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Evas Cousine
 
 
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Evas Cousine [Gebundene Ausgabe]

Sibylle Knauss
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (14 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 366 Seiten
  • Verlag: Claassen Verlag (1. August 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3546002369
  • ISBN-13: 978-3546002363
  • Größe und/oder Gewicht: 22,2 x 14,7 x 3,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (14 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 102.210 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Sibylle Knauss
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Das Nickerchen des Tyrannen

Sibylle Knauss' Roman: «Evas Cousine»

Als Gertraud Weisker Anfang zwanzig war, hegte sie Fluchtgedanken. Im Sommer 1944 kehrte sie Jena, dem heimatlichen Provinznest im Saaletal, den Rücken. Mit Gretchenfrisur und Heisenbergs Quantentheorie im Koffer brach die Physikstudentin zu den damals angesagten Zielen der Sehnsucht auf: München, Berchtesgaden, Bad Reichenhall – magische Orte einer vermeintlich besseren Wirklichkeit. Bis dorthin würden die regimekritischen Mahnungen des Vaters, eines flammenden Antifaschisten, nicht nachhallen. Dort lockte das Tor zum Süden, der letzte Paradieszipfel. Denn jenseits von Bombenhagel und Trümmerfeldern hatten Watzmannpracht und Alpenglühen, grüne Bergseen und die Sommersitze der braunen Haute Volée überdauert.

So genoss Gertraud Weisker ein flüchtiges Glück im Reichswinkel, zumal sie ein paar Monate lang an der Seite ihrer Lieblingscousine Eva Braun verbringen konnte. Während nämlich Adolf Hitler vom ostpreussischen Hauptquartier aus das Massensterben überwachte, forderte seine Mätresse zum Zeitvertreib die Gesellschaft der jungen Verwandten an. Da wanderten, schwammen, tranken und kicherten die Cousinen – vom Kriegstreiben unbehelligt und fürsorglich belagert von des Führers Küchenpersonal. «Wir waren einfach zwei junge Frauen, die, beschützt und bewacht von SS-Leuten, sich ihr Leben so schön wie möglich gemacht haben», sagt die 77-jährige Frau Weisker 56 Jahre später – immer noch ein wenig unbedarft, doch frei genug, offen über ihren Aufenthalt auf Hitlers Bergfestung zu sprechen.

Mehr als 50 Jahre zählte dieses Thema zu den geheimen Verschlusssachen. Auf Rat des Ehemannes hüllte sich die Cousine Eva Brauns in Schweigen über ihre prekären verwandtschaftlichen Beziehungen. Die Angst vor gesellschaftlicher Ächtung trieb sie um und wich erst nach dem Tod ihres Mannes vor ein paar Jahren. Damals trat der Zaungast von einst, der zwar von Hitlers Tellern gegessen, nie aber den Hausherrn zu Gesicht bekommen hatte, eine späte Gedächtnisreise an. Gertraud Weisker schrieb auf, was die Erinnerung noch freigab. Ihre bruchstückhaften Aufzeichnungen schickte sie der Schriftstellerin Sibylle Knauss. Immerhin hatte die Professorin für Text und Dramaturgie an der Filmakademie Baden-Württemberg in ihrem literarischen Leitfaden «Die Schule des Erzählens» (1995) der Tabuisierung vertrackter Stoffe für die literarische Umsetzung eine Absage erteilt: «Darum gibt es für uns nichts, was zu heikel ist, zu grausam, zu privat, zu verstiegen, zu amoralisch.» Nur eine Ausnahme liess Knauss damals gelten. Widerwärtig sei ihr zum Beispiel die Vorstellung, das Leben der Eva Braun als Roman zu verarbeiten.

