Fallt auf die Knie, Ihr Jünger des Rock und huldigt euren neuen Herrschern. Eine Wachablösung steht bevor und die Alten müssen den Platz räumen für die zukünftigen Schwinger des Zepters auf dem Rockthron, genannt Astral Doors!
Wer den sagenhaften Zweitling „Evil is forever" dieser neuen schwedischen Macht das erste mal hört, der wird sofort den Name des Dio ausrufen, denn Stimmeister Nils Patrik Johansson klingt schon nach dem Gottvater des Hard Rock, aber sein doch mächtigeres Fundament in den unteren Lagen und die mehr kehlig veranlagte Stimme wischen Vorwürfe blanker Kopie schnell vom Tisch. Hier erhebt sich eine mächtige, aggressive und unbändige Vokalfaust zu einem alles vernichtenden Schlag! Dieser Mann ist für mich jetzt schon ein Allmächtiger Gesangsdruide, der mit den Vorurteilen des Rockgesangs aufräumt und auch mit seiner technischen Versiertheit absolut fasziniert.
Eins sei vorne weg gesagt: Die Astral Doors haben zwar eindeutig extrem viel Rainbow, Dio und Black Sabbath zu Dio Zeiten gehört, aber man darf sie trotz einiger Bezüge in den Songs und den Arrangements niemals als blanke Epigonen abtun. Erinnert fühlen ist keine Schande, aber alles andere wäre Unrecht. Eher würde ich die Songs als moderne Interpretation des Rock betrachten, den gerade Dio und seine Gitarrenfreunde Blackmore, Iommi und Campbell huldvoll gepredigt haben.
Und so ist der fetter Powermetal-mässige Opener „Bride of Christ" auch gleich ein Double Bass Killer mit schlagkräftigem Riffing und einer krachenden Hook. Dieses Kanonengeschoss ist ein verflixt guter Einstieg, aber was nun mit „Time to Rock" folgt, könnte eine neue Hymne des Rock UND Metal werden. Griffig die Hook, mächtig das Riff und fantastisch kräftig- melodisch der Gesang! Einfach irre diese Schweden.
Aber alles das und wahrscheinlich überhaupt alles im Rock der letzten 15 Jahre ist ein Nichts gegen den nun folgenden Titeltrack. „Evil is forever" ist ein mächtig- grollend- stampfendes Heavy- Rock Statement, das einen sofort überrollt. Nach dem wohl ironisch gemeinten sakralen Heimorgel- Intro vom ausgezeichneten Joakim Roberg schwingt Johanson sich über einem sagenhaft tonnenschweren Riffing zu einem derart majestätisch stolzen und melodischen Drachenflug empor, dass er nebenbei die meisten Rocksänger egal welchen Semesters extrem alt aussehen lässt. Da wackelt selbst Dios Thron! Ein Song der ohne weiteres zwischen „Children of the sea" und „Holy diver" bestehen kann.
Aber die fünf Nordmänner verlieren weder Energie noch Stärke und knallen uns nach dem etwas ruhigeren „Lionheart" mit „Praise the bones" eine weitere Riffgranate vor die Ohren. „Pull the break" schließlich ist ein Motörhead angehauchter Speedknaller mit melodischen Qualitäten! Diese Typen können einfach alles. Selbst das epische „Fear in their eyes" mit seinem leichtem 80er Touch schlägt voll durch und geht tief ins Mark.
Dass gerade „Stalingrad" mit einer Story aus dem 2. Weltkrieg ein eher schwacher Song mit wenig gelungenem Refrain und noch weniger gelungener russisch angehauchten Gitarrenarbeit des Duos Haglund/Nordlund ist, verzeihen wir Ihnen; es gibt ja die Skiptaste!
Und leider sind dem teuflischen Quintett auch bei „From the cradle to the grave" etwas die Ideen ausgegangen, aber „The flame" glänzt dafür mit Epic Metal Anleihen und Speed ohne Ende. „Pathway to delirium" schließlich beendet diese böse Messe mit Regen, Donner und Satansgitarren á la „Over and Over" der guten Black Sabbath!
Das Produzententrio Nordlund/Haglund und Peter Tägtgren (!!!) schneiderte diesem astralischen Reigen und somit sich selber dabei einen derart fetten, aber zu nie cleanen und zu künstlichen Sound auf den Leib, dass selbst der gute Martin Birch zufrieden wäre!
Ich kann auch Dio nur raten, sich diese Platte zu geben. Denn dann macht auch er vielleicht mal wieder ein gutes Album.
Und nun schwingt euch auf, Ihr Jünger und ergötzt euch an dieser eurer neuen Rockbibel!