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Nach drei Jahren und mit einem neuen Produzenten am Steuer erleben wir, wie die Dave Matthews Band die engen Grenzen von
Before These Crowded Streets überschreitet und sich in neues emotionales Terrain vorwagt. Die Darbietung von Matthew auf
Everyday ist verbissen und zeigt eine unermüdliche Kontinuität, die verschlagen und entschlossen wirkt. "I Did It" eröffnet die CD mit einem aggressiven Groove, während "When The World Ends" mit zerstückelten Passagen folgt, die in einen zähen, fließenden Refrain überleiten. Von da an öffnen sich die Schleusentore und geben den Weg frei in ein Gebiet, das oft an Peter Gabriel erinnert. Was für eine Ironie des Schicksals, da die Band ausgerechnet den Produzenten Glenn Ballard an die Stelle von Steve Lillywhite gesetzt hatte -- dessen Arbeit mit Peter Gabriel zur Legende geworden ist -- Glen Ballards Zusammenarbeit mit Alanis Morissette ist jedoch von ähnlichem Niveau, selbst wenn sie nicht die gleiche Anerkennung gefunden hat. Das Album erinnert an Gabriel, was die Bandbreite der Stücke angeht, von Matthews tiefem Gesang bis hin zu episch breit angelegter Instrumentierung.
Was man hier jedoch schmerzlich vermisst, ist Lillywhites Fähigkeit, ein Gespür für totale Aufrichtigkeit zu entwickeln. Stattdessen lässt Ballard die Tracks im Designer-Stil maßgeschneidert ablaufen. Er ist nicht imstande, eine Band vor Dingen zu bewahren, zu denen sie bei einem derart anspruchsvoll angelegten Klangprojekt schlicht und einfach nicht fähig ist. Und wenn dann auch noch Matthews' Neigung dazu kommt, konventionellen Hooks aus dem Weg zu gehen, dann wird dieses Album von zwei Seiten in die Zange genommen: Einerseits die Lust der Gruppe, als Jam-Band aufzutreten und die für Radiosender angepasste Form der Verpackung andererseits. Wollen Sie den vollen Glanz, der in diesem Album versteckt ist, erleben, so müssen sie eine Live-Aufführung besuchen, was bei dieser Band ja immer schon zu empfehlen war. --Beth Massa
HIFI Test (03/01)
Mit ihrem Album "Before The Crowded Streets" gelang der Dave Matthews Band schon 1998 in den USA das Kunststück, von 0 auf 1 in die Albumcharts einzusteigen, was sie nun mit "Everyday" locker wiederholen konnten. Die Amis haben einen Narren an dem Quintett gefressen. Dabei bieten sie keine Fast Food-Musik an, sondern definieren den Mainstream neu. Ihre gehaltvollen Pop-Songs haben die Erdigkeit von Folk, die Power des Rock'n'Roll, die Intensität von Soul, den Groove des Funk und die Virtuosität von Jazz. Matthews' hat viel Charakter, die Band ist mit Violine und Saxophon zu Gitarre, Bass und Schlagzeug interessant besetzt und die Arrangements der Klangfetischisten sind hörenswert. Keiner verbindet Folk, Rock, Soul, Funk und Jazz zu einer homogeneren Einheit.
& copy ; HIFI-Test - Detlef Kinsler