Aus der Amazon.de-Redaktion
Vorurteile bitte an der Garderobe abgeben! Paddy Kelly, der talentierteste der Kelly Family geht solo -- und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ein eigenständiges, überzeugendes Debüt! Schon das Album
La Patata der Kelly Family, hatte ja eine zumindest teilweise neue Stilrichtung angezeigt, eine Abkehr von Birkenstock-Hymnen und den berühmten, stadionkompatiblen Kelly-Chorälen: Und auch dort war Paddy Kelly bereits der musikalische Direktor.
Dann kam die Solo-Vorabsingle "Pray Pray Pray", und die ließ bereits gehörig aufhorchen. Entpuppte sich der Song zwar nicht als radikale Abkehr vom Kelly-Family-Sound, offenbarte er doch eine viel versprechende Konzentration auf das Wesentliche: Auf die eigene, unglaublich starke Stimme, die -- man möge den starken Begriff verzeihen -- mit sehr viel Soul aufwartet. Und auf einen Song, der diesen Namen auch verdiente, der sich bei mehrmaligem Hören immer stärker in den Gehörgängen fest fräste. Der deutsch-irische Justin Timberlake? Stimmlich kann Paddy Kelly mit dem amerikanischen Superstar locker mithalten, das ist sicher. Nur, wo Timberlake auf die R&B-Schiene schielt, da merkt man Paddy Kelly die Vergangenheit in den Fußgängerzonen, mit Gitarre und traditioneller Instrumentierung an.
Paddy Kelly liefert auf In Exile ein buntes Spektrum an teils rockigen, teils balladesken Songs ab, die durch die Bank Hitpotenzial haben. Erinnert der Opener "Livin' In The Line Of Fire" stark an Gitarren-Kracher aus den 80er-Jahren, macht er mit soften Songs wie "Rain Of Roses" die Feuerzeug-Fraktion glücklich. Und das ist nicht negativ gemeint, denn den Vorwurf Kitsch zu produzieren kann man dem jungen Mann sicher nicht machen. Die -- zugegebenermaßen vorhandene -- romantisch-metaphorische Einfärbung der Texte ist authentisch. Das hört man, und das ist gut so. Anspieltipp: "Thanking Blessed Mary". Stark!
Einziger Kritikpunkt: Die Produktion geht stark in Richtung besagter überladener 80er-Jahre-Produktionen. Ein bisschen weniger hätte da gut getan. Das nächste Mal, dann. --Richard Goerlich