"Zwei an einem Tag" war ein großartiges Stück Unterhaltungsliteratur, dass sich durchaus auf Augenhöhe mit den Werken von Nick Hornby bewegt. Der Vorgänger (nicht inhaltlich sondern im literarischen Schaffen des Autors) "Ewig Zweiter" konnte mich hingegen weniger überzeugen.
Protagonist Stephen McQueen hat das Zeug zum tapferen Verlierer-Typ, der - obschon vom Schicksal gebeutelt - sich seine optimistische Einstellung bewahrt hat und enthusiastisch an seinem Lebenstraum festhält. Eine Figur der die Sympathien der Leser zufliegen sollten und der man wünscht, ihr Leben in den Griff zu bekommen und in bessere Bahnen zu lenken.
Zunächst scheint es sich auch so zu entwickeln, Stephen träumt davon ein großer Schauspieler zu sein, hält sich jedoch lediglich mit Gelegenheitsjobs, Minirollen und Zweitbesetzungen mehr schlecht als recht über Wasser. Seine Ehe ist gescheitert, die Beziehung zu seiner Tochter viel weniger intensiv als von ihm gewünscht und in seiner Freizeit tröstet er sich, in dem er alte Filmklassiker schaut und sich vorstellt, er wäre Cary Grant.
Durch eine Verkettung von Zufällen gewinnt er unverhofft die Aufmerksamkeit eines bekannten Schauspielers und - weit reizvoller - auch von dessen Frau. So ist er hin und her gerissen zwischen dem Schnuppern von JetSet-Luft, der Aussicht auf den lang ersehnten Karrieresprung und einer womöglich neuen großen Liebe in seinem Leben.
Das klingt zwar nicht nach großer Literatur, aber immerhin wie vergnügliche Unterhaltung, zumal Schriftsteller David Nicholls mit viel Wortwitz und Situationskomik durch die Geschichte führt. Doch Autor und Hauptdarsteller verheddern sich in dem Gestrüpp der sich ihnen bietenden Möglichkeiten. Stephen bewegt sich wie ein tapsiger unbeholfener Bär auf dem ungewohnten Terrain. Das ist im ersten Romandrittel noch irgendwie charmant, wird im Mittelteil jedoch zu einem echten Ärgernis. Statt einen Weg aus der Miesere zu finden, macht er die Situation für sich immer schlimmer und als Leser möchte man ihn bei jedem neuen Fehler am liebsten schütteln und anschreien, bis irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem er so viel verbockt hat, dass die Aussichten auf den erhofften Ausgang der Geschichte gegen Null sinken. Spätestens dann sind aber auch die anfänglichen Sympathien für Stephen aufgebraucht und es wird einem zunehmend gleichgültig, ob er wohl stattdessen wenigstens eine andere Variante von Glück findet.
Man mag David Nicholls zu Gute halten, dass er origineller ist, als lediglich die Klischees zu erfüllen, die er zu Beginn aufwirft. Man kann ihm auch nicht absprechen, dass er ein humorvoller Beschreiber und Beobachter ist, aber der Roman als Gesamtheit wirkt auf mich wie eine unausgegorene Mischung aus Drama und Komödie, in der weder Autor noch Hauptfigur überzeugend die Kurve bekommen. Ein bisschen zu ernst, bisweilen tragisch, um lustig zu sein und gleichzeitig zu albern, um mich zu berühren. Als harmlose Urlaubslektüre ist es Dank der zahlreichen durchaus spaßigen Stellen noch immer halbwegs geeignet. Nachhaltig in Erinnerung bleibt es allerdings nicht. Und das ist vielleicht auch besser so.