die Egoisten durch, die ihre Nachkommenzahlen nicht reduziert haben. Genauso sieht die Situation im vorliegenden Fall aus: Ein Wertewandel dürfte nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn ein entsprechendes Verhalten mit spürbaren Vorteilen verbunden ist.

Das bringt mich zu der Frage, was überhaupt eine knappe Ressource ist. Für die meisten Menschen ist beispielsweise die Zeit eine ungemein knappe Ressource. Zeit ist fix. Man kann sie nicht dazu gewinnen, sondern höchstens einsparen. Öl ist in dem Sinne dagegen (noch) nicht knapp. Und es ist für die meisten Menschen mit wenig Zeit weiterhin extrem billig. Warum sollte es also jemand auf sich nehmen, für eine Reise von A nach B doppelt so viel Zeit zu beanspruchen, wenn er daraus keinen unmittelbaren Nutzen ziehen kann? Werte allein werden deshalb meiner Meinung nach nicht reichen.

Und schließlich ist auch schon mal der Verdacht geäußert worden, dass Wachstum eine natürliche Begleiterscheinung von Evolution sei: Es reiche, wenn alle ihren Status (ihre Kompetenzen) nur behalten und sich nicht verschlechtern möchten, dann entstehe bereits Wachstum. Nennt sich übrigens Red-Queen-Prinzip (In Alice hinter den Spiegeln meint die Rote Königin zu Alice: "Hierzulande musst du so schnell rennen, wie du kannst, wenn du am gleichen Fleck bleiben willst." Damit war wohl Deutschland im 21. Jahrhundert gemeint.)

Vielleicht sollten sich die ganzen prominenten Vordenker langsam einmal kurzschließen und die wenigen Vor-Vordenker, die unser Land noch hat, in die Diskussion mit einbinden. Sonst geht das alles so weiter wie bisher.
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120 von 146 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Neoliberalismus pur! 17. Mai 2010
Von Andre M.
Format:Gebundene Ausgabe
Ich kann die durchweg positiven Bewertungen der anderen Rezensenten nur bedingt nachvollziehen. Die Kritiklosigkeit mit der dieses Werk bedacht wird, weckt beinahe schon den Verdacht, dass hier Freunde der FAZ oder der Springer WELT ein "objektives" Urteil abgaben.
Zunächst zum Positiven: das Buch liest sich gut und flüssig - die erste Hälfte des Buches würde ich sogar mit 4 Sternen bewerten. Hr. Miegel fasst schlüssig und kompakt zusammen, dass Wachstum inzwischen den Status einer Ideologie bekommen hat ... ja, es hat inzwischen im Kapitalismus (dieses "Unwort" vermeidet der Autor fast durchweg - er spricht hier vom "Westen" oder von den "frühindustrialisierten Ländern") Züge des "Metaphysisch-Religiösen" angenommen und bedarf als solche keiner rationalen Begründungen mehr.
Brilliant arbeitet der Autor heraus, dass es sich lohne, "der Frage nachzugehen, warum die Völker der frühindustrialisierten und zunehmend weiterer Länder so konseqent auf massenhaften Konsum ausgerichtet sind, selbst, wenn sie dadurch ihre Lebensgrundlagen beeinträchtigen oder sogar zerstören."
Im weiteren Verlauf des Buches, je mehr man gespannt auf den Punkt wartet, in dem der Autor eine Lösung aus dem Dilemma andeutet, wird allmählich klar, in welche Richtung dieses Buch gedacht ist:
"Künftig werden sich Eltern ihrem Nachwuchs auch dann fürsorglich zuwenden müssen, wenn Eltern- und Erziehungsgeld gekürzt werden; die gute Versorgung Pflegebedürftiger muss auch bei geringerem Pflegegeld gewährleistet bleiben; Erzieherinnen müssen die ihnen anvertrauten Kinder, Ärzte ihre Patienten auch ohne Einkommenserhöhungen optimal betreuen."
Andererseits:
"Anders ist die Lage eines Managers, der für eine Weile ein vorhandenes Unternehmen mehr oder minder erfolgreich führt. Diese Aufgabe ist anspruchsvoll und muss angemessen honoriert werden." ...
Er verteilt Seitenhiebe auf das bedingungslose Grundeinkommen ebenso pauschal und unseriös (ja, "ideologisch" - obwohl er eingangs des Buches genau dieser Ideologie abzuschwören scheint) wie auf die gerechtere Umverteilung, wie es in Deutschland derzeit nur von den Linken angemahnt wird.
Es geht ihm darum - und darüber gibt es zum Ende des Buches keinerlei Zweifel mehr - dass die Arbeitenden mehr arbeiten und weniger dafür verlangen: mehrere Jobs sollen normal werden, das Arbeiten über das Alter von 67 Jahren ebenfalls ...
Während er auf der einen Seite gut erkennt, dass es andere Dinge sind, die die Menschen glücklich machen, als materieller Wohlstand und dabei auch die Schlüsselrolle der Bildung hervorhebt, schreibt er doch im gleichen Atemzug: "Gebildete sind doppelt reich. Nicht nur fällt es ihnen dank ihrer Bildung oft leichter als ungebildeten materielle Güter zu erwerben. Zusätzlich haben sie immaterielle Wohlstandsquellen, die ihrem Leben Sinn und Inhalt geben." Im gleichen Sinne sind die Ungebildeten natürlich doppelt arm. D.h. die "materiellen Güter" spielen für den Autor nach wie vor die tragende Rolle - und sind anstrebenswert. Eine grundlegende Wende im Wertesystem, wie sie die erste Hälfte des Buches zwingend nahelegt und weswegen ich mir das Buch überhaupt gekauft habe, kann ich nirgendwo erkennen - im Gegenteil: Es kann für ihn nicht angehen, dass, wie seiner Meinung nach derzeit in Deutschland praktiziert, immer mehr verarmende "Leistungsträger" den ihnen zustehenden Wohlstand den "Sozialschnorrern" in ihre sozialen Hängematten werfen ... Es ist teilweise ekelerregend die zweite Hälfte des Buches zu lesen.

Zusammenfassend muss ich sagen, so gut wie das Buch begann, so wütend hat es mich am Ende gemacht. Da der Autor auch Sprecher des neoliberalen Bürgerkonvents ist, betrachte ich das Buch nicht als "Ausrutscher" oder als unzureichend durchdacht, sondern ganz klar als ein Propaganda-Buch der Neoliberalen, wie es perfider kaum geschrieben werden kann.
Daher nur einen Stern von mir (Minuspunkte gibt es ja leider nicht).
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