Diese Serie ist nur etwas für Landeier bzw. Menschen, die das Landleben schätzen.
Denn Dr. Andy Brown ist mit seinen Kindern in ein absolutes Kaff in Colorado gezogen, wo jeder jeden kennt. Ich wohne zwar nicht in den USA, aber dafür ebenfalls in einem Kaff, und habe über viele Situationen geschmunzelt, weil es sich auf dem Lande tatsächlich so zuträgt
Über die Handlung kann man nicht viel sagen, nur dass sie eher unspektakulär verläuft.
Faszinierend ist jedoch, dass fast jede Folge den Zuschauer zum Nachdenken zwingt. Es geht sehr häufig um Moral, Ethik und die daraus resultierenden Dilemmas. Wer also nur gute Unterhaltung sucht, sollte von dieser Serie die Finger lassen.
Denn auch der Humor ist recht trocken, von ironisch bis hin zu sarkastisch.
Es werden keine platten Gags geboten und es kommen auch keine freizügigen Szenen vor.
Die Titelmusik ist leider etwas penetrant, aber die Musik während der Episoden ist cool.
Es gibt am Anfang jeder Folge einen Erzähler.
Ich möchte im Folgenden eine kurze Beschreibung der wichtigsten Personen geben:
Dr. Andy Brown:
Ein brillanter Gehirnchirurg, der nach dem Unfalltod seiner Frau aus New York flüchtet. Er ist in tiefer Trauer und macht sich Vorwürfe, weil er früher seine Karriere vor seine Familie gestellt hat. Dies will er in Everwood ändern; er kommt seinem Sohn immer näher. Er ist ein sehr gutmütiger, zuverlässiger Ruhepol, der niemals wütend wird. Er steht vor einem Dilemma, denn nach seinem Liebeskummer wegen Dr. Abbotts Schwester Linda verliebt er sich in eine Patientin, dessen Mann nach einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt und gar nichts mehr hinkriegt. Leider benutzt sie Andy nur und wendet sich wieder von ihm ab, sobald ihr Mann genesen ist. Daraufhin zweifelt Andy an sich und seiner Entscheidung, nach Everwood zu ziehen. Zumal sein Sohn Ephram abgehauen ist...
In Dr. Harald Abbot hat er inzwischen einen sehr lieben Freund gefunden und erstmals teilen sich beiden die Arztpraxis. Harald kommt in der 1. Staffel sehr unsympathisch rüber, aber bereits in der 2. merkt man, was für ein Mensch er wirklich ist: der absolute Familienmensch und zudem ein sehr warmherziger und einfühlsamer Mensch. Er ist mit Rose verheiratet, die leider sehr krank wird, und die beiden haben außer Amy auch noch einen Sohn: Bright.
Bright ist der beste Freund von Amys verstorbenem Freund Colin und er leidet sehr unter dem Unfall. Er ist sehr sportlich, muss aber dafür einige Niederlagen in der Schule einstecken, weil er außer in Basketball eigentlich in nichts gut ist. Bright ist sehr beliebt bei den Mädchen und nutzt das nur zu gerne aus. Dennoch ist er kein schlechter Mensch. Er liebt seine Schwester Amy sehr, obwohl sich die beiden ab und zu mal zoffen.
Hannah bringt Bright von seinem Beuteschema ab. Zwar beißt sie, die sofort in Liebe zu Bright entbrannt ist, zunächst auf Granit, aber Bright erkennt bald ihren wahren Wert. Hannah lebt bei Nina, weil ihr Vater schwer krank ist. Sie kommt sehr mauerblümchenhaft daher, aber Amy bemüht sich um ihre Freundschaft.
Amy ist also die Tochter aus dem Hause Abbot, ca. 15 Jahre alt, und hat durch Colins Tod schon sehr viel durchgemacht. Sie hat sehr viele Interessen, tanzt in der Schule auf allen Hochzeiten und ist eine sehr ehrgeizige Musterschülerin. Sie wird von Staffel zu Staffel immer hübscher und ist vor allem wegen ihrer verständnisvollen Art beliebt. Sie hat sich mittlerweile ebenfalls in Ephram verknallt, dieser aber nimmt sie nur noch als Kumpel wahr. Dies belastet sie sehr, sie unterstützt Emphram aber dennoch in seinem Bestreben, ans Julliard aufgenommen zu werden.
Ephram Brown, der Sohn von Andy - nun ganz sexy mit langen Haaren ;-) - ist ihr ein guter Freund geworden, und war mal verliebt sie. Dass das Vergangenheit angehört, glaubt er bloß, denn nach einem Tipp von Bright merkt er, dass er Amy immer noch liebt und die beiden kommen tatsächlich zusammen. Ihre Beziehung ist ein Traum, allerdings wird er von Ephrams Bemühungen an die renommierte Musikhochschule Julliard zu kommen (David Garrett war dort.), überschattet. Er findet einen neuen Klavierlehrer, der ihm auch menschlich sehr viel beibringt. Ephram versteht sich inzwischen prima mit seinem Vater, allerdings kommt es durch ein Geständnis zu einem erneuten Bruch - auch mit Amy, die darunter sehr leidet...
Delia ist Ephrams kleine Schwester, also Andys Tochter und einfach nur süß. Sie ist sehr umgänglich und intelligent und glättet immer wieder die Wogen zwischen Vater und Sohn. Sie vermisst ihre Mutter jedoch sehr. Delia gewinnt an ihrer Schule eine Freundin, Britney, mit der sie viel Zeit verbringt. Mehr Zeit aber noch verbringt sie mit Nina, der freundlichen Nachbarin der Browns. Für Delia ist sie alsbald Mutterersatz und Ansprechpartner in allen Fragen.
Nina ist bildhübsch und zudem noch eine ganz Liebe. Sie ist die Einzige, die Andy wirklich mit offenen Armen empfängt. Sie hat einen verhaltensgestörten Sohn, der etwas jünger als Delia ist, und passt oft auf beide auf. Leider macht sie nach ihrer Scheidung eine schwere Zeit durch. Andy steht ihr jedoch zur Seite und bald ist klar: Da ist mehr zwischen den beiden! Doch der Sunnyboy Dr. Hartman verdreht ihr gehörig den Kopf!
Dr. Jake Hartman ist ein Sunnyboy, wie er im Buche steht. Er ist neu zugezogen und stößt auf die gleiche anfängliche Ablehnung der Bewohner Everwoods wie damals Andy. Jake ist eigentlich Schönheitschirurg und sehr sportlich. Er bemüht sich sehr um Nina, die sich trotz ihren Gefühlen für Andy becircen lässt. Eine große Rolle dabei spielt auch, dass er toll mit Kindern umgehen kann und Ninas Sohn von ihm begeistert ist.
Andy erkennt endlich, dass er mehr für Nina empfindet, doch leider scheint es zu spät zu sein, denn Jake zieht gerade ein...
Durch die vielfältigen Charaktere ist Everwood etwas für Jung und Alt. Ich selbst bin 26. Nur sollte man eben keine rasanten Kameraführungen wie bei CSI, keinen Glamour wie bei Sex and the City und keine Action wie bei Spartacus erwarten (was ich übrigens auch alles gerne sehe). Sondern eher etwas Nachdenkliches, Feinsinniges.
Diese Staffel wirkt sehr heiter, gewinnt jedoch etwas an Schwere durch das alles verändernde Geständnis und die sich daraus ergebenden Konsequenzen.