"Dahinschwinden"...das ist was "Evanescence" bedeutet. Verschwinden in eine andere Welt - dafür standen die Lieder der Band bis heute. Lässt mich das neue - nach eigenem Namen benannte - Album ebenso in eine Traumwelt verschwinden wie die vorigen Alben Fallen und The Open Door? Oder ist sie eher zum Davonrennen? Im Folgenden werde ich versuchen, das Album so gut wie möglich zu beschreiben.
Wie jedes Mal, wenn ich mir ein neues Album kaufe, höre ich mir erst einmal jedes Lied einzeln an und mache mir einen ersten Eindruck. Als jahrelanger Evanescence-Fan habe ich mich natürlich vor dem Release des neuen Albums ausführlichst informiert: Songs wie "What you want", "Made of Stone", "My Heart is Broken", "The Other Side" und "The End of the Dream" waren mir schon bekannt. Doch wie sind die anderen Songs? Wie bei jedem Album, gibt es immer ein paar individuelle Favoriten, die man am liebsten hat. Das war z.B. bei Fallen bei mir "Bring me to life", "Going Under", "My Immortal" und "My Last Breath". Wobei mir jedoch bei jedem weiteren Anhören auch die anderen Lieder immer mehr gefielen.
Und das ist genau das, was meiner Meinung nach ein weltklasse Album ausmacht: Nach jedem erneuten Hören der Lieder immer mehr Gefallen zu finden - auch wenn man sie zum 300. Mal hört.
Diese Werke sind es, für die es wert ist Jahre zu warten.
Amy Lee ist dafür bekannt, immer bereit für Neues zu sein. Und sie schafft es trotzdem, obwohl jedes Album etwas "Neues" ist, immer wieder neu zu beeindrucken.
Dies ist auch beim neuen Album der Fall: z.B. Im Song "Lost In Paradise" beginnt sie Klavierakkorde zu spielen, um eine traumhafte, beruhigende Atmosphäre aufzubauen. Erst bei Mitte des Refrains steigen die obligatorischen Drums und E-Gitarre ein und erlösen innerlich eine Art Explosion: Man verliert sich in eine Art Paradies...dem Titel gerecht.
Ihre Künste mit dem Klavier beweist sie u.a. auch bei "My Heart Is Broken": Wieder beginnt sie mit einer kleinen, ruhigen, langsamen Klavierpassage und beginnt dann zu singen. Der Zuhörer wird interessiert und dann steigt reguros durch den Eingriff des Schlagzeugs das Tempo an. E-Gitarre, gemischt mit Amy Lees Gesang und den Drums lädt zu permanentem Headbangen ein. Und man bemerkt es nicht einmal..und wenn es kein Headbangen ist, bewegt man doch ein wenig seine Finger oder Beine dazu ;)
Auch diese plötzlichen Tempowechsel in den Songs sind Faktoren, die den Zuhörer dazu bringen, in eine andere Welt zu versinken. Dazu bauen diese in vielen Stücken angewandten "schrägen" Töne, die normalerweise nicht zur momentanen Tonart passen, eine mysthische, geheimnisvolle Atmosphäre auf.
Ein möglicher Nachteil dabei für nicht-Evanescence Fans wäre vielleicht die Eingewöhnung: Wer gewohnt ist, eine oder zwei Tonarten geradlinig und stur in einem Lied zu hören und es gewohnt ist, eine Harmonie in jedem Lied vorzufinden, ohne diese "schrägen" Töne, könnte beim ersten Hören des Albums einen weniger guten Eindruck bekommen.
In solchen Fällen muss man hartnäckig sein und das Album nicht "aufgeben". Die Songs sind musikalisch anspruchsvoll und eigen. Und wenn man sich erst daran gewöhnt hat, kann man "dahinschwinden", wie bei keiner anderen Band: Wenn man das Album anschaltet, steigt man in eine Traumwelt ein. Geschaffen von Evanescence. Ich hoffe, auch die nächsten Jahre darf ich mit dieser Band "dahinschwinden", mich in eine andere Welt versinken und den wunderbaren Klängen der Instrumente und Amy Lees Stimme lauschen.
Ich hoffe, ich kann hiermit einigen Interessierten helfen und einen kleinen Überblick über das Album schaffen. Dieses Album ist mehr als empfehlenswert, vor allen Dingen die "Deluxe Edition", welche vier großartige Bonus Tracks und eine 40 minütige DVD enthält.
In diesem Sinne: Zeit zum "Dahinschwinden" und viel Spaß mit dem Album!