Vielleicht nahm sie gerade deshalb Gertraud Weiskers Herausforderung an. Sie liess sich auf das Wagnis ein, den Blick in den «Hort des Bösen» zu werfen. Um aus der früheren Bewunderin Eva Brauns, einer naiven jungen Frau ohne ausgeprägtes politisches Bewusstsein, eine Romanheldin zu schnitzen, dekorierte die Autorin die spärlichen Zeugnisse Weiskers mit reflektierenden Exkursen und fiktiven Handlungen: Aus der authentischen Gertraud in ihrer mädchenhaften Arglosigkeit hat sie eine Marlene gefertigt, die sehr wohl reif genug ist, um kritische Distanz zum Nationalsozialismus zu entwickeln. So dichtet Knauss ihrer Hauptfigur in «Evas Cousine» den Mut an, einen polnischen Zwangsarbeiter in Hitlers Teehaus zu verstecken. Sie erfindet darüber hinaus ein amouröses Histörchen, in dem Marlene mit einem SS-Offizier tändelt, doch anders als Eva Braun die körperliche Nähe zur Macht letztlich nicht als Lustgewinn empfindet.

«Es gibt nichts Gutes im Falschen», schreibt Sibylle Knauss, verzichtet aber nicht darauf, eine getunte Biographie der Gertraud Weisker mit Tendenz zur Heroisierung vorzulegen. Wohl wirken die Passagen des Textes, in denen Marlenes psychologische Entwicklung von der Landpomeranze zur halbwegs skrupulösen Erwachsenen stattfindet, dramaturgisch stimmig. Wieder bewährt sich die Autorin als «Wünschelrutengängerin der weiblichen Seele», als die sie in den früheren Romanen «Ach Elise oder Lieben ist ein einsames Geschäft» (1981), «Charlotte Corday» (1988) oder «Ungebetene Gäste» (1991) überzeugte. Und doch wird der Leser das Gefühl nicht los, dass Knauss die Zweifel angesichts ihres heiklen Themas durch Überhöhung der Hauptperson vertreiben will – eine Form der Personenklitterung, die das Genre wohl zulässt. Denn: «Erzählen ist immer Fälschung der Tatsächlichkeit», sagt die Verfasserin in der «Schule des Erzählens». Dass dieses Vorgehen jedoch im Fall von Gertraud alias Marlene zur Geschichtsklitterung beiträgt, hat sie bedauerlicherweise ausgeblendet.

Während sich die Figur der Marlene als lernfähig erweist und intellektuell in der Lage ist, das Ausmass von Tod und Zerstörung zu begreifen, bleibt Knauss bei Eva Braun näher an der historisch verbürgten Realität. «Man kann ja nicht normal sein, wenn man Hitler liebt», merkte sie bei der Buchvorstellung in Berlin an. Dementsprechend geistert die frühere Assistentin von Hitlers Leibphotographen Hoffmann als «irrlichternde Unruhe» durchs Gelände: hübsch, sportlich und gefallsüchtig, doch gleichzeitig voller Angst und Todessehnsucht. «Als Selbstmörderin war sie keine Dilettantin mehr», denkt Marlene und mutmasst weiter: «Die Selbstauslöschung! Und ich bin sicher, dass sie am Ende Hitlers Lehrmeisterin darin war. Dass sie ihm mit der ihr eigenen Geflissenheit und Bereitschaft, zu Willen zu sein, gezeigt hat, wie man es macht.»

Weil Gertraud Weisker, die bisher verschwiegene Zeitzeugin, das Psychogramm der Eva Braun nicht nachträglich durch bahnbrechende Details anzureichern vermag, bauscht Sibylle Knauss ihren Stoff ordentlich auf. Durch emsiges Schwadronieren und Intensivierung des Ausdrucks hofft sie möglicherweise, die matte Faktenlage wettzumachen. Da wird der Obersalzberg in einem Anfall gnadenloser Verharmlosung mit den fiktiven Schattenreichen der James-Bond-Kontrahenten verglichen. Da menschelt es mächtig, wenn das «Nickerchen des Tyrannen» im geblümten Sessel nachempfunden wird. Und manchmal durchstöbert die Autorin das Innenleben ihrer Hauptfiguren so einfühlsam, dass alle historische Distanz verpufft: «Wir waren lasziv und unschuldsvoll zugleich, diese perfekte Mischung, die wir Nazifrauen so gut wie keine Generation vor uns und nach uns verkörperten.» Den Leser packt das Grausen, und er wünscht sich, Sibylle Knauss hätte – der eigenen Theorie zum Trotz – ihrem Gefühl vertraut und Eva Braun als romanuntauglich links liegen lassen.

