Noch ganz begeistert von den ersten beiden Staffeln habe ich natürlich an die Dritte Staffel grosse Erwartungshaltungen gehabt. Leider war die Enttäuschung sehr gross. Wenn ich die ersten beiden Staffeln nicht kennen würde, wäre ich sicherlich etwas gnädiger mit der Bewertung. Doch zu den Einzelheiten.
Während die ersten beiden Staffeln im Wesentlichen von dem Expeditionsteam HIMEX von Russel Brice geprägt waren, gesellte sich jetzt das Team IMG um Eric Simonsen hinzu. Möglicherweise war Russel Brice von den Reaktionen und Diskussionen um eine mögliche bzw eben nicht mögliche Rettung eines sterbenden Bergsteigers aus der letzten Staffel doch so geprägt, dass er es bevorzugte, diesmal mit seinem Expeditionsteam eher im Hintergrund zu bleiben. Dagegen wirkte das IMG Team eher hemdsärmelig und auf mich etwas unorganisierter.
Es gab einige Sachen, die ich im Vergleich zu den ersten Staffeln vermisst habe: Das Erzähltempo hat deutlich nachgelassen. Dies hat nichts damit zu tun, dass es vielleicht weniger dieser nervigen Schnitte von ständig wiederholten Sequenzen gäbe - ganz im Gegenteil, denn diese haben eher zugenommen. Es gab insgesamt einfach weniger Erzählstoff (deshalb vielleicht auch insgesamt nur 5 Episoden). Die Beschreibung der verschiedenen Charaktere aus der ersten Staffel (die nicht alle nur Sympathieträger waren) bleibt diesmal nur sehr oberflächlich. Die Südroute (die wohl diesmal aus politischen Gründen genommen werden musste) bietet einfach weniger atemberaubendes und vielfältiges Filmmaterial - es spielt sich immer wieder alles am Eisbruch ab - den kann man irgendwann auch nicht mehr sehen. Die Episoden sind viel eigenständiger und bauen kaum aufeinander auf. Es wird halt jedesmal jemand anderes raufgeschickt mit immer wieder ähnlichen Bildern, statt dem konsequenten und kontinuierlichen Aufstieg der Teams in den ersten beiden Staffeln - damit entsteht kein wirklicher Spannungsbogen. Die gesamte Berichterstattung wirkt distanzierter und weniger persönlich.
Zuletzt haben die Protagonisten auch weniger Kontur. Allein David Tait kennt man noch aus der letzten Staffel, aber dieser fiel damals schon kaum auf, außer damit, dass er sich recht schnell nach dem Gipfel verabschiedet hat und den Aufstieg von der Südseite aufgab (wobei mich die Begründung durchaus beeindruckt hatte). Die anderen waren entweder sehr blass oder nur nervig (scheint en vogue zu sein, sich nach Unfällen mit bleibenden körperlichen Einschränkungen auf den Berg wuchten lassen zu wollen)
Im Vergleich sind die Episoden 4 und 5 besser als 1-3, da sie dem Stil der Staffeln 1 und 2 noch am nächsten sind. Ich muss aber zugestehen, dass ich (obwohl dies vielleicht angesichts der Strapazen ungehörig ist) mich ob der grassierenden Durchfall-Orgien eher amüsiert habe und mich am Ende des Film mit einer unbeantworteten Frage herumgeschlagen habe: was passiert da oben eigentlich mit den "kontaminierten" Klamotten. Waschmaschinen habe ich jedenfalls nicht entdeckt.
Mir ist aufgefallen, dass Discovery Channel diesmal nicht für dieses Projekt engagiert war. Das könne der Grund sein, warum es doch so grosse handwerkliche Unterschiede (Kameraführung, Schnitte, Komposition der Story und Tempo) in der dritten Staffel gab.
Das hört sich vielleicht jetzt alles doch eher negativ an, aber soll meinen Eindruck vor allem vor dem Hintergrund der ersten beiden Staffeln schildern. Insgesamt ist es trotzdem sehenswert und soll die Leistungen der Expeditionsteilnehmer nicht schmälern.