Kurz nach der Machtergreifung Hitlers ist die Münchner Familie Trautwein nach Paris emigriert und versucht, im Exil ein neues Leben zu beginnen. Keine leichte Aufgabe, findet Musiker und Komponist Sepp leider keine Anstellung, um seiner Leidenschaft nachzugehen, sondern arbeitet stattdessen bei einer Emigrantenzeitung, den "Pariser Nachrichten", Ehefrau Anna arbeitet als Aushilfe bei einem Zahnarzt, Sohn Hanns will seine Schule beenden und träumt von einem Studium der Architektur in Moskau, ist er doch ein treuer Anhänger des Kommunismus, was nicht selten zu Auseinandersetzungen mit seinem Vater führt.
Aufhänger der gesamten Geschichte ist die Entführung von Friedrich Benjamin, einem sehr guten Freund von Sepp, ebenfalls Mitarbeiter bei den PN. Benjamin wird an der Schweizer Grenze von den Nazis abgefangen und verschleppt, woraufhin Sepp dessen Posten bei der Zeitung erhält und sogleich mit politischen, von Emotionalität geprägten Artikeln für dessen Freilassung kämpft - was ihm letztendlich auch gelingt. Doch der Fall schlägt Wellen bis nach Berlin und so wird Parteimitglied Wiesener damit beauftragt, die Zeitung zu zersetzen und die Emigranten mundtot zu machen...
Feuchtwangers "Exil" beendet die Wartesaal-Trilogie, jedoch ist jeder Teil davon ein in sich abgeschlossener Roman. Der Autor ergießt sich gerne in ausführlichen Schilderungen über die Gedanken, Gefühle und Hintergründe der einzelnen Charaktere oder beschreibt sehr ausführlich Atmosphäre und Schauplätze. Auch der etwas ungewöhnliche Schreibstil, in dem häufig die Erzählzeit gewechselt wird, bedarf etwas an Geduld, doch es lohnt sich auf jeden Fall, das Buch nicht aus der Hand zu legen.
Jeder der Charaktere verfolgt stur sein eigenes Ziel, wodurch Konflikte entstehen: sei es Anna, die für die Veröffentlichung von Sepps Synfonie kämpft, Nazi Wiesener, der seine Liebesbeziehung mit einer Jüdin, aus der auch ein gemeinsames Kind hervorgeht, zu verheimlichen versucht oder der jüdische Redakteur Gingold, der zusehends unter Druck gerät...detailliert, facettenreich und glaubwürdig beschreibt Feuchtwanger das Leben im Exil sowie die faschistische Politik der Nationalsozialisten. Dabei wird sehr deutlich thematisiert, was Heimatverlust wirklich bedeutet und wie es ist, jeden Tag als Herausforderung annehmen zu müssen, schließlich war auch Feuchtwanger selbst im Exil. Ein beeindruckendes Werk, das man gelesen haben sollte.