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"Euthanasie" im NS-Staat: Die "Vernichtung lebensunwerten Lebens"
 
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"Euthanasie" im NS-Staat: Die "Vernichtung lebensunwerten Lebens" [Taschenbuch]

Ernst Klee
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 512 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 12 (1. Juni 1985)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596243262
  • ISBN-13: 978-3596243266
  • Größe und/oder Gewicht: 19,3 x 12,6 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 232.549 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Ernst Klee
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Jede Gesellschaft hat kranke oder behinderte Mitbürger. Menschen, auf die man besonders eingehen muss, die der Hilfestellung bedürfen. In der nationalsozialistischen Ideologie jedoch wurden solche Personen schlicht und Menschen verachtend als "lebensunwert" deklariert, da sie für die NS-Welt keinen produktiven Beitrag darstellten. Die widerwärtige Konsequenz solchen Denkens war die Euthanasie. Diese Tötung behinderter, kranker oder alter Personen (sowie angeblich "Arbeitsscheuer") ist eines der abstoßendsten Kapitel des Nationalsozialismus, wurde hier doch in vermeintlichen Heilanstalten und unter Mitarbeit der Ärzte und Schwestern Massenmord an denen begangen, um die man sich hätte kümmern sