Aus der Amazon.de-Redaktion
Exit -- so hat der Schwede Kent Lindahl seine Autobiografie genannt. Der Titel trifft in zweifacher Hinsicht zu. Zum einen ist dieses Buch die Geschichte von Lindahls eigenem Ausstieg aus der Skinhead-Szene. Zum anderen berichtet der Autor, wie er nach diesem Ausstieg zum Gründer des schwedischen Ablegers von Exit wurde.
Kent Lindahls Lebensgeschichte verläuft über weite Strecken trostlos: als Kind von den Eltern vernachlässigt, in der Schule Außenseiter und Prügelopfer, bereits mit 14 Jahren Kontakt zu Alkohol und Drogen. Damit ist der Grund für eine kriminelle Karriere gelegt. Lindahl lebt von Gelegenheitsarbeiten und Diebstählen, schlägt sich irgendwie durch und kompensiert seinen sozialen Abstieg, indem er sich eine wirre ausländerfeindliche Ideologie zulegt. Bei einer Gruppe von Skinheads findet er vermeintliche Kameradschaft, er rasiert sich den Schädel und verprügelt Ausländer.
Eine Welt voller Gewalt und Gefühlskälte wird hier geschildert, die Geschichte eines Orientierungslosen, der sich in der normalen Gesellschaft nicht zurechtfindet, Ablehnung erfährt und sich rächt durch ein möglichst radikales Verhalten, sozial und ideologisch. Kent Lindahl erzählt sein Leben in großer Offenheit, nicht in gewählter Sprache oder sachlicher Analyse, sondern als subjektiven Erfahrungsbericht im Jargon seiner Lebenswelt.
Der Ausstieg gelingt ihm, weil ihm sein eigenes Denken zunehmend fragwürdig erscheint. Und weil er in seiner Freundin und einer Suchttherapeutin entsprechenden Beistand erfährt. Um Jugendlichen zu helfen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, gründet Lindahl 1998 das Aussteiger-Programm Exit, das in Norwegen bereits erfolgreich arbeitete. Er organisiert staatliche Fördermittel, Beratungsmöglichkeiten, den Kontakt mit Sozialämtern und der Polizei. Erfolgreich, wie er schreibt, wenngleich er davor warnt, dass die Öffentlichkeit solche Projekte meist nur dann unterstützt, wenn gerade ein neuer Anschlag von Rechtsextremen für Schlagzeilen sorgt. Dass Hilfe für aussteigewillige Neonazis unabhängig von spektakulären Verbrechen notwendig ist, dafür plädiert Lindahls Buch auf eindringliche Weise. --Christoph Peerenboom
Kurzbeschreibung
Der Schwede Kent Lindahl war zehn Jahre aktiver Neonazi, er ließ sich die Arme tätowieren, den Kopf kahlscheren, er hat geraubt, sich geprügelt und landete schließlich im Gefängnis. Doch es gelang ihm, sich aus der Verstrickung in Kriminalität, Gewalt, nazistisches Gedankengut und Drogenhandel zu lösen und sich eine neue Existenz aufzubauen.
Nach norwegischem Vorbild gründete er das mittlerweile auch in Deutschland erfolgreiche Aussteiger-Programm »Exit«, das Rechtsextremisten hilft, sich aus der Szene zu lösen. In dieser beeindruckenden Autobiographie schildert Lindahl sein Leben und seinen Ausstieg aus der Neonazi-Szene.
Der Verlag über das Buch
»Im Vergleich zu vielen anderen Büchern dieses Genres zeichnet sie sich durch eine differenzierte, eigene Schwächen eingestehende Darstellung aus, in der auch Widersprüche und Rückfälle nicht ausgeklammert werden. Auch wenn die Darstellung naturgemäß auf schwedische Verhältnisse bezogen ist und natürlich nicht alle Erfahrungen übertragbar sind, bietet das Buch eine aufschlussreiche Lektüre für alle, die sich mit dem hiesigen Rechtsextremismus beschäftigen.« Zeitschrift für Politikwissenschaft
»Völlig abgesehen von dem Wahrheitsgehalt ist es genau das, was die Debatte über den Nazismus nötig hat: einen nuancierten und detaillierten Lebensbericht mit allen Haken und Ösen, Rationalisierungen und Erklärungen, Widersprüchen und Mustern.« Sydsvenska Dagbladet
»Exit ist ein dramatisches und erschütterndes, aber lesenswertes Buch. Ein Muß für denjenigen, der den Neonazismus verstehen und einen Einblick in das Leben gesellschaftlicher Randgruppen bekommen will.« Finanstidningen