Tja, was soll man dazu sagen? Als absoluter DMB Fan fällt es mir schwer dieses Album zu beurteilen. Klar, die Stimme von Frontmann Matthews ist nach wie vor einzigartig, die Melodien sind eingängig, das Konzept stimmig und es geht gut ins Ohr. Aber genau an diesem Punkt liegt der Hund begraben. "Everyday" hört sich anfangs gut an, verliert aber nach mehrmaligem Hören schnell. Klassische DMB Alben (z.B. "Before these crowded streets") lassen bei erstmaligem Hören zumeist einen verwunderten Hörer zurück, weil man die musikalische Breite der Songs, die perfekt abgestimmte Vielzahl der Instrumente, die ausgiebigen Soloparts der Musiker und die abwechslungsreiche Songstruktur beim ersten Mal nicht ganz erfassen kann. Den Sound "begreift" man meist erst nach mehrmaligem Hören, er gefällt dafür aber dann um so mehr und das Hörvergnügen ist um so langlebiger.
All das fehlt auf "Everyday" über weite Strecken: einfachere Songstrukuren (z.B. "The space between": klassischer amerikanischer Mainstream-Rock, vermutl. einer der schlechtesten DMB-Songs) und fast keine Jam-Parts und Solos die eigentlich ein Markenzeichen dieser Band sind. Die Musiker und ihre Qualität kommen leider nicht wirklich zum Vorschein. (Boyd Tinsley ist so gut wie nicht zu hören).
Statt dessen vom Produzenten Glen Ballard "platt-produzierter" Mainstream-Rock (um endlich in Europa Fuß zu fassen??). Eigentlich gute Songs (z.B."So right", "When the world ends"; hört euch mal die Live-Versionen der Lieder an, Super!) wurden von Ballard zurechtgestutzt, die Musiker in ihren Freiheiten limitert und das Ergebnis ist nicht Fisch, nicht Fleisch, oder sollte ich sagen weder schlecht noch richtig gut?