Dieses Buch repliziert genau die Fehler, die die meisten E-Commerce-Unternehmen machen -- ob Start-up oder klassisches Unternehmen. Event-Marketing ohne definierte und quantifizierbare Ziele statt ein fokussiertes Marketing, dass seine Erfolge im Vorhinein formuliert und sich im Rahmen des Gesamt-Erfolgs eines Unternehmens messen läßt.
Anhand einiger Fallstudien aus unterschiedlichen Branchen stoßen die zahlreichen Autoren immer wieder ins gleiche Horn: Das Event-Marketing im weitesten Sinne die Kundenbindung und Markenführung im Internet erhöht. Das ist an sich wohl eine Erkenntnis, die wir spätestens seit 1997 kennen.
Leider sind die Rezepte, die die beteiligten Agenturen (z.B. Pixelpark, Jung v. Matt) vorschlagen, meist weder sonderlich spektakulär oder schon wieder von der Zeit und den Wirtschaftsnachrichten überholt. Der ganze Beitrag schwankt zwischen Deskription dessen, was sein soll, und den Mitteln zur Zielerreichung. Leider wird dieses Ziel nie formuliert -- alles liest sich wie ein schlechter Business-Plan, der noch vor Jahresfrist für VCs genug war, um Unternehmen wie Ricardo.de zu unterstützen.
Mitte 2000 -- und das zeigt QXLs Zurückweichen vor dem geplanten Merger -- muß man eigentlich schon mehr als Konzept präsentieren als schöne Worte wie "Eventmarketing" oder "Interaktion".
Auch daß Pixelpark in einem anderen Beitrag das Banner lobt und verteidigt, scheint einiges von Eigeninteresse zu haben. Zahlen bleiben die Autoren, wie alle anderen auch, großteils schuldig. Da bekommt man aus den meisten frei zugänglichen Studien im Netz mehr geboten.
Ein drittes Beispiel ist die Ford-Site zur IAA, die mit solchen Highlights wie einem Chat geglänzt hat, der vor und nach Beendigung des Events fast genauso viele Visits wie während der 5 Tage des Chats selbst gehabt hat. Dass die Page Impressions gestiegen sind, wird als Beleg für den Erfolg gewertet... Prost Mahlzeit, das ist wohl kein Wunder bei einem Chat mit Refresh-Raten von 15 Sekunden.
Dieses Buch, dass einen hohen akademischen Ton anschlägt, hat eigentlich keine rechte Zielgruppe mehr, denn sie ist am Aussterben: Früher gab es die Entscheider in Unternehmen, die nur so ungefähr wußten, "dass man da auch was im Internet machen muss, so mit Chat, Sie wissen schon". Selbst die gluaben auch immer öfter an die Quantifizierbarkeit von Erfolgen und einen Business-Plan, der eine Website nicht als Erfolg per se hinstellt. Und die zweite Zielgruppe ist sowieso schon drei Schritte weiter: Risikokapitalgeber, die sich heute nicht mehr von den schönen Worten und durch das dünne Eis eines schlampigen Business Plans blenden lassen, der Marketing als die zentrale Funktion eines Web-Unternehmens hinstellt.
Am peinlichsten ist die Fallstudie eines Unternehmens, dass eine Plattform für Versicherungsdienstleistungen gemacht hat. Zentrales Element ist das sogenannte "Surfer-Fangnetz" (was wie "Schleierfahndung" klingt), dass sich durch die asugefeilte Technik des Domain-Grabbing hervortut. Genial, einfach und an diesem Punkt des Buches habe ich mich dann wirklich gefragt, ob das a. 98 DEM wert ist und b. dem wissenschaftlichen Spinger-Verlag gut zu Gesichte steht, solche Bücher rauszubringen.