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The Exchange Session 1
 
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The Exchange Session 1

Kieran Hebden Audio CD
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Produktinformation

  • Audio CD (8. Januar 2010)
  • Anzahl Disks/Tonträger: 1
  • Label: Domino Records (Goodtogo)
  • ASIN: B000C8VDUG
  • Weitere verfügbare Ausgaben: Audio CD  |  Vinyl  |  MP3-Download
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 335.405 in Musik (Siehe Top 100 in Musik)

 
1. Morning prayer - Hebden,Kieran, Reid,Steve
2. Soul oscillations - Hebden,Kieran, Reid,Steve
3. Electricity and drum will change your mind - Hebden,Kieran, Reid,Steve

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5.0 von 5 Sternen "Stay in the Rhythm, Kieran!", 3. April 2006
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: The Exchange Session 1 [Vinyl LP] (Vinyl)
"Stay in the Rhythm, Kieran!"
Kieran Hebden & Steve Reid: „The Exchange Session Vol. 1"

Kieran Hebden hat es geschafft. Er hätte auch Popstar werden können, aber das war ihm wohl zu anstrengend, außerdem hat er nichts übrig für Gesang. Stattdessen ist er ein richtiger Musiker geworden. Was er eigentlich ja schon war, nur wollte das lange niemand wirklich bemerken.
Der Londoner Kieran Hebden hat als Rocker angefangen. Besser gesagt als Postrocker in dem zu Unrecht völlig unbemerkt gebliebenen Trio „Fridge", das instrumentalen Rock nahezu restlos in abstrakte Elektronik aufzulösen vermochte. „Four Tet", sein Seitenprojekt zu „Fridge", sollte ursprünglich nur die elektronischen Ambitionen ausleben, wurde aber über die Jahre und mit zunehmendem Erfolg zum Epizentrum des Hebdenschen Koordinatensystems.
Hebden also als Elektroniker, einer derer, die man in Ermanglung treffenderer Einfälle gerne „Tüftler" nennt. Um genauer zu sein, betrachtete man Hebden jahrelang als den Erfinder von „folktronica". Denn die übrigens sehr schönen Alben „Pause" (2001) und mehr noch „Rounds" (2003) - das Debüt „Dialogue" (1999), experimenteller, sperriger und jazziger, scheint niemand gehört zu haben - trafen den Geschmack der Kritiker ebenso, wie auf ein Publikum, das nur auf diese ruhige Mischung aus naiven Gitarrenharmonien und Glöckchen, elektronisch wohl geordneten Bläser- und Schlagzeugsampeln, sowie kleinem Krach gewartet zu haben schien. So klingen wollten denn auch andere. Wer den Stil nicht nachahmte, ließ seinem Stück einen Remix von „Four Tet", alias Kieran Hebden, angedeihen, so „Radiohead", „Aphex Twin" und gar „The Nowist", um nur die namhaftesten jener guten drei Dutzend zu nennen.
Klingt wie ein solides Fundament für eine langfristige Karriere in der populären Musik. Doch leider hatte der Schallplattennarr Hebden zuviel außergewöhnliche Musik gehört, um selber keine machen zu wollen. Im Frühjahr 2004 hatte er für das Pariser Label „Isma`a" den Titel „Fable of Gutemberg" von Jef Gilson aus dem Jahre 1961 bearbeitet, um genauer zu sein hatte er ihn zusammengesetzt aus Schnipseln und Sounds verschiedenster Aufnahmen Gilsons aus den 60ern und 70ern. Dem Chef des Labels erzählte er von seiner Vorliebe für improvisierende Schlagzeug- und Saxophon-Duos, wie Rashied Ali und John Coltrane, Evan Parker und John Stephens und dass er selbst auch so etwas gerne machen würde, nur eben mit Schlagzeug und Elektronik. Dieser schlug ihm Steve Reid, eines der Urgesteine des schwarzen New Yorker Jazz, vor und stellte den Kontakt her.
Dass Steve Reid sie alle im Gepäck hat, d.h. mit Fela Kuti in Afrika den Wurzeln des Rhythmus auf der Spur war, Sun Ra begleitetete und mit John Coltrane, Miles Davis, aber auch James Brown und Fats Domino gespielt hat - er könnte eigentlich (fast) der Großvater von Kieran Hebden sein - war nicht der Grund für Hebdens Begeisterung angesichts der zwei ebenso improvisierten wie ausverkauften Konzerte in Paris und London Ende März letzten Jahres. Vielmehr war es dessen Authentizität und Selbstbestimmtheit in musikalischen Belangen. Von übermäßigem kommerziellen Erfolg kann bei Steve Reid nämlich nicht die Rede sein. Einige seiner im Selbstverlag in den Siebzigern herausgegebenen Avantgarde-Jazz-Alben werden gerade vom „Soul Jazz"-Label wieder aufgelegt, weil sie über die damalige Vertriebstruktur nicht an den Mann zu bringen waren.
