"Evermore" ist der erste Teil einer Romanreihe von Alyson Noel und hat mich leider nicht wirklich überzeugt. Zwar gibt es einige gute Ideen, jedoch leider auch einige Dinge, die mich persönlich sehr gestört haben. Ich werde mit den positiven Aspekten des Romans beginnen: (Vielleicht Spoiler!)
1) Die Geschichte
Die Geschichte gefällt mir wirklich gut: . Die schöne Ever, die sich seit dem Unfalltod ihrer Familie allerdings unter der Kapuze ihres Pullovers versteckt und die Auren ihrer Mitmenschen sehen so wie deren Gedanken lesen kann, trifft auf Damen, einen gutaussehenden Jungen, der gegen ihre Fähigkeiten immun zu sein scheint. Für die Idee allein hätte ich fünf Sterne gegeben, leider wurde sie meiner Meinung nach nicht gut umgesetzt. Dazu später mehr. Wir sind ja noch bei den positiven Dingen.^^
2) Der Schreibstil
Ich fand es etwas gewöhnungsbedürftig, dass der Roman im Präsens geschrieben ist, da ich so etwas eigentlich von vornherein nicht gern lese, musste aber feststellen, dass es hier funktioniert. Ever ist die Ich-Erzählerin des Romans und durch die Zeitform werden ihre Gedanken besser dargestellt und ein Teil der Spannung basiert darauf, da man nicht von vorn herein weiß, dass Ever alles heil überstehen wird.
3) Die Details
Ich fand besonders die Beschreibungen einzelner Orte schön, auch die Szenen im Kunstunterricht haben mir sehr gefallen, da die Atmosphäre stimmte. Dasselbe gilt für Evers Party, bei der sie als Marie Antoinette verkleidet ist. Auch die Idee mit den Blumen, die Damon Ever ständig zukommen lässt hat mir sehr gefallen.
So, jetzt komme ich zu den Dingen, die mir nicht gefallen haben:
1) Die Umsetzung
Ich finde wirklich, dass die Umsetzung der guten Idee etwas unterdurchschnittlich ausgefallen ist. "Evermore" ist eine Liebesgeschichte, doch von der ach so großen Liebe zwischen Ever und Damon spürt man als Leser überhaupt gar nichts. Mir kam es beim Lesen sogar so vor, als würden sich die beiden gar nicht so gern mögen. Hm...
Außerdem sind mir einige Dinge aufgefallen, die einfach keinen Sinn ergeben. Vielleicht werden diese im zweiten Band, den ich nicht lesen werde, erklärt, jedoch finde ich, dass sie in den ersten Band gehören um ihn zu einer runden Geschichte zu machen:
- Evers Name. Ich weiß, Ever wird ständig wiedergeboren und lebt daher "ewig" und auch die Unsterblichen leben "ewig", daher hat der Name Ever sicher eine erklärte Bedeutung und ist so eine Art Foreshadowing auf die folgenden Ereignisse, Sinn ergibt es trotzdem nicht. Ever hat den Namen von ihren Eltern. Und die können doch nichts von alldem gewusst haben. (Und falls doch, hätte man das in diesem Roman andeuten können, um den Namen nicht so unsinnig erscheinen zu lassen...) Daher hätte es ein ganz gewöhnlicher Name auch getan.
- Als Damen mal kurz verschwindet, beginnt Ever sich dem Alkohol hinzugeben und säuft einige Wochen, wirkt fast abhängig. Ja, sie liebt ihn, aber diese Reaktion ist mehr als übertrieben und auch irgendwie nicht wirklich förderlich für die Geschichte.
- Wieso kapiert Damen in den hunderten von Jahren seiner Existenz nicht, dass Drina seine Ever ständig ermordet und rennt auch noch zu ihr zurück, nachdem sie Ever wiedermal aus dem Weg geräumt hat? Ist er doof?
Das Ende war genauso nichtssagend: Die böse, starke, unsterbliche Drina wird besiegt, indem Ever ihr auf die Brust haut. Der Kampf dauert drei Sekunden. Und erst dann fängt das Gerede von den ach so wichtigen Chakras an, als sei es der Autorin erst in diesem Moment eingefallen...
2) Die Charaktere
Wie kann das sein? Kein einziger Charakter mit Persönlichkeit? Alle haben drei, vier Eigenschaften, die immer mal erwähnt werden, aber keiner benimmt sich wirklich so. Außerdem sind einige Handlungen der Charaktere nicht wirklich nachvollziehbar. (Siehe oben: Alkohol) Außerdem wirkt keiner der Charaktere wirklich echt. Haven (Noch so ein Name...) z.B. hängt sich an Drina, weil sie so cool ist und so toll, und möchte aussehen wie sie. Sie streitet deswegen sogar mit ihrer besten Freundin Ever. Ich fand es sehr unrealistisch.
Alles in allem ist "Evermore" zwar in gewisserweise unterhaltsam und weist auch gute Grundideen auf, allerdings kein Roman, den man gelesen haben muss. Man kann, muss aber wirklich nicht. Einige meiner Bemängelungen würden vielleicht in einem folgenden Band geklärt werden, das macht dieses Buch aber auch nicht besser... (Ich finde ein erster Band sollte nicht nur Vorgeplänkel sein, sondern auch eine Einführung in die Geschichte. Die wichtigen Chakren und solche Dinge hätten also einfach viel früher erwähnt werden müssen. Genauso Evers ständige Wiedergeburt etc.)