Christiane Schott

Pressestimmen

'Knauss' Stil ist elegant und einfach. Eine souveräne Erzählerin.' Der Spiegel 'Ein aufschlussreicher Roman und ein spannendes Psychogramm zweier Frauen.' ZDF Aspekte 'Der faszinierend geradlinige Erzählstil und di

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Angelika
Format:Gebundene Ausgabe
Wer meint, mit diesem Roman die Biographie einer Zeitzeugin zu erwerben, der wird wohl ziemlich enttäuscht sein.
Die Autorin schildert in der Ich-Form, bei einem Besuch nach 50 Jahren, das Wiederfinden von Gebäuden und Grundmauern ihres Aufenthaltes auf Hitlers legendärem Berghof.
Plötzlich findet sich der Leser in den Kriegsjahren wieder, wo Marlene, die Cousine Evas, lange Zeit lebte. Fernab von der wirklichen Welt, ohne Radio und abhängig von den nationalsozialistisch eingefärbten Informationen. Während das restliche Deutschland hungert, friert und Bombennächte in Kellern verbringen muss, lebt die "feine Gesellschaft" mit Kaviar, Champagner und allen erdenklichen Gaumenfreuden, mit Privatkino etc.
Die Autorin schildert eine zwiegespaltene Person. Einerseits hochintelligent, Studentin der Physik, die in Geheimschrift in einem Physik-Lehrbuch eine Art Tagebuch führt, andererseits dämlich, naiv, abhängig von Eva Braun.
An den Haaren herbeigezogen ist die (vermutlich erfundene) Story eines entflohenen Zwangsarbeiters, den Marlene in einem abgelegenen Haus versteckt und versorgt.
So richtig rund und verständlich ist die Geschichte nicht, zeigt aber, wie unterwürfig, wahrheitsresistent,konsumfreudig und abgehoben Eva Braun gewesen sein muss.
Fazit: als Roman unterhaltsam, als Zeitzeugnis unbrauchbar
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Das dreifache Verbot des Trinkens, Rauchens und Sich-Schminkens, das das NS-Regime deutschen Frauen auferlegt hatte, galt nicht für die Frauen im Zentrum der Macht, für die Ehefrauen und Gefährtinnen der NS-Größen. Insbesondere Eva Braun, Hitlers kinder- und berufslose Geliebte, widersprach dem Klischee der breithüftigen gebärfreudigen Blondine in nahezu jeder Hinsicht: Sie rauchte und trank, benutzte Make up und Parfüm, hatte einen Mode- und Schuhtick, pflegte zahlreiche Hobbys sowie einen von Hitler unabhängigen Freundeskreis und ließ es auf ihren Partys gerne so richtig krachen. Dass hinter dieser Fassade eine tief verunsicherte, permanent suizidgefährdete Frau stand, die seit ihrem 17. Lebensjahr in einer heillosen emotionalen Abhängigkeit von dem falschesten aller Männer gefangen war, zeigt das Buch auf bewegende Weise. Es ist mir völlig unklar, warum die Autorin geglaubt hat, sie müsse die Erinnerungen von Eva Brauns Cousine an ihre Zeit am Obersalzberg mit der Story um den Zwangsarbeiter aufpeppen. Tipp: Diese Kapitel einfach überschlagen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Silke
Format:Audio CD
Vorneweg: Hannelore Hoger liest großartig.

Im ersten Teil hat mich der Text auch fasziniert, z.B. so eine Mini-Information, daß frau als Führer-Geliebte ganz selbstverständlich ihre Menstruation manipulierte. Wenn ich das zu Ende denke, dann wird doch dazu das ganze Umfeld lebendig, das zuerst das Angebot gemacht hat und dann den Nachschub aufrecht erhielt.

