Eine knackige Grundkonstellation hat sich Drehbuchautor und Regisseur Stuart Hazeldine für seinen Film "Exam" ausgedacht. Unter relativer Wahrung der Einheit von Zeit und Raum führt er den Zuschauer durch ein durchaus fesselndes Job-Auswahlverfahren in einer nahen Zukunft, an dessen Ende nur einer übrig bleiben kann. Oder?
Glaubhaft gelingt es Hazledine, die Anspannung und die innere Haltung der acht Bewerber deutlich zu machen, als sie feststellen, dass ihre Hauptaufgabe beim Einstellungstest offenbar darin besteht, unter Zeitdruck erst die richtige FRAGE herauszufinden, bevor sie die einzig mögliche Antwort geben können.
Das kontrollierte Adrenalin der Protagonisten erreicht überwiegend mühelos den Zuschauer und es entspinnt sich eine faszinierende Versuchsanordnung über menschliche Gruppendynamik, eine Ahnung über das, was dem Menschen vom Tier unterscheidet und die haltgebende Struktur eines Regelwerks.
Nebenher enthält "Exam" ebenso deutliche wie kritische Anspielungen auf die Stärken und Schwächen des amerikanischen Gesellschaftssystems:
Der Film zeigt uns nicht nur die Übermacht der großen Konzerne, den unbändige Innovationstrieb, sowie einen nur notdürftig mit politischer Korrektheit übertünchten Raubtierkapitalismus, der im Zweifel jede Gewaltenteilung überwindet. Er beleuchtet auch ganz nebenbei die Frage, ob klassische menschliche Moraltugenden eher eine Schwäche oder eine Stärke sind.
Zugegeben: Die Handlung verläuft insgesamt sehr, gelegentlich leider ZU gradlinig. Das Ende kommt etwas abrupt und ist oberflächlich betrachtet weniger spektakulär als sich vorher vermuten ließ. Aber es ist - nach einigem Nachdenken - überwältigend logisch. Und es führt einem auf verblüffende Weise vor, dass jeder persönliche Sieg nicht nur auf eigenem Können beruht, sondern immer auch von anderen, dioe dann auf der Strecke zurückbleiben, mit erkämpft wurde. Auch wenn wir uns dessen meistens nicht bewusst sind.
Ich kann "Exam" alles in allem sehr gut empfehlen. Vor allem jenen, die es nicht schmerzt, wenn ein Film ohne jede Action-Verfolgungsjagden auskommt.