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Produktinformation
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Dass die Klärung der Gottesfrage die Schaffung eines Bewusstseins für deren historische Ursprünge und divergierende Interpretationen zur Voraussetzung hat, wird dem Interessierten spätestens bei Durchsicht des zehnseitigen Inhaltsverzeichnisses bei einem Buchumfang von 870 Seiten klar werden. Deshalb sei ausdrücklich darauf hingewiesen: Man braucht ernsthaftes Interesse, ein Grundverständnis vor allem der Philosophie und Geistesgeschichte sowie Ausdauer. Ohne diese wird einem der Zugang zu den teils erhellenden Reflexionen -- wie zum Beispiel den Ausführungen zum nur scheinbaren Gegensatzpaar "Vernunft und Glaube" (Descartes, Thomas von Aquin, Pascal, Augustin, Wittgenstein, Popper) oder zu der theologisch-biblischen Argumentation zum Gottesbeweis (der Mensch ist mehr als nur das, was er offensichtlich zu sein scheint, so auch in Christ sein) -- verwehrt bleiben.
Dem souverän gestalteten und hervorragend formulierten Text merkt man dabei stets die fundierte philosophische Ausbildung wie die jahrzehntelange breite und intensive Beschäftigung des Autors mit der Thematik an. Dennoch ist dies, wie Küng betont, keine Philosophie- oder Ideengeschichte, sondern eine Hinführung und Auseinandersetzung mit den Zweifeln konkreter Menschen der Vergangenheit, die dieselben wie die der Gegenwart sind.
Kernpunkte des historischen Diskurses sind die Antipoden des Glaubens, der Atheismus und der Nihilismus, wobei Letzterer als Konsequenz des Ersteren zu verstehen ist. Diesen wird als Ausweg aus der Glaubenskrise die Bejahung der Wirklichkeit sowie die Bejahung Gottes entgegengestellt, wobei Küng bei aller intellektuellen Raffinesse und Logik letztlich auf das Thema von Ewiges Leben? zurückkommt: Vertrauen in Glauben. Allerdings bleibt fraglich, ob sie sich dann für die Existenz Gottes entscheiden, um eine mögliche Antwort auf die Dinge zwischen Himmel und Erde zu haben, für die es keine plausible Erklärung gibt. --Osseline Kind
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Nichtsdestotrotz ist Küng ein überzeugter Christ und daher läßt er in EXISTIERT GOTT ? auch von Anfang an keinen Zweifel daran, daß er diese Frage mit einem klaren Ja beantwortet. Aber Küng bleibt auch da, wo er kritisiert, stets sachlich. Daher können auch eingefleischte Agnostiker und Atheisten dieses Buch mit Gewinn lesen. Küng setzt sich mit der Entwicklung vom Rationalismus zum Nihilismus auseinander. Er behandelt im Rahmen seiner Argumentation die für diese Entwicklung wesentlichen Positionen: Descartes' "Ich denke, also bin ich", Pascals Logik des Herzens, Hegels geschichtlichen Gott, Feuerbachs Atheismus, Marx und sein berühmtes Wort vom "Opium des Volkes, Nietzsches "Gott ist tot" und Freuds Interpretation des Gottesglaubens als infantile Illusion. Küng stellt die jeweiligen Philosophien ausführlich in ihrem jeweiligen Kontext dar. Diese Darstellungen, denen er etwa Zweidrittel seines umfangreichen Buches widmet, sind somit auch ausgezeichnete und verständlich geschriebene Einführungen in die Weltanschauungen der besprochenen Philosophen. Im letzten Drittel schließlich bietet er mit dem christlichen Glauben eine - seine - Alternative zum Atheismus an.
EXISTIERT GOTT ? kann, muß aber keineswegs von der ersten bis zur letzten Seite durchgelesen werden. Es eignet sich auch als eine Art Nachschlagwerk. Wer sich mit einem knappen Lexikonartikel etwa über Descartes' Philosophie nicht zufrieden geben, aber auch nicht gleich ein ganzes Buch darüber lesen möchte, findet hier einen goldenen Mittelweg. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Allerdings, das Buch erweckt den Eindruck als muesste HK, angesichts der erdrueckenden Last kritischen Materials, alle inneren Kraefte mobi-lisieren um selber an der These von der Existenz des christlichen Gottes festzuhalten. Wahrend die Gegner und Zweifler, durch seine Feder, ihre Thesen wissenschaftlich zu untermauern suchen, zieht HK die Taktik der Gegenfragen, nach dem Motto vor (S.586): "Laesst sich schlisslich nicht zu jedem Beweis fuer Gott ein gleichwertiger Gegenbeweis erstellen?" Alternativ entflieht er in den nebuloesen Bereich des nicht erklaerungs-beduerftigen, persoenlichen Glaubensbekennt-nisses.
Es stellt sich die faszinierende Frage ob HK, der schliesslich sein Leben der Kirchenarbeit gewid-met hat, in eine Notlage geraten ist. Der reich-haltige Stoff seines Buches fuehrt den unvorein-genommenen Leser zwangslaeufig zu der Erkenntnis, dass zumindest berechtigte Zweifel an der realen Existenz des christlichen Gottes angebracht sind. Sein "Credo in spiritus sanctum" hinterlaesst einen kraftlosen Eindruck. Zumindest bietet er versoehnlich an: "Niemand - kein Bischoff und kein Professor, kein Pfarrer und kein Laie - 'besitzt' den Geist. Aber jedermann darf immer wieder neu daraum bitten."
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