Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Catch 23, 6. März 2005
Kann Literatur wirklichen Horror adequat repräsentieren? Kann ein Buch die Ursachen und Konsequenzen einer Lebenslüge in ihrem ganzen Ausmaß darstellen? Ja, es funktioniert. "Everthing is illuminated" erzielt diese Wirkung nicht durch einen moralisch-triefenden Betroffenheitsstil, sondern durch pechschwarzen Humor und ständig wechselnde Zeit- und Erzählperspektiven, die langsam, ganz langsam die finale Tragödie offenbaren. Die Geschichte spielt hauptsächtlich in einem kleinen ukrainischen Dorf zu drei unterschiedlichen Zeitpunkten (1791-1804; 1941-1944; 1997-1998). Zusätzlich dazu wird die Handlung von drei verschiedenen Erzählern dargestellt. Da dies zu Beginn der Kapitel nicht immer extra erwähnt wird, muss der Leser höllisch aufpassen, um sich nach 100 Seiten nicht zu wundern, warum denn auf einmal der (vermutete) Erzähler über sich selber in der dritten Person berichtet. Dennoch sollte sich niemand abschrecken lassen diesen Roman zu lesen. Seit Heller's "Catch 22" gab es kein Buch in welchem Horror und Humor so nahe zusammen liegen wie bei "Everthing is illuminated". Ständig muss sich der politisch korrekte Leser frage, ob sein (ihr) erneueter Lachanfall, ob der tragischen Thematik, denn überhaupt zu rechtfertigen sei. Der Aufbau des Romans ist schlicht beeindruckend. Nach und nach verbindet Foer die unzusammenhängenden Zeitebenen der Erzählung, bis sich auf den letzten Seiten das ganze Bild endgültig zusammenfügt. Es bleibt zu hoffen, dass der Debütroman von Foer keine Eintagsfliege bleibt, sondern vielmehr der Beginn einer langen Karriere markiert.
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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Brillant, 6. Januar 2007
Jonathan Safran Foer ist gerade Mitte 20 und hat mit seinem Erstling bereits ein Meisterwerk abgeliefert. So einfach ist das. An Komplexität kaum zu toppen, erzählt Illuminated die Geschichte von Jonathan Safran Foer, der mit einem vergilbten Photo in der Hand durch die Ukraine reist, um eine Frau namens Augustine aus dem Dorf Trachimbrod zu finden, die einst seinem Großvater Safran das Leben rettete. Begleitet wird er dabei von Alex Perchov, seinem «Übersetzer» aus Odessa, der natürlich gar kein Übersetzer ist und ein wunderbar falsches Pidgin-Englisch spricht und schreibt, Alex leicht geisteskranken und zu Wutattacken neigenden Großvater, der ein dunkles Geheimnis verbirgt, und dem Blindenhund Sammy Davis Junior, Junior, der allerdings kein Blindenhund ist, weil er aus einem Heim für geisteskranke Hunde kommt, was sich aber trifft, weil der Großvater zwar behauptet, er sei blind, es aber gar nicht ist was sich auch wieder trifft, denn sonst wäre er wirklich eine denkbar schlechte Wahl als Busfahrer von Heritage Touring.
Illuminated ist erzählt in Form von Briefen von Alex an Jonathan und Alex Bericht über die Reise, gekontert von Jonathans fiktiver Historie von Trachimbrod und seiner Familie, die ihrerseits ein wilder Stil-Mix aus oft absurden Materialien und Exkursionen ist, wie etwa die Auszüge aus den Book of Dreams oder dem Book of Antecedents. Die Sache wird nicht weniger komplex dadurch, daß Alex in seinen Briefen auf Briefe von Jonathan reagiert, die wir nie sehen, und in seinem Bericht über die Reise nach Trachimbrod auch noch lügt und ausschmückt, daß sich die Balken biegen wobei es Foer nahezu durchgehend gelingt, den Gag mit Perchovs gebrochenem Englisch weitgehend un-nervig durchzuhalten. Hier und da gibt es offensichtlich auf Gag gestrickte Stilblüten, aber größtenteils gewöhnt man sich an Alex Stil und kann dem seltsamen Englisch oft eine zusätzliche Sprachebene abgewinnen.
In der Familiengeschichte von Trachimbrod, die sich von 1791 bis 1942 streckt, webt Foer ein dichtes, poetisches Band aus Ereignissen, von denen ein Viertel schon für drei John-Irving-Bücher gerreicht hätte. Das jüdische Shtetl ist ein Ort mythischer und seltsamer Skurrilitäten, die sich zu einer wunderbaren Historie verdichten, die schließlich alle Zeitgrenzen überschreitet, so daß das aus dem Fluß Brod «geborene» gleichnamige Mädchen Brod (eine Ur-ur-ur-ur-ur-ur-ur-ur-Großmutter von Safran Foer) an einer Stelle in die Zukunft schaut und ihre Nachfahren in einem Buch blättern sieht, eben dem Book of Antecedents, in dem alle noch so unwichtigen Ereignisse der Stadt festgehalten sind (auch, ganz nebenbei, daß eben in dieses Buch geschrieben wird), wo auch von Brods erster Vergewaltigung 1804 zu lesen ist, eine Stelle, die wir später im Buch dann noch einmal ganz lesen, wenn Brods Nachfahren behandelt werden, die wir aber in Brods Geschichte nahezu überspringen. So puzzleartig verlaufen weite Teile des Buches, Fragmente, die erst in der Gesamtansicht ein Bild ergeben. So wissen wir schon, wie Jonathans Großvater überlebt hat, bevor wir wissen, wie der Untergang des Dorfes an sich überhaupt vonstatten ging. Mit unglaublicher Lässigkeit, und zudem völlig unpeinlich, reiht Foer Absurdität an Absurdität, wie etwa die Geschichte von Brod und Dem Kolker, dem eine Metallsäge im Kopf steckenbleibt, die ihn zwar nicht tötet, aber zu einem cholerischen Tourette-Kandidaten macht, so daß Brod und er schließlich getrennt schlafen und nur durch ein Loch in der Holzwand verkehren und sprechen.., oder die Geschichte von Jonathan Großvater, Safran, der mit Zähnen auf die Welt kommt, deshalb nicht brustgefüttert wird, weswegen sein Arm verkümmert, weswegen er zum Entjungferer und Witwentröster von Trachimbrod wird, der mit nahezu allemn Frauen des Dorfes geschlafen hat, aber erst ganz am Schluß die wahre Liebe findet. Selbst die furchtbare Vernichtung des Dorfes durch die Nazis gewinnt bei Foer eine Skurrilität, die aber zugleich einiges über das hilflose Abwarten und Verharren des jüdischen Volkes gegenüber der faschistischen Bedrohung im 3. Reich aussagt.
