Der 1933 geborene Amerikaner Philip Roth zählt unbestritten zu den bedeutendsten Gegenwartsautoren der Weltliteratur. Nachdem er den Pulitzerpreis, Amerikas wichtigste Auszeichnung für literarisches Schaffen, bereits vor einigen Jahren gewonnen hat, dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis man das Oeuvre des großen Meisters endlich mit dem Nobelpreis würdigt. Warum diese Lobhudelei? Ganz einfach, ich kenne kaum einen Romancier, der auf nahezu gleichem, hohen Niveau exzellente Prosa veröffentlicht. Nach dem hervorragenden "Plot against America" wendet sich Roth nun dem Leben eines (Roth'schen) Durchschnittsmenschen und dem universellen Thema schlechthin, dem Tod, zu.
Dieser Tage verdrängen wir das Sterben gerne - und das nimmt nicht weiter wunder. Der allgemeine Jugendwahn ist nichts anderes als die Verdrängung des Alterns, das unweigerlich mit dem Sterben verbunden ist. Ein "memento mori" möchte niemand hören, dabei hat jedermann schon oft genug darüber nachgedacht und die Literatur geht nicht oft derart schonungslos mit dem Sterben um wie Roth. Da ist nämlich ein namenloser Mann - Roth mag man durchaus selber dahinter zu vermuten -, der am Ende seiner Tage angelangt ist. In trauter Familienidylle die Augen zu schließen, ist ihm nicht vergönnt, denn sein Siechtum ist von quälender und zehrender Art. Die Vergangenheit beschwerte das familiäre Umfeld und sein Altersstarrsinn erlaubt nicht mehr die Klärung aller Streitigkeiten.
Erzählerisch werden immer wieder Episoden aus der Vergangenheit eingewoben, es zeigt sich, dass der Tod etwas Allgegenwärtiges ist, das erst im zunehmenden Alter an Manifestation gewinnt.
In geschliffener Sprache kommt "Everyman" daher, der auf nicht einmal 200 Seiten ein sehr universelles und tiefgründiges Bild über den Menschen, die Psychologie einer Familie, Sexualität und zu guter Letzt den Prozess des Sterbens entwirft. Roth beweist, dass er es noch immer bestens kann. Der Nobelpreis kann kommen!