Ich habe "Everything Is Borrowed" zum Geburtstag bekommen und wusste mit dem Namen "The Streets" überhaupt nichts anzufangen. Beim ersten Anhören war ich auf vieles gefasst, aber an Rap mit so britischem Dialekt musste ich mich erstmal gewöhnen. R'n'B bzw. HipHop ist sonst so auch gar nicht meine Musikrichtung. Aber schon der erste Track hat ausgereicht, um mir meine Verwunderung in Begeisterung zu verwandeln. "I came to this world with nothing, and I leave with nothing but love - everything else is just borrowed", so simpel und doch so groß, das muss man erstmal hinbekommen.
Überhaupt ist mir aufgefallen, wie umfangreicher man mit Rap Geschichten erzählen kann, ohne den üblichen zeitlichen Rahmen zu sprengen, und wenn diese dann noch so skurril sind wie die von Mike Skinner, dann ist das An- und Zuhören die reinste Freude. Immer wieder. Bei "On The Flip Of A Coin" treibt es mir auch nach Wochen fast täglichen Hörens Tränen in die Augen, "On The Edge Of A Cliff" macht - wieder mit relativ einfachen Mitteln - nachdenklich, dazu die Entscheidungshilfe am Scheideweg zwischen Himmel und Hölle "Heaven For The Weather", bittere Selbstkritik wie "I Love You More (Than You Like Me)" und die Geschichtenfundgrube "The Sherry End": Bis auf "The Way Of The Dodo", das ich meistens skippe, weil mir die ewige Wiederholung von "Dough-dough" schnell auf den Vogel geht, ist das Album von vorn bis hinten niemals langweilig, nervig oder öde.
Das liegt auch an der abwechslungsreichen Musik mit netten Soundspielereien und der völligen Abwesenheit von stupiden Beatz, Battle-Skillz und dem platten Gangsta-Geprolle, das mir HipHop sonst so unerträglich macht. Soll heißen, auch wer eher aus der Rock/Pop-Ecke kommt, kann sich getrost auf diese "Straßen" begeben.
Also ich als unvoreingenommen Überraschter kann nur sagen: super Album!! Hätte ich es nicht geschenkt bekommen, hätte ich nie davon erfahren, und das wäre schade. Danke, Johann!