Mit Magnum-Samplern ist das ja so eine Sache: Entweder sie beziehen sich nur auf eine bestimmte Phase der Band, wie beispielsweise "Road to Paradise" auf die Frühphase oder "Chapter and Verse" auf den kommerziellen Höhepunkt, oder man bekommt wilde Potpourris aus Hits, B-Seiten, Live Tracks oder Archiv-Aufnahmen geboten, wie es bei "Long Days, Black Nights" oder "The Gathering" der Fall war, welche zwar die Vielfalt der Band belegen, aber, besonders für Einsteiger, recht unübersichtlich ausfallen.
"Evolution" bezieht sich also nun auf die letzten 10 Jahre bzw. auf die letzten 5 Alben der Band. Das Label SPV, welches die letzten 5 Albem herausbringen durfte, wendete sich an Tony Clarkin mit dem Vorschlag, ein Best Of Album herauszubringen, welches Songs aus jenen Alben enthalten sollte, die unter ihrem Banner veröffentlicht wurden. Clarkin willigte schließlich ein, wollte die Songs aber noch einmal neu beleben. Und genau das macht "Evolution" zu einem unverzichtbaren Werk für Fans und einer repräsentativen Magnum - CD für alle anderen.
Aus jedem der 5 Albem wurden jeweils 2 Songs ausgewählt, denen noch einmal neues Leben eingehaucht werden sollte. Die Auswahl mag manchen Kenner wundern, besonders, da sie sich nicht auf kommerzielle Erfolge der einzelnen Songs bezieht, sondern vielmehr darauf, was Songwriter Clarkin noch einmal neu entdecken bzw. verbessern wollte.
Ob die Änderungen und Ergänzungen nun nötig waren oder nicht, es ist ein Vergnügen, sie wahrzunehmen und mit den Originaltiteln zu vergleichen. Schließlich muss man sich ja nicht entscheiden, welche Version man lieber mag.
Die Mühe jedenfalls, die Magnum sich gemacht haben, verdient Anerkennung - und hat sich gelohnt. Die Songs des "Breath of Life" Albums wirken lebendiger, die Songs vom "Moonking" - Album hören sich geschmeidiger an und das gesamte Album wirkt wie aus einem Guss und nicht wie ein zusammengewürfelter Sampler.
Dabei kommt auch jedes Bandmitglied zur vollen Geltung. Al Barrows Coverartwork ist fabelhaft, seine neu eingefügten Bassläufe bei "Blood on your barbed wire thorns" sind wunderbar. Harry James Drums hören sich sehr vielseitig, lebendig und leidenschaftlich an, ebenso sind Tony Clarkins Gitarrenriffs, glasklar produziert, großes Kino. Mark Stanways Keyboards verleihen dem Album die nötige epische Breite, zu Bobs Gesang muss wohl nicht mehr viel gesagt werden, der Mann hat, daran hat sich trotz des Alters nichts geändert, eine der emotionalsten und schönsten Stimmen, die im Melodic Rock - Bereich zu finden sind.
Da das Album dann noch 2 komplett neue Songs bereithält, wird wohl kein Fan an "Evolution" vorbeikommen wollen.
"The Fall", eine sehr schöne, eingängige Melodic Rock Hymne und die etwas melancholische Nummer "Do you know who you are" sind ebenso verspielt und liebevoll produziert wie die anderen Tracks und wie bei Magnum üblich erschließen sich nicht gleich alle Deteils und Facetten beim ersten Hören.
"Evolution" ist kein "Greatest Hits" - Album im üblichen Sinne, eher ein Neu-Erfinden, ein kurzer Rückblick und ein unübersehbares Zeichen, dass Magnum nach wie vor da sind und, trotz eines fast 40-jährigen Jubiläums, keineswegs an einen "Last Dance" denken müssen.