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Das Evangelium von der Rechtfertigung des Gottlosen als Zentrum des christlichen Glaubens: Eine theologische Studie in ökumenischer Absicht
 
 
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Das Evangelium von der Rechtfertigung des Gottlosen als Zentrum des christlichen Glaubens: Eine theologische Studie in ökumenischer Absicht [Broschiert]

Eberhard Jüngel
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Broschiert, 2006 --  


Produktinformation

  • Broschiert: 244 Seiten
  • Verlag: Mohr Siebeck; Auflage: 5. A. (2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3161491769
  • ISBN-13: 978-3161491764
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,4 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Eberhard Jüngel
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Reine Lehre in ökumenischer Absicht

Eberhard Jüngel zur Rechtfertigungslehre

Vor einem Jahr hat der Rat des Lutherischen Weltbunds eine «Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre» verabschiedet, für die auf römisch-katholischer Seite der Päpstliche Rat für die Förderung der Einheit der Christen die Verantwortung trug. Gegen den Text hatten 160 deutsche evangelische Theologen schon Anfang 1998 protestiert; und aus einer «Antwort der katholischen Kirche» ging dann andererseits hervor, dass auch die Kurie mit sich selbst in dieser Sache nicht einig war. Trotzdem erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann: «Das erreichte gemeinsame Verständnis ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer umfassenden Einheit der Kirchen.»

Einigkeit und Einheit

Einheit der Kirchen – ein grosses und leider auch unklares Wort. Angenommen, zwischen lehramtlichen Instanzen der römisch-katholischen Kirche und der lutherischen Kirchen (Instanzen von ungleicher Autorität) wäre ein gemeinsames Verständnis der Rechtfertigungslehre tatsächlich erreicht, – würde das, und in welchem Sinn würde es, Einheit bedeuten? Wäre es nicht ratsam, zunächst Einigkeit festzustellen und dann erst zu fragen, wie einheitsstiftend solche Einigkeit sei? Nun ist man sich aber nicht einig geworden; und was folgt daraus für die Einheit der Kirchen? Die Antwort ist einfach – und doppelt. Für die kirchlichen Strukturen folgt aus dem Fehlen der Einigkeit in der Rechtfertigungslehre nichts; und dass ein Konsens sie verändert hätte, mag man bezweifeln. Für die christliche Glaubensgemeinschaft hingegen (der Singular ist beabsichtigt) hat das vorläufige Scheitern – oder das offensichtlich nur scheinbare Gelingen – eines Konsenses allerdings Folgen gezeitigt: erstaunliche und erfreuliche.

Nämlich, es kam schon vor der Publikation der «Gemeinsamen Erklärung», erst recht danach und noch besonders im Anschluss an die katholische «Antwort» auf den lutherisch-katholischen Text eine lebhafte öffentliche Diskussion über das anspruchsvolle Thema in Gang. Diese Diskussion trug zwar weithin das unschöne Gepräge eines deutschen Professorengezänks; gerade so aber konnte es sich zeigen, dass auch die Leserschaft der «profanen» Presse zu ästhetischer Nachsicht bereit war, um sich mit der Sache selbst, mit einer theologischen Grundfrage, auseinanderzusetzen. Hätte man sich tatsächlich geeinigt, so wäre die frohe Nachricht durch die kirchlichen Blätter gegangen, und was es mit der «Rechtfertigung des Gottlosen als Zentrum des christlichen Glaubens» auf sich habe, wäre vielen verborgen geblieben.

Auch wäre das Buch, dessen Titel wir soeben zitiert haben, vielleicht nicht geschrieben worden, wenn sein Verfasser, Eberhard Jüngel, an der von lutherischen und katholischen Kirchenvertretern «ausgehandelten» Erklärung, wie er sich ausdrückt, nicht Anstoss genommen hätte. Es wäre nun freilich unangemessen, dieser Erklärung die Studie Jüngels gegenüberzustellen. Die «Textsorten» sind zu verschieden, als dass man vergleichen könnte. Dort handelt es sich um einen Versuch, protestantische und katholische Lehrmeinungen in ihrer historischen Wandelbarkeit zu erfassen: in Formulierungen oder in Formulierungsmöglichkeiten eine Neigung zur Konvergenz zu erkennen. Hier dagegen wird die reine, im Kern immer noch von Martin Luther bestimmte Doktrin herausgearbeitet, zur Geltung gebracht gegen protestantische «Abweichler» (selbst Karl Barth nicht ganz ausgenommen) und abgegrenzt gegen eine katholische Tradition, die sich mit den reformatorischen «Exklusivpartikeln» so lange nicht wirklich vereinbaren lässt, wie der Sünder nach ihr nicht völlig «allein aus Gnade», sondern doch auch ein wenig durch seine Werke, und nicht «durch Christus allein», sondern auch durch die vermittelnde Fürsprache Marias gerechtfertigt sein soll.

