4 CD's in einer Box! Wirklich toll gemacht! Da kannste nix sagen! Nee, nee, nee. So würde wohl Horst Evers diese CD-Box von 2010 anpreisen. In Niedersachsen, also Evers ursprünglicher Heimat, hat man einen Ausdruck dafür, wenn sich jemand der Lächerlichkeit preisgibt: man macht sich zum Horst. So war es wohl auch bei diesem 1967 geborenen Künstler, denn in Evershorst geboren werden und dann Horst Evers zu heissen, das ist zu viel des Guten und erinnert an Jürgen von der Lippe, der in Lippstadt geboren wurde und sich deshalb den passenden Künstlernamen zugelegt hat.
Die Evers Box beinhaltet:
Horst Evers erklärt die Welt (2002)
Gefühltes Wissen (2005)
Mehr vom Tag (2006)
Schwitzen, ist wenn Muskeln weinen (2008)
Ein Booklet gibt es nicht, so fehlt dieser Box etwa das Mini-Poster, das der CD von 2008 beigelegt ist. Kein wirkliches Manko.
Eine geballte Ladung Horst Evers. Da es eines seiner schönsten Themen ist geradezu ideal für Bahnfahrten oder für Sonntage, an denen man den Blick durch die Wohnung mit all den Elektrogeräten schweifen lässt und ins Grübeln gerät. Der Evers-Humor geht tadellos für alle Altersgruppen durch. Hier wird es nie verletzend, kämpferisch politisch oder unbequem. Neben manchen Momenten, die etwas abgedroschen wirken, vielen sich wiederholenden Ideen und manch schwachen, sehr konstruiert wirkenden Gags gibt es mehr als genug Gelegenheiten herzlich zu lachen, überrascht zu werden und sich wohl zu fühlen. Das ist passende Unterhaltung um mit der Familie in den Urlaub zu fahren, zum Beispiel.
Höhepunkt dieser Box ist die Schwitzen-CD, aber auch die restlichen drei CD's lohnen sich. Die Antwort auf die Frage warum wir in der Schule mathematische Fertigkeiten lernen müssen, die wir später im Leben nie wieder brauchen und ein tröstlicher Vorteil des Alters sind zwei besonders charmante Gags. Gar nicht so falsch.
Sehr befreiend sich ab und an zum Horst zu machen oder jemandem dabei zuzuhören. Für eine Weile hinnehmen, zugeben nichts spektakuläres erlebt zu haben, nicht wie George Clooney auszusehen und sich trotzdem wohl fühlen und lachen zu können. Und wer es schafft sich sogar eine Geschichte über Rheine in Westfalen auszudenken, der ist auf dem richtigen Weg, da ist Phantasie vorhanden, da wurde noch nicht vor dem tristen Alltag kapituliert. Evers box = Wortspiel = Foto mit Boxhandschuh auf dem Cover = genau so unwitzig wie die Programmtitel von Dieter Nuhr. Aber dann wiederum doch ganz passend, weil Evers in seinen Geschichten immer wieder aufsteht und wieder im Ring steht, wenn's vom Leben einen weiteren harten rechten Haken gab (an dieser Stelle Musik von Peter Fox dazudenken, dann wirkt's als clevere Berlin-Anspielung oder so). Guter Typ der Evers. Kannste nix sagen. In Zukunft aber bitte keine Wortspiel wie Adam und Evers oder sowas, es darf ruhig etwas origineller sein, das Publikum wird auch komplizierteren oder unkonventionelleren Ideen folgen können.