"Everlasting - endlich mal ein Roman für unsere ganze Familie. Wenn du solche Sprüche machst, musst du auch mal eine Rezension schreiben", hat meine Frau gemeint, denn bei all den Online-Besprechungen zu "Everlasting" würden immer nur Frauen die Rezensionen verfassen, hat sie behauptet.
Ich gebe zu ich hätte mir das Buch nie gekauft bei solch einer kitschigen Schrift auf rosa Untergrund, und unser 17-jähriger Sohn auch nicht. Aber da meine Frau sowas nicht so eng sieht und sie sich als stille Beobachterin in eine Everlasting-online-Diskussionsrunde verirrt hatte und von ein paar leidenschaftlichen Besprechungen dort verführt wurde, hat sie das Buch für sich besorgt. Ich lass mir Bücher lieber von unserer "Süddeutschen" empfehlen, (wenn deren Kritiker allerdings genauso allergisch auf Umschläge reagieren wie ich, werden sie das Buch nie bemerken). Wir sind jedenfalls jetzt heilfroh, dass meine Frau das Buch beschafft hat.
Nachdem sie einmal angefangen hatte zu lesen, mussten wir uns bei jedem Abendessen Details aus dem Buch anhören, über die wir gelacht oder diskutiert haben, z.B. war es ein Vergnügen mit dem Sohn zu erörtern, ob die zahlreichen technischen Erfindungen, die sich die Autorin für das Jahr 2264 ausgedacht hat, glaubwürdig sind. Von der Handlung hat meine Frau nicht zuviel verraten, so dass die Neugier wuchs.
Ich durfte als zweiter ran (wir konnten den Sohn bewegen erst seine Pflichtlektüre, den "Werther", zu Ende zu lesen). Und der Sohn konnte dann aber auch noch in den Osterfereien anfangen und hatte das ja nicht gerade dünne Buch in 4 Tagen durch. Die Alten hatten jeder auch nur 6 bis 7 Tage gebraucht, obwohl wir keine Ferien hatten. D.h. "Everlasting" hat uns alle drei gepackt und jeder hatte Schwierigkeiten das Buch loszulassen, denn die Geschichte war spannend und aufregend, witzig und intelligent erzählt und besonders zum Ende hin auch voller Überraschungen.
Der Inhalt ist in vielen Amazon-Rezensionen schon öfters nacherzählt, das mache ich nicht noch mal. Aber meine Frau wollte wissen wie es mir mit der Liebesgeschichte gegangen ist. Dieser Leser kann dazu nur sagen, er war oft amüsiert und auch gerührt und wenn er einen Tag später dieser Rührung nachspürte und sie immer noch nicht sauer schmeckte, dann wusste er, dass er keiner falschen Schreiberin, sondern einer sehr wahrhaftigen und klugen Autorin aufgesessen war. Bei diesem Buch und seinen diffizilen Charakterdarstellungen braucht man sich auch als Mann seiner Emotionen, die es auslöst, nicht zu schämen. Zu dem Thema Beziehungsgeschichten sagte der Sohn nicht viel, hörte aber interessiert zu, er will das Buch seiner Freundin schenken ' das reicht doch.
Vorallem dass ein Buch uns über zwei, drei Wochen immer wieder Gesprächsthemen lieferte, war mal was Besonderes: soviele interessante oft lustige Details über die Gesellschaft der Zukunft aber auch über unsere Gegenwart, eindrucksvolle Protagonisten und soviel scharf gezeichnete Nebenfiguren, sogar jedem einzelnem Roboter gibt die Autorin etwas unverwechselbares. Soviele Orte und Örtlichkeiten, aus hier und Zukunft, die originell beschrieben werden. Soviel Themen die leichtfüßig aber ernsthaft und nachdenklich machend in diesem Buch angerissen werden. Soviele schöne Überlegungen über Bücher, über das Lesen, über das Schreiben, über das Schreiben mit der Hand, oder über die Übermittlung von Informationen und Gedanken in der Zukunft. Das hat uns alle beschäftigt.
Wir haben am Küchentisch gesessen und über einen Roman geredet, der ein Science fiction Roman ist, aber auch ein Gegenwartsroman und noch viel mehr. Wir haben uns eine wunderbare Szene des Romans nacherzählt, da sitzt im Jahr 2011 die Familie von Eliana am Eßtisch ihres Ferienhauses und plaudert über Sience fiction Romane und über Gentechnik und die Zukunft der biologischen Wissenschaften und keiner ahnt, dass der etwas seltsame Gast, Finn, der müde dabeisitzt, aus der Zukunft zu Besuch gekommen ist und in einer anderen Welt zu Hause ist.
Bei Elianes Familie wäre jeder von uns gern zu Gast gewesen, in welcher Welt wird unser Sohn in 40 Jahren zu Hause sein, wie wird die Welt in 260 Jahren aussehen? "Everlasting" löst so viele Gedanken aus '
Trotz eines kitschigen Umschlags (mit unwürdigem Text darauf) ist "Everlasting" ein wunderbares, intelligentes, unterhaltsames und aufregendes Buch. Wir werden das weitererzählen.