Alex Teil der Geschichte ist kaum weniger komplex, wenn auch zunächst linearer angelegt. In einem grandios zerstümmelten Englisch, das witzig ist, zugleich aber durch das Spiel mit der Doppeldeutigkeit von Wortinhalten auch viel Spielraum für unerwartete Tiefe und emotionale Wucht birgt, erzählt Alex nicht nur die Geschichte seiner Reise mit dem «Helden» Jon-fer, sondern auch von seinem Traum Amerika, von seinem kleinen Bruder Little Igor, von seinem Vater und eben von seinem Großvater. Auf dieser Ebene entfaltet sich eine stille, fast indirekt erzählte Geschichte von Erwachsenwerden Und Ichfindung, die per se schon das Buch lesenswert macht.
Dieser vielschichtige, moebiusartig ineinander verwobene Mix ist, obwohl reich an Motiven, Themen, Ideen, Metaphern und Ebenen, nie wirklich unzugänglich, aufgesetzt oder schwierig. Statt dessen gelingt es Foer, seine ausufernde Geschichte leicht und humorvoll zu erzählen. Und das, obwohl er einen ungehueren Mut zum schriftstellerischen Experiment beweist, nicht nur in der dreifaltigen aber hochsynergetischen Metastruktur des Buches, sondern auch in erzählerischen Details, wie etwa am Ende der Trachimbrod-Schleife, das über eine Doppelseite fast nur aus Auslassungspunkten besteht, oder in dem wunderbar traurig-doppelbödigen Ende, das in einem zentralen Motiv des Buches «I will» endet.
Man darf dieses Buch nicht in die Hand nehmen, wenn man keine Freude an surrealem Schreiben hat, an Geschichten, die keinen tieferen Sinn haben, in denen unmögliche Dinge zur Norm werden, die hypnotisch lässig das Unmögliche Seite um Seite fast koinzidental erzählen. Man darf es nicht lesen, wenn man etwas gegen moderne schriftstellerische Spielereien hat, die weit entfernt sind von der Sparsamkeit einer Amy Hempel, sondern eine fast kindliche Freude am Spiel mit Zeitstrukturen, Erzähltechniken, Sprachmißhandlungen und vor allem Fiktion. Foer lügt in der Lüge, die fiktionale Erzählung eines fiktionalen Foer wird gekontert von den Lügen in Lügen in Lügen von Alex, in denen sich schließlich die Lebenslügen seines Großvaters entblättern. Und so weiter. Dieses Buch ist das präzise Gegenteil von der Hemingwayschen reduzierten Sachlichkeit und Realität, die gerade literarisch oft de rigeur ist, man sollte es nur lesen, wenn man bereit ist für einen mitunter wilden Ritt durch die Möglichkeiten des Schreibens, der niemals Angst vor Peinlichkeiten hat.
Insgesamt ein hochumstrittenes, aus meiner Sicht grandioses Meisterwerk von einem Buch, sinnvoll und sinnlos zugleich, witzig und traurig, eine endlose komplexe Schleife aus halben Teilen nahezu alles in diesem Buch ist fragmentiert, getielt, halbiert, gedrittelt, die zueinanderstreben, ohne sich je ganz zu berühren, eine Geschichte von unerfüllten Sehnsüchten, der Suche nach Liebe und Glück, aber so hochfragil komponiert dabei komplett unübersetzbar und unverfilmbar (beides natürlich trotzdem passiert) , daß man das Buch, eigentlich mehrfach lesen sollte, um die Tiefe dieses Labyrinths weiter zu erforschen. Foers Nachfolger Extremely loud & incredibly close, der sich ebenfalls nach einem Juwel anhört, ist bereits bestellt, aber bisher ist Illuminated mal ganz definitiv mein Lieblingsbuch des Jahres 2006.
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22 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
humorvoll - traurig - wunderschön ; eine Erleuchtung, 28. August 2003
Von Ein Kunde
Anfangs war ich eher kritisch, ob Everything is Illuminated wirklich das richtige für mich ist. Schon wieder so eine Holocaustgeschichte, die bestimmt ganz wichtig aber auch zu traurig zum entspannten lesen ist.Doch es kam dann ganz anders. Das Buch ist gespickt mit feinem Humor und geht das Thema trotzdem mit allem Würde und Respekt an. Zusätzlich ist Jonathan Safran Foers Schreibstil unglaublich innovativ. Drei sehr geschickt miteinander verwobene Handlungsstänge, die zusätzlich jeder einen anderen Erzähler haben. Da macht jedes Wort Spaß. Eines meiner absoluten Lieblingsbücher.
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