Am Tag nach dem Londoner Auftritt beehrten die beiden Gilles Peterson bei der BBC zu einer Session, um am darauffolgenden die Exchange Studios heimzusuchen.
Die erste Hälfte der Aufnahmen, die dort gemacht wurden, wird jetzt als „live takes with no overdubs or edits" unter dem programmatishen Titel „The Exchange Session Vol. 1" - Teil 2 wird im Juni erscheinen - vom kleinen und feinen, momentan aber mit den „Arctic Monkeys" vor allem unglaublich hippen Londoner „Domino"-Label herausgegeben.
Die Musik ist, wie es Free Jazz so an sich hat, schön und anstrengend, dabei aber vor allem rhythmisch und , hypnotisch und destruktiv. Es ist keine Orgie über die Sinnlosigkeit komponierter Musik, sondern eine hochkonzentrierte Arbeit zweier sehr gut harmonierender Musiker. Während Reid eigentlich nur ein paar Drumsticks und vor allem sich selbst dabei haben mußte, ist Hebden mit seinem digitalen Klang- und Soundarchiv zum Set gekommen, um dieses gehörig zu strapazieren. Nur seine Schlagzeugsampels konnte er getrost zuhause lassen.
Beim Opener „Morning Prayer", dem mit sieben Minuten kürzesten der drei Takes, meditiert Hebden über einem niedlichen Flötensample, welches er schon in einem Remix für die Hip Hopper Madvillain untergebracht hatte, aber scheinbar noch nicht ausgereizt, dehnt, doppelt und zerlegt dieses, legt modulierte Saxophon-Schnipsel, Glöckchen, elektronisches Gepiepse und Geplucker darüber, um zu sehen, wie es sich verträgt. Reid hingegen scheint sich hier noch warm zu spielen und etwas unentschlossen, wie es denn losgehe.
Das tut es aber erst im zweiten und gut doppelt so langen Stück „Soul Oscillations". Sie finden sich schnell, kommen miteinander ins Spiel und ziehen nach und nach alle Register der hier möglichen musikalischen Interaktion. Reid ist derjenige, der die Vorgaben macht, den Beat sucht und findet, welchem Hebden sein Zirpen, Zwitschern, Schnarren, Tönen und Kratzen mit auf den Weg gibt.
Im dritten, knapp sechzehnminütigen „Electricity And Drum Will Change Your Mind" kracht es dann ganz gewaltig. Zunächst packt Hebden eine kleine schwebende Harmonie aus, die von Reid mit dem passenden Takt versehen wird. Während dieser beginnt, sich dazu in Schweiß zu klopfen, ist Hebden schon damit beschäftigt, sein Arsenal an fiepsigen, trötenden, quiekenden und dröhnenden Störgeräuschen auszubreiten. Der Hörnerv wird dann auf diverse Proben gestellt und kaum empfindet man dies als Wohltat, ist es auch schon wieder vorbei.
Doch Kieran Hebden ist durch die Aufnahmen in den Exchange Studios nicht Free-Jazzer geworden, zumindest nicht nur. Er hat statt dessen im Mai mit „Everything Ecstatic" sein bisher elektronischstes, rhythmischstes, schnellstes und erklärungsbedürftigstes „Four Tet"-Album auf den Markt geworfen. Es ist eine Liebeserklärung an die elektronische Tanzmusik geworden, ein verrückt gluckernder Wechselbalg, gemacht um es „am besten laut und mit Freunden" zu hören. Im Herbst wurde mit „Everything Ecstatic Part 2" sogar noch einen Gang hochgeschaltet: Krautrock-Elemente verfeinern die noch schnelleren elektronischen Beats.
Und Steve Reid? Im Oktober ist „Spirit Walk" vom Steve Reid Ensemble herausgekommen und es klingt, als wäre es in der Hochphase des Jazz-Rock aufgenommen worden. Vier Saxophonisten, ein Bassist, ein - welche Überraschung - sehr zurückhaltender Kieran Hebden an den „Electronics" und ein sehr extravagant schweineorgelnder junger Russe bilden den Klang- und Geräuschteppich, den der ekstatisch trommelnde Reid mit seinem unglaublich schwarzen Groove abheben läßt. Einen derart energiegeladenen „Super Cosmic Heavy Jazz" (Hebden) hätte man 1972 erwartet, nicht im Herbst 2005.
Seit Weihnachten ist Kieran Hebden wieder im Studio, diesmal mit Fridge, seiner „eigentlichen" Band. Ein Album soll in der ersten Hälfte des Jahres fertig sein, damit im Sommer getourt werden kann. Man darf gespannt sein.

Kieran Hebden and Steve Reid: „The Exchange Session Vol. 1" Domino WIG 169, ab Montag 27.02.06

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