Die dritte Auflage seiner Kommentierung des Johannesevangeliums stellt eine grundlegende Neubearbeitung dar. Udo Schnelle dokumentiert darin den rasanten Fortgang der wissenschaftlichen Diskussion, ohne sich in Details zu verlieren. Die neu hinzugekommenen Exkurse gleichen z.T. ein Defizit aus, das diesem streng historisch orientierten Kommentar bisher anhaftete: das Interesse an der kühnen Eigenart johanneischer Theologie.
Schnelle war einer der ersten Wissenschaftler, die das vierte Evangelium konsequent als ein literarisch einheitliches Werk zu verstehen suchten. Mitterweile folgt ihm darin die Mehrheit der Ausleger. Was er freilich zu einer "johanneischen Schule" im Anschluß an seinen Lehrer Georg Strecker zu sagen hat, wie er die Gedankengänge des Johannes aufzuschlüsseln versucht, das bietet zwar solides exegetisches Handwerk, faire Diskussion mit anderen Positionen, aber leider auch wenig wirklich Originelles. So liefert dieses Buch auf engem Raum viel hilfreiche Information, aber bleibt für eine tiefere Durchdringung dieser faszinierenden Schrift doch einiges schuldig.
Der große ebenso historisch-kritisch wie theologisch anspruchsvolle Kommentar nach Rudolf Bultmanns Meisterwerk (1941) steht nach wie vor aus!