Spätestens seit "Jurassic Park" sind viele Menschen von der Idee fasziniert, einen Dinosaurier zu züchten. Der bekannte Paläontologe Jack Horner meint, dass es, um der Erfüllung dieses Traumes näher zu kommen, nicht unbedingt notwendig ist, Dinosaurier-DNS zu finden. Er möchte vielmehr einen anderen Weg beschreiten und von den heutigen Vögeln, den einzigen überlebenden Dinosauriern, ausgehen.
Zunächst wird in diesem Buch ein Einblick in die aktuellen Möglichkeiten der paläontologischen Forschung gegeben, wobei der Autor immer wieder den Nutzen von interdisziplinären Ansätzen betont. So werden nicht mehr nur Fossilien ausgegraben und hinsichtlich ihrer äußeren Strukturen untersucht, sondern es gelingt immer mehr, in das Innere eines Fundstücks vorzudringen. Auf diese Weise konnten möglicherweise bereits Überreste von Proteinen und Blutzellen in fossilen Knochen entdeckt werden. Auch molekularbiologische Untersuchungen gewinnen immer mehr an Bedeutung.
Durch die Ergebnisse derartiger Verfahren konnte die schon lange bestehende Vermutung, dass die Vögel direkt von den Dinosauriern abstammen, weiter untermauert werden.
Weitere Erkenntnisse zur Evolution ergeben sich auch aus der Analyse der Embryonalentwicklung. Dabei zeigt sich, dass Veränderungen in der Form von Lebewesen nicht nur durch Änderungen der Gene selbst entstehen, sondern ihre Ursache auch in der unterschiedlichen Wirkung von Steuerungsmechanismen haben - wenn beispielsweise ein für das Wachstum des Schwanzes verantwortliches Gen während der Embryonalentwicklung zu unterschiedlichen Zeitpunkten "ein"-oder "ausgeschaltet" wird.
Und hier möchte Jack Horner nun ansetzen. Denn man kann davon ausgehen, dass auch im Genom unserer Vögel noch Gene vorhanden sind, die für das typische Aussehen eines Dinosauriers verantwortlich waren, nur dass sie während der Embryonalentwicklung eben nicht mehr aktiviert werden.
Folglich untersuchen Forscher an Hühnerembryonen, was geschieht, wenn man ihre Entwicklung umprogrammiert. Horner zeigt, welche Fortschritte bereits in dieser Richtung erzielt wurden, macht aber auch deutlich, dass die Wissenschaftler noch einen weiten Weg vor sich haben und noch einiges an Grundlagenforschung nötig ist.
Dennoch hat er die Vision, eines Tages beispielsweise einen "Chickenosaurus" zu präsentieren, ein aus einem Hühnerei herangezüchtetes Tier, bei dem ein Hühnerskelett mit einem Schanz und Dinosaurierarmen ausgestattet ist.
Daneben geht er in diesem Buch auch auf ethische Fragen ein, die sich aus derartigen Versuchen ergeben.
So entsteht ein interessanter Überblick über ein aktuelles wissenschaftliches Projekt. Auch wenn man bezüglich der Sinnhaftigkeit derartiger Experimente natürlich unterschiedlicher Meinung sein kann, ist es jedenfalls eine reizvolle - und sicherlich auch öffentlichkeitswirksame - Idee, ausgestorbenen Tieren auf diese Art nahezukommen. Auch wenn dadurch natürlich keine "echten" Dinosaurier entstehen würden.
Allerdings ist das Buch in einem etwas trockenen Stil geschrieben und ohne gewisse Vorkenntnisse sind einige Erläuterungen wahrscheinlich schwer nachvollziehbar. Außerdem hätte ich mir mehr Bilder gewünscht, um das Ganze anschaulicher zu machen.