Doch dann fing die Geschichte mit dem geretteten Zwangsarbeiter und dem Teehaus und der BBC an. Irgendwie konnte ich dem nicht mehr so folgen. Es hatte auf einmal etwas Unwirkliches, z.B. im Vergleich mit der Beschreibung von Hitler auf der Treppe oder sein Abschied von Eva. Dann hörte ich Evas Cousine vor kurzem real im Radio und sie sagte, sie habe den Obersalzberg im Januar verlassen. Auf der HomePage des Museums des Obersalzbergs finde ich aber die Information, daß der erst am 25. April 1945 bombardiert wurde. Jetzt frage ich mich natürlich, was alles unter die künstlerische Freiheit der Sibylle Knaus gefallen ist. Wenn dazu auch der gerettete Zwangsarbeiter gehören sollte, dann würde ich das Buch trotz der sehr gelungenen ersten zwei Drittel sehr ärgerlich finden.

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Fesselnde Geschichte und Perspektiven
Spannende Erzählung, aus der Perspektive der wesentlich jüngeren Nichte der Eva Braun. Sie soll die Rolle einer Gellschafterin für Eva einnehmen in Hitlers... Lesen Sie weiter...
Vor 2 Monaten von Lilibeth veröffentlicht
Intim erzählt aus Eva Brauns Familie
Hannelore Hoger passt zwar grundsätzlich gut für die "alte Frau", die rückblickend ihre Geschichte als "Evas Cousine" erzählt, manchmal spricht sie jedoch etwas... Lesen Sie weiter...
Vor 23 Monaten von Joern Precht veröffentlicht
Blick hinter die Kulissen
Der Roman "Evas Cousine" beruht auf den Erinnerungen von Gertraud Weisker,eine Cousine von Eva Braun, die als Zwanzigjährige die letzten Monate des Krieges auf dem Berghof-... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 13. Oktober 2003 von "ka-wi"
Ein Roman, keine geschichtliche Aufarbeitung
Ich hatte mir ehrlich gesagt mehr von diesem Buch erwartet, noch dazu weil es sich wirklich gut anliest (wohl auch weil zu Anfang die Erlebnisse der Cousine noch am ehesten wahr... Lesen Sie weiter...
Am 22. Juli 2003 veröffentlicht
Langatmig
Ich habe schon viel Literatur zum Thema "NS-Zeit" gelesen,aber dieses Buch habe ich nach der Hälfte weggelegt,weil es einfach sehr langatmig und langweilig ist. Lesen Sie weiter...
Am 18. Juni 2003 veröffentlicht
Selbstanklage?
Es gibt bessere und ausführlichere Literatur zu Frau Eva Braun und ihrem Verhältnis zu Adolf Hitler. Gespräche mit Eva sind auch für die damalige (unwissende? Lesen Sie weiter...
Am 10. März 2002 veröffentlicht
Beeindruckend
Offen gestanden beschäftige ich mich nicht besonders gerne mit Geschichte. Aber dieses Buch hat mich sofort gefesselt. Lesen Sie weiter...
Am 16. Juli 2001 veröffentlicht
Sehr gut die Stimmungen auf dem Berghof beschrieben
Die Stimmungen und Gemütslagen von Eva Braun auf und um den Berghof sind sehr gut und offen beschrieben. Dieses Buch ist nur zu empfehlen.
Am 3. Juni 2001 veröffentlicht
Versuch der Autorin, mit ihrer Geschichte ins Reine zu komme
Das Buch ist sehr beeindruckend und es ist offensichtlich, daß die Ereignisse aus der Zeit, die die Autorin mit ihrer Cousine Eva verbracht hat, sie ihr ganzes Leben lang... Lesen Sie weiter...
Am 6. Februar 2001 veröffentlicht
Geniales Zeitzeugnis
Dieses Buch ist ein geniales Zeitzeugnis. Sibylle Knauss schreibt über ihren Roman: "Diese Geschichte ist so wahr, wie die ihr zugrunde liegenden Tatsachen und so frei... Lesen Sie weiter...
Am 1. Januar 2001 veröffentlicht
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