Das Buch beginnt mit einer geschichtlichen Zusammenfassung woher das Evangelium der Maria kommt und erläutert, dass es nicht nur die vier kanonischen, in der Bibel enthaltenen, Evangelien und das Evangelium der Maria gibt, sondern noch eine beträchtliche Anzahl weiterer. Hier bleibt das Buch aber leider sehr an der Oberfläche. Man erfährt kaum etwas Neues. Auch die Frage, warum die katholische Kirche nur die vier bekannten Evangelien in das Neue Testament aufgenommen hat, die anderen aber systematisch unterdrückt werden, wird nur sehr am Rande gestreift. Für geschichtlich Interessierte ist das Buch von Leloup also enttäuschend.
Im zweiten Teil wird dann das Evangelium im Original wie auch in der deutschen Übersetzung abgedruckt. Und das ist auch der einzige, wirklich interessante Teil. Hier erfährt man schnell, weshalb der katholischen Kirche das Evangelium der Maria höchst unangenehm ist. Steht doch im Evangelium u.a. "Es gibt keine Sünde. Ihr seid es, die der Sünde Bestand verleiht."
Im dritten Teil interprtiert nun Leloup das Evangelium. Doch hier interpretiert er es in einer teilweise höchst sträflichen Form. Nur ein Beispiel: Leloup schreibt: "...doch das Wort des Erlösers erscheint hier klar, deutlich, ja sogar kategorisch 'Es gibt keine Sünde. Ihr seid es, die der Sünde Bestand verleiht.' Diese Worte lassen sich selbstverständlich auf verschiedenen Ebenen interpretieren. Beginnen wir mit der traditionellen Deutung: Es gibt keine Sünde, es gibt nur Sünder." Lieber Herr Leloup, das steht so aber nicht im Evangelium.
Leloups Interpretationen sind höchst verwirrend geschrieben, wie halt "abgedrehte" Philosophen schreiben...viel geredet, aber nichts gesagt. Ein Beispiel: "Wir haben es hier nicht mit einer Metaphysik des Subjekts zu tun, die im Gegensatz zu einer Metaphysik des Objekts steht (es gibt kein Objekt ohne das Subjekt, das es entwirft und für sich darstellt; es gibt kein Subjekt, das nicht Reaktion auf ein Objekt oder Reaktion auf als äußerlich oder andersartig wahrgenommene Umstände wäre). Wir haben es hier mit einer Metaphysik der Offenheit zu tun....." Alles klar???
Dieser dritte Teil ist der schlimmste, da die Interpretationen teilweise so abgefasst sind, dass man sie auch nach mehrmaligem Lesen nicht versteht und wenn man sie versteht, erkannt man, dass sie nicht richtig sein können.
Fazit: Das Buch hat mich enttäuscht. Die geschichtlichen Erläuterungen sind zu oberflächlich, die Textinterpretionen kaum nachvollziehbar und in meinen Augen teilweise sogar falsch und den Text des Evangeliums selbst, kann man sich im Internet durchlesen.
Besorgen Sie sich den Evangelientext und lesen Sie ihn selbst. Man braucht keinen Philosophen, der den verständlichen und guten Text des Evangeliums mit unverständlichen Worten interpretiert.