Das Buch gibt einen knappen Überblick über Evolutionstheorien in den Natur- und Sozialwissenschaften, meines Erachtens an vielen Stellen zu knapp.
Insgesamt besteht es aus 7 Kapiteln, angefangen mit den "Evolutionstheorien vor Darwin" (Lamarck etc.), gefolgt von einer Darstellung von "Darwins Evolutionstheorie" und darauf aufbauend den Weiterentwicklungen "Über Darwin hinaus", angefangen von der Vererbungslehre, über den Neodarwinismus (Weismann) zur Synthetischen Evolutionstheorie, aber auch einigen modernen Ansätzen wie Epigenetik und die Theorie der Entwicklungssysteme. Nach einer Kurzdarstellung der (frühen) Evolution ("Der Baum des Lebens") folgt eine Abhandlung über die Stellung des Menschen innerhalb der Evolution ("Der Mensch"), die sich auch mit Themen wie Soziobiologie, evolutionäre Psychologie und die Evolution der Kultur (hier: Memetik) auseinandersetzt. Im Kapitel "Die Evolutionstheorie außerhalb der Biologie" geht es dann noch um die Bedeutung von Evolutionstheorien in der Religion, der Philosophie (Evolutionäre Erkenntnistheorie und Ethik), der Soziologie und davon abgegrenzt auch noch um den Sozialdarwinismus. Das abschließende Kapitel "Evolution praktisch" befasst sich dann noch mit dem Einfluss des Menschen auf die Evolution und ganz kurz auch mit Gentechnik.
Das Buch kann auf seinen etwas mehr als 150 Seiten die meisten Themen nur ganz knapp anreißen, weswegen die eigentlich interessanten Fragen erst gar nicht gestellt werden. Beispielsweise erklärt die natürliche Auslese Darwins Evolution durch ein "Survival of the Fittest", während in modernen menschlichen Verhältnissen genau umgekehrte Verhältnisse vorzufinden sind (Central Theoretical Problem of Human Sociobiology; demographisch-ökonomisches Paradoxon). Die Beziehung zwischen Darwinismus und Sozialdarwinismus wird nicht eingehend genug ausdiskutiert. Die Erklärungsversuche für die Entstehung von Altruismus beschränken sich auf die Verwandtenselektion und spieltheoretische Überlegungen (etwa gemäß Axelrods
Die Evolution der Kooperation), obwohl Zahavi/Zahavi in
Signale der Verständigung Altruismus viel plausibler als Handicap und damit als Fitnessindikator interpretieren, über den Prestige erworben werden kann, welcher den Fortpflanzungserfolg für Männchen steigern kann. Die Erklärung für die Bedeutung der Sexualität war mir auch in Anbetracht der Kürze der Darstellung zu knapp und einseitig.
Vielleicht hätte ich das Buch freundlicher bewertet, wenn ich es nicht erst nach Merschs
Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem gelesen hätte. Dort wird nämlich auf alle Ungereimtheiten rund um die Evolutionstheorie und ihre Probleme bzgl. einer Ausweitung auf andere Evolutionen (z. B. Technik) im Detail eingegangen.