Der Film ist in Hochglanzoptik gedreht, passend zum Lebensstil der der Gesellschaft, die er behandelt: Die englische Oberklasse Anfang/Mitte der 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Er schildert den Eskapismus zweier Menschen, die in der Öde ihres Luxuslebens steckengeblieben sind - mit verheerenden Folgen. Gedreht nach einer Literaturvorlage von Evelyn Waugh.
Ich habe den Roman nicht gelesen, aber einiges spricht dafür, dass der Regisseur Charles Sturridge ihn als recht schonungslose (wenn auch subtile) Gesellschaftskritik aufgelegt hat. Im wahren Leben (Historie) war es die schwarze Zeit der Weltwirtschaftskrise am Vorabend des 2. Weltkrieges, die ganz Europa und Amerika mit außerordentlichen sozialen Verwerfungen gebeutelt hat. Aber die kommen im Film gar nicht vor. Die portraitierte Gesellschaft hat so abgehoben gelebt, dass sie solche profanen Sachen nicht wahrnehmen mochte, und eben dieses wird abgebildet. Die Gesellschaft wickelt sich von selber ab, sie wird nicht von außen gestürzt.
Vor 20 Jahren hat mich der Film sehr beeindruckt, aber irgendwie hatte ich vergessen, warum. Den größten Teil der Handlung hatte ich ebenfalls vergessen. Nun ist der starke Eindruck wieder da, und die DVD war in der UK-Importfassung als Schnäppchen zu bekommen.
Zum Plot: Nach 7 Jahren Ehe mit Tony (James Wilby) ist die junge Frau Brenda (Kristin Scott-Thomas), Mutter eines kleinen Jungen, vom praktischen Nichtstun auf dem stattlichen Familiensitz - ein paar Zugstunden von London entfernt - zu Tode gelangweilt. Sie will sich in London eine Stadtwohung nehmen, denn dort gibt es Kunst, Kultur, ihre Schwester, die Clubs und die Gesellschaft, was der Ehemann, so meint sie, sofort und selbstverständlich versteht. Er erhebt auch keinen Widerspruch und lässt sie ziehen. Bloß befremdet ist er schon, als er hört, dass die Wohnung winzig ist, gemessen am Familienstatus und gewohnten Standard. Was er nicht weiß, nicht wissen soll und als Allerletzter erfährt ist der Umstand, dass er selbst dort unerwünscht ist und dass die Vermieterin (Judy Dench) eine Kupplerin ist, die ihren mittellosen Sohn und Taugenichts (Rupert Graves) in die Upper Class schleusen will. Die gelangweilte Brenda hat gar nichts dagegen. Sie nimmt den jungen Mann als Lover und bezahlt seine Rechnungen aus dem Geldbeutel ihres Ehemanns. Immer seltener besucht Sie ihren Mann und das verstörte Kind. Die Tragödie kommt schleichend daher. Als der Junge beim Reiten tödlich verunglückt, ist nichts mehr zu retten. Alle Freunde und Bekannten des gehörnten Tony haben von der Affaire gewusst und sie gedeckt. Jetzt winden sie sich in oder aus ihrer Mitverantwortung und Tony verschwindet angewidert nach Brasilien auf Expedition. Dass er im Urwald auf Nimmerwiedersehen verschollen geht, bricht mit Wucht über alle herein, auch ihn selbst. Aber er lebt. Bloß wie! Das werde ich nicht verraten. Ein richtiges Sahnestückchen für den interessierten Betrachter. Dafür hat der Regisseur gesorgt, dass sich keiner die Tragödie als seelenwürgendes Melodram 'reinziehen kann. Und Sir Alec Guinness hat einen Auftritt.
Ein starker europäischer Film - revisited.