Gott und der Mensch

«Ohne diesen Artikel ist die Welt nichts als Tod und Finsternis»: die radikale Rede, wie sie durch Luther für die protestantische Theologie emblematisch geworden ist, kennzeichnet bei aller akademischen Prägung auch Jüngels Form der Auseinandersetzung. Mit dem Rechtfertigungsartikel «steht und fällt» für ihn die Kirche, er ist der articulus stantis et cadentis ecclesiae , er ist konstitutiv für das ganze Gefüge, in dem sich der Mensch zu Gott und Gott zum Menschen verhält. Und dies einmal vorausgesetzt, folgt man mit Spannung einer Reflexion, die sich nicht vorgenommen hat, dogmatische Vereinbarkeiten zu ermitteln, sondern Klarheit zu schaffen auf die Gefahr hin, dass «andersgläubige» Partner sie «nur» verstehen und sich nicht zu eigen machen können. Wenn wir «dies vorausgesetzt» sagen, meinen wir lediglich, dass so die Frage noch nicht beantwortet oder noch gar nicht gestellt ist, was eine «fallende Kirche» wäre – ein Wort, das man gerade im ökumenischen Kontext nicht ernst genug nehmen kann.

Die katholische Gegenposition macht Jüngel im wesentlichen an den Dekreten des Konzils von Trient und des mit ihm noch immer übereinstimmenden Zweiten Vatikanums fest; um so glaubhafter, als er auch zeigt, dass die reformatorische Lehre nicht über Luther «hinausgekommen» ist. An der Asymmetrie, die darin besteht, dass die römisch-katholische Kirche zwischen Lehramt und Theologie viel schärfer unterscheidet als der Protestantismus, kann er nichts ändern. Und aus dieser Asymmetrie ergibt sich die paradoxe Tatsache, dass es Nichtkatholiken stets freisteht, Entwicklungen im Katholizismus gut amtskirchlich erst dann in Betracht zu ziehen, wenn dort die höchste Instanz sie genehmigt. – Doch wichtiger ist ein anderes, nur scheinbares Paradox: die Rechtfertigungsdebatte hat, und vor allem dank Jüngels klärendem Votum, die kontroverstheologische Situation wiederhergestellt, die im 16. Jahrhundert entstanden war, zu einer Zeit, als es noch eine Kirche gab. Der Casus könnte – sollte vielleicht – lehren, dass der Streit auch heute noch lebendigere Einheit stiftet als der Kompromiss.

Hanno Helbling -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Der Untertitel 'Eine theologische Studie in ökumenischer Absicht' verweist auf das Paradox, dass erst eine gelungene Selbstverständigung innerhalb der Konfessionen zum selbstverständlichen Ziel der Verständigung zwischen den Konfessionen führen kann. Jüngels Buch entwirft - ausgehend von einer scheinbar nur zufälligen Debatte und einer scheinbar nur situationsbezogenen Polemik - eine Fundamentaltheologie des Protestantismus. Die Begriffe des Katechismuswissens werden einer existentiellen Interpretation unterzogen und in einen integralen Zusammenhang gestellt: Rechtfertigung, Sünde, Freiheit, das Böse, Unglaube ... Ein gleiches gilt von den Exklusivpartikeln reformatorischer Theologie: solus Christus, sola gratia, solo verbo und sola fide; sie erscheinen in diesem Zusammenhang letztlich als aufgefächerter Hinweis auf das, was ein Johann Sebastian Bach mit dem Kürzel 'S.D.G.' vor viele seiner Kompositionen setzte: soli Deo gloria. Ein unbestreitbares Verdienst kommt Jüngels Buch, einer Flugschrift und einem Fundament zugleich, schon jetzt zu: die Debatte um die Rechtfertigungslehre auf den ihr zustehenden Begriff gebracht zu haben. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Es gelingt Jüngel, auf 234 Seiten die Gedanken zur reformatorischen Rechtfertigungslehre nicht nur prägnant zu benennen, sondern auch Anknüpfungspunkte für den weiteren ökumenischen Dialog vorzulegen. Jüngel betrachtet die Bemühungen um einen ökumenischen Konsens wohlwollend. Aber genauso eindeutig kann er auch Relativierungen des eigenen Profils eine Abfuhr erteilen. Erfrischend ist seine lebendige Sprache und die Tatsache, dass er den ökumenischen Dialog mit seinen Chancen und Sackgassen konkret vor Augen führen kann. Nichts ist Jüngel mehr zuwider als die Preisgabe der gottgebenen Freiheit, die die Botschaft von der Rechtfertigung birgt.
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Format:Broschiert
Einmaliger systematischer und klarer Überblick über die wesentlichen Grundlagen des christlichen Glaubens. Keinesfalls leicht zu lesen, aber in seiner Eindeutigkeit und Definitionsstärke hervorragend. Für alle, die es wirklich wissen wollen und keine Angst vor Überforderung haben. Klasse.
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