Dieser Film besticht durch den traumhaften malerischen Schauplatz, die stimmungsvolle Inszenierung und durch eine ganze Riege der namhaftesten weiblichen Darsteller Hollywoods. Unter den Schauspielerinnen sind gleich zwei Mutter-Tochter-Paare (Vanessa Redgrave und Natasha Richardson sowie Meryl Streep und Mamie Gummer), was bei einer Geschichte, die sich über Generationen erstreckt, durchaus interessant ist. Auch die Handlung ist vielversprechend: Ann erinnert sich in ihrem Sterbebett an die größte Liebe ihres Lebens, Harris Arden, dem sie bei der Hochzeitsfeier ihrer Freundin Lila begegnet. In Rückblenden wird erzählt, warum die Geschehnisse während dieser Hochzeit und die Liebe zu Harris eine so immense Bedeutung in Anns Leben haben. Während dieses Lebensgeheimnis ihrer Mutter nun langsam aufgerollt wird, überdenken ihre beiden Töchter ihr eigenes Leben und verändern es.
Leider gelingt es dem Film nicht durchweg, dem Zuschauer diese Geschichte emotional nachvollziehbar zu erzählen. Einige Charaktere wirken eher flach (Harris), manche konstruiert oder werden zu wenig entwickelt. Den Part von Glenn Close als dominante Mutter hätte man durchaus noch etwas ausbauen können, dann wäre auch das Alkoholproblem ihres Sohnes Buddy eher zu begreifen. Doch Probleme werden, wenn überhaupt, nur angerissen. Das Beziehungsgeflecht zwischen den Hochzeitsgästen ist teilweise verwirrend (Buddy liebt wahrscheinlich Harris, macht aber Ann einen Antrag, die wiederum - ebenso wie ihre Freundin Lila - in Harris verliebt ist). Nicht immer lassen sich die Handlungsweisen nachvollziehen. Warum bandelt Ann auf der Hochzeit ausgerechnet mit Harris Arden an, wo doch ihre Freundin Lila ihr gerade gebeichtet hat, dass sie Harris liebt und nicht ihren Bräutigam, und Ann den Schmerz ihrer Freundin deutlich wahrgenommen hat? Warum ist Harris so faszinierend für Ann? Und warum eigentlich bricht die Beziehung zwischen Ann und Harris nach den Hochzeitsfeierlichkeiten ab, wo sie doch so bedeutend für Ann ist? Können die unglücklichen Geschehnisse auf dieser Hochzeit wirklich einzig und allein der Grund dafür sein? Die Antwort auf diese Frage bleibt der Film schuldig.
Spuren des Lebens" basiert auf dem Roman Evening" (Hochzeitsnacht") von Susan Minot. Die Autorin hat zusammen mit Michael Cunningham ihren Roman für den Film adaptiert. Dabei wurden die Bedeutung einiger Charaktere und die Umstände deutlich verändert. Die Rollen von Lila und Buddy wurden im Film ausgebaut, was eindeutig zu Lasten der Beschreibung von Ann und Harris geht, doch gerade diese beiden Personen hätten dem Publikum als Hauptliebespaar emotional nähergebracht werden müssen. Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist, dass Lila im Roman nicht in Harris Arden verliebt ist. Dafür aber kommt eine Verlobte von Harris ins Spiel und mit ihr ein viel plausiblerer Grund, warum diese Liebe keinen Fortbestand hat und Ann solchen Schmerz bereitet. Der Roman sei deshalb empfohlen, wenngleich gewarnt werden muss: der Schreibstil der Autorin ist nicht jedermanns Geschmack. Aber der Roman hat seine starken Momente gerade da, wo der Film merkwürdigerweise schwächelt: in der Beschreibung von Harris Ardens Charakter und der Bedeutung der Beziehung für Ann. Ich persönlich halte deshalb die Romanversion für nachvollziehbarer und emotional viel berührender.
Trotz alledem ist dieser Film schon aufgrund der vielen guten schauspielerischen Leistungen sehenswert, wenngleich er nicht den nachhaltigen Eindruck hinterlässt, den man ihm gewünscht hätte.