...habe ich erlebt, als Ron Sexsmiths Album -Exit Strategy of the Soul- sich in meinem Player drehte. Der Name des Kanadiers war mir zwar beiläufig bekannt, aber mal ganz ehrlich: Kennen sie den? Vermutlich nicht. Wenn man allerdings weiß, dass Paul McCartney, Bob Dylan und Elvis Costello glänzende Augen bekommen, wenn sie über die Qualitäten des Musikers aus Ontario sprechen, und dann noch erfahren, dass Sexsmith seit 1991 ein Dutzend Alben auf den Markt geworfen hat, dann sollte man da vielleicht doch einmal reinhören. Ich bin wieder auf Sexsmith gekommen, als ich vor kurzem ein "Tonträger" Konzert des SWR gesehen habe. Da stand dieser einfach wirkende Mann, griff in die Gitarre und sofort wurde ich durch die Zeit geschleudert. Klingt das nicht wie Jackson Browne zu seinen besten Zeiten? Ist das nicht Van Morrisson, ganz am Anfang seiner grandiosen Karriere? Hörten sich nicht genau so, die langsamen Songs auf den ersten Beatles Alben an? Nein...weit gefehlt. Sexsmiths Musik ist neu, kommt direkt aus dieser Dekade und birgt doch all den magischen Zauber vergangener Zeiten in sich. Dieser Mann ist schlichtweg genial, und er wirkt voll und ganz über seine Musik...
-Exit Strategy of the Soul- beginnt und endet mit Instrumentalstücken. -Spiritude- und -Dawn Anna- sind zwei akustische Leckerbissen, die auf jedem Tom Waits Album einen Ehrenplatz einnehmen könnten. Musik in ihrer ureigensten Form. Emotional und schlicht zugleich. Die restlichen 12 Lieder des Albums passen wie perfekte Puzzleteile ineinander, es gibt niveautechnisch nicht den geringsten Durchhänger. Es sind Lieder wie -Ghost of a change-, in denen das Klavier melancholischen Erinnerungen nachhängt und Sexsmith auf der Gitarre traumhafte Riffs ins Publikum sendet. Da wippen alle Füße und das Herz wird einem schwer. Auch -Hard Time- ist ein Song dieses Kalibers. Gefühlvoller und zerbrochener kann man Musik kaum gestalten. Melodisch und in bester Van-Morrisson-Tradition fließt -Brighter Still- aus den Boxen. -This is how i know- flutet den Raum mit einem Mix aus Bläsern und Klavier, der uns in die Zeit zurückbringt, in der Jackson Browne, James Taylor und Bonnie Raitt echte Weltstars waren. Der einzige Song auf dem Album, der nicht von Sexsmith stammt ist -Brandy Alexander-. Ein Lied von der wunderbaren Leslie Feist zu covern zeugt dabei aber auch schon wieder von echter Klasse und hohem Anspruch. Sexsmiths Version hat einen orchestralen Touch, ist hervorragend inszeniert und macht beim Zuhören einfach nur Spaß.
Ja...Ron Sexsmith. Irgendwie noch nie gehört und dann erkannt, dass man(wieder mal) was verpasst hat. Was sagt uns das für die Zukunft? Abends beim Zappen immer schön Augen und Ohren aufhalten! ZDF Kultur und ähnlich gelagerte Kanäle nicht aus den Augen verlieren! Passenderweise einen Stift und Zettel immer in Reichweite zu haben, weil man sich ja schließlich nicht(mehr) alles merken kann. Mit ein bisschen Glück findet man dann Künstler wie Ron Sexsmith. Seine Stimme, das Klavier, diese wahnsinnig guten Bläsersätze und ein Touch von Nostalgie, der die neue Zeit ergänzt und komplettiert. Manchmal muss man einfach Glück haben.
Bleibt mir zum Schluss nur noch übrig für -Exit Strategy of the Soul- die absolute Empfehlung zum Anhören auszusprechen. Und natürlich die Vorfreude auf die restlichen 11 Alben, die es da noch gibt...