Anders als beispielsweise jüngere BBC-Produktionen arbeitet "Evolution - Die Geschichte des Lebens" diese Themen nicht reißerisch auf und lässt - im Gegensatz zum geschätzten Kollegen Richard Dawkins - den aktuellen Konflikt mit Kreationismus und Co. außen vor. Die Dokumentation wirkt eher wie ein leidenschaftlicher, junger Professor, der freilich ein bisschen zerstreut ist. So muss man in der ersten Folge zunächst Zugang zum Material finden, da diese mitten ins Geschehen springt und den Anfängerfehler begeht, die an der Basis der Evolution stehende These der natürlichen Selektion außen vor zu lassen. Es sollte eigentlich Wissen sein, das man beim Zuschauer voraussetzen kann, aber wie uns die heutige Welt zeigt, ist das leider nicht immer gegeben. Dennoch ist dies nur ein kleines Versäumnis, denn mit ein bisschen Grundwissen sind die vier Folgen der Dokumentation sehr gut verständlich. Mit seinen recht speziellen Beobachtungen richtet sich das Programm freilich trotzdem eher an Interessierte und Fortgeschrittene.
Anders als man annehmen könnte, werden die Folgen nicht trocken und wissenschaftlich präsentiert, sondern zeigen noch echten Forschergeist. Jede Episode schaut meist einem oder mehreren Wissenschaftlern über die Schulter, wie sie in der freien Natur und im Labor Entdeckungen machen, die bestimmte Phänomene der Evolution einleuchtend erklären. Unterstützt wird dies durch Computer-Animationen, die holpriger sind, als man es gewohnt ist, aber dafür auch die Argumentationskette unterstützen und nicht den Schauwert des Programms. Die Suche nach den Antworten auf bestimmte Fragen ist dennoch interessant aufbereitet, und da die Fragen an sich bereits äußerst spannend sind, ist Evolution - Die Geschichte des Lebens" eine tolle Dokumentation für all jene, die sich für Biologie im Allgemeinen und Evolution im Besonderen interessieren. Selbst jene, die mit Darwins großem Erbe vertraut sind, werden aus diesen DVDs ein paar neue, faszinierende Erkenntnisse ziehen können.