Foer gelang mit diesem Werk ein umwerfendes Debut, das in Einfallsreichtum, Vielschichtigkeit und Komplexität herausragend ist.
Es handelt von einem jungen Amerikaner Jonathan, der in der heutigen Ukraine die Vergangenheit seiner Familie auf den Grund gehen möchte und nach dem Dorf seiner Vorfahren und die Retterin seines Großvaters sucht. Er wird von dem jungen Ukrainer Alex geführt, der von einem Leben in den USA träumt und hofft, mit Jonathan eine Brücke dorthin aufbauen zu können. Sie werden noch von Alex Großvater Alex und dem an Flatulenz leidenden Hund Sammy Davis Jr. Jr. begleitet.
In mehreren Zeitebenen wird die Geschichte des Dorfes Trachimbrod aufgerollt, und die Wurzeln Jonathans enthüllt. Die Geschichte kulminiert in der nahezu vollständigen Zerstörung des Dorfes und der grausamen Ermodung fast aller Einwohner durch die Nazis und dessen traurigen Bezug in die Gegenwart.
Es ist eine besonders vielschichtige Erzählung, da nicht nur die verknüpfte Vergangenheit von Opa Alex und Jonathan beschrieben wird. So wird z.B. auch mit den Erinnerungsfähigkeiten eines einzelnen Menschen und eines Volkes gespielt wird (z.B. durch die in Boxen gesammelte Erinnerungen an das Dorf, die immer weiter schreibenden Geschichtsschreiber, die Karte im Maßstab von 1:1, etc). Dazu wird die interkulturelle Kommunikation, oberflächig durch das herrlich groteske Englisch von Alex jr., aber auch durch die genutzten Stereotypen (US Amerikaner, Jude, Vegetarier, verschlagener Ukrainer) beleuchtet. Wunderschöne und dramatische Liebesgeschichten treiben die Geschichte bis in die heutige Zeit, in der Jonathan seine Wurzeln und Alex seinen wahren Traum finden. Foer wirft die grundsätzlichen Fragen der Menschlichkeit auf, ohne dabei schwer, belehrend oder wertend zu werden.
Die Sprache von Foer ist ebenfalls enorm einfallsreich, vielschichtig und besonders unterhaltsam. Man gewinnt leicht den Eindruck, dass Foer seine Sprache und das Geschichtenerzählen über alles liebt. Es ist "das Leben", was in diesem schmalen Band inhaltlich komplex und tiefgründig jedoch in der Sprache leicht und spielerisch beschrieben wird. Zum ganz großen Meisterwerk fehlt es vielleicht an strukturellem Zusammenhalt, an Kompaktheit, was jedoch auch durch die verschiedenen Zeitebenen und Reflexionsmittel (Briefe, Erzählungen und verschiedene Erzählperspektiven) hervorgerufen wird.
Ein schlicht fantastisches Buch, das ich immer wieder zur Hand nehme, um neues in ihm und in mir zu entdecken.