"Evolution" ist das ungewöhnlichste aber auch das beste Buch, das ich in letzter Zeit gelesen habe. Stephen Baxter unternimmt den Versuch, die gesamte Geschichte der Menschheit von der fernsten Vergangenheit bis in die entfernte Zukunft zusammenzufassen. Dies geschieht in relativ kurzen Episoden, die in verschiedenen Zeitaltern spielen, angefangen bei Purga, einem kleinen Nagetier, welches zur Zeit der Diosaurier lebte, bis hin zu den ganz entfernten Nachkommen der Menschheit in der Zukunft. Diese Kurzgeschichten werden dabei durch eine Rahmenhandlung zusammengefügt, die ungefähr in unserer Zeit spielt.
Es gibt verschiedene Gründe, warum mich "Evolution" so beindruckt hat: Zum einen schafft es Stephen Baxter zu verdeutlichen, dass die Entstehung von Leben, insbesondere von intelligentem Leben, äußerst unwahrscheinlich ist. Baxter verdeutlicht dies unter anderem anhand des Meteroiteneinschlags, der die Dinosaurier auslöschte und so die Entwicklungdes Homo Sapiens erst ermöglichte. Die Entstehung des intelligenten Menschen war nicht zwangsläufig, sondern wurde erst ermöglicht durch geographische und klimatologische Umwälzungen sowie durch verschiedene Einzelereignisse, die zusammmen eine sehr unwahrscheinliche Kette bilden.
Zum anderen wird in diesem Buch deutlich, welches genetische Erbe wir in uns tragen, ein Erbe, welches Jahrmillionen weitzurückliegt, aber immer noch Einfluss auf unsere heutigen Handlungen nimmt.
"Evolution" ist in drei Teile gegliedert. Der erste Teil handelt von den Vorfahren der Menschen. Dass in diesem Teil nicht alles wissenschaftlich plausibel ist, wie hier in einer anderen Rezension bemängelt wird, halte ich nicht für schlimm. Es könnte zumindest so gewesen sein, wie geschildert, und das allein zählt. "Evolution" ist eben ein spannender Roman und kein wissenschaftliches Werk.
Der zweite Teil handelt von dem modernen Menschen, und hier wird verdeutlicht, wo die Wurzeln des selbstverschuldeten Übels liegt, das die Menschheit über die Erde gebracht hat.
Die Zukunftsvision, die den letzen Teil des Buches bildet ist ein pessimistischer Abgesang auf die Menschheit, der noch einmal verdeutlicht, wie abhängig die Evolution von äußeren Umständen ist. Es gibt dennoch Grund zur Hoffnung...aber ich möchte nicht zuviel verraten.
Unverständlich bleibt mir nur, warum dieser Roman in der Science Fiction Reihe von Heyne erschienen ist. "Evolution" ist viel mehr als Science Fiction, nämlich Eine unglaubliche atemberaubende Geschichte über die Rasse der Menschen.