Unter der Flut der Artus/Grals-Verfilmungen ist diese Produktion die erste Wahl. Man könnte ein ganzes Wochenende NonStop damit zubringen, sich mit dem Thema Artus zu beschäftigen. DIE HEXE UND DER ZAUBERER von Walt Disney, MERLIN mit Sam Neil als Fernseh-Wuchtbrummen-Produktion, DIE RITTER DER TAFELRUNDE mit Ava Gardner und Mel Ferrer von `53 und und und bis man viereckige Augen hat und in der Küche das Brotmesser aus dem Messerblock zieht und sich für den neuen König von Britannien hält.
Muß aber nicht sein, denn für relativ schmales Geld bekommt man EXCALIBUR auf DVD und das langt dann ja erst mal für ein Wochenende!
Der schmale Preis; das ist denn auch der schlimme Wehrmutstropfen, der in Artus Gral vor sich hin dümpelt. Wie man es von WARNER BROS nicht anders gewohnt ist, kommt uns die DVD tierisch spartanisch. Man kann froh sein, die einzelnen Kapitel anwählen zu dürfen. Deutsch wird nur in Mono angeboten und selbst auf der englischen Spur, die zwar Dolby Digital 5.1 ist, wurde nichts nachgearbeitet. In der Szene wo Artus bei einer Brücke auf Lancelot trifft und es zum Konflikt zwischen beiden kommt, hört man kurz vor dem Kampf gut vernehmlich ein Auto anfahren. Da kam wohl ein schottischer Landsmann nicht schnell genug ins nächste Pup.
Ich bin auch kein großer Verfechter der FSK, aber wer den Streifen am Sonntagnachmittag mit seinen Lieben, besonders mit den lieben Kleinen gucken möchte, hat hinterher jede Menge zu erklären. Abgeschlagene Arme, durchbohrte Rüstungen, luftgetrocknete Ritter in ihren Rüstungen, erschlichener Sex( ich formuliere sehr vorsichtig; man könnte auch erzwungener Sex sagen, aber das muß man nach der Handlung selber beurteilen), selbst durchgeführte Entbindungen, baumelnde Leichen, denen von Raben die Augen ausgepickt werden, sorgen sicherlich bei manchen Familien für regen Sprachbedarf und einen schiefhängenden Haussegen.
Ich persönlich find's echt klasse, nur versteh' ich dann nicht, warum der erste HIGHLANDER ab 18 FSK released wurde, aber das nur mal am Rande.
Zurück zu EXCALIBUR! Wer wegen der Metzeleien meint, huh, B-Movie in Richtung Texas Kettensägen Massacker, oder so, der ist schwer auf dem Holzweg. John Boorman steht für großes Kino und ist eine Klasse für sich. ZARDOZ, DER SMARAGDWALD etc., das ist Boorman. Nur ist der Kerl nicht gerade zimperlich. Wie Kubrick zeigt er Gewalt und läßt sich da auch nicht rein reden.
Die Artussaga inszeniert er wie eine Oper. Nicht nur wegen der Musik, Wagner, Orff und Konsorten werden bemüht, auch die Darstellung mit großen Gesten und übertriebener Mimik (volle Breitseite Pathos ist angesagt) weht aus der Richtung. Ebenso die Ausleuchtung und Effekte sind opernhaft gehalten. Bei magischen Momenten wird grün ausgeleuchtet oder Nebel senkt sich. Die Texte haben Saft und Kraft und eignen sich für Zitate. Gothisch sind die Bühnenbauten gehalten und die Rüstungen der tapferen Recken hätten sicherlich sogar den Orks von Peter Jacksons DER HERR DER RINGE die Tränen in die Augen getrieben. Prügel- und Schlachtszenen bestehen jeden Vergleich und lassen trotz des Alters ( '81 hat Boorman den Streifen gedreht) die meisten anderen Vertreter des Genres ganz schön blaß aussehen.
Es kann allerdings nicht schaden, vorher T.H. White's DER KÖNIG VON CAMELOT, Marion Zimmer Bradley's DIE NEBEL VON AVALON und Malroy's MORTE D'ARTHUR zu lesen. Man versteht dann Figuren wie Merlin, Arthur, Morgana etc viel besser und weiß die Leistung zu schätzen, daß Buch von Malroy filmisch so toll um zusetzten.
Man erlebt einen jungen Gabriel Byrne, einen sehr jungen Liam Neeson, eine verdammt sexy Helen Mirren als Morgana und einen Nicol Williamson als abgefahrenen Merlin (auch in SPAWN zu bewundern) in brillianter Spiellaune.
Fazit: Genialste Artusverfilmung überhaupt bisher, trotz des Alters kein Museumsstück, aber für die ganz Kleinen nicht das Richtige. Unzulänglichkeiten der DVD einfach ignorieren und immer dran denken: Wenigstens kann der Videorekorder das Band nicht mehr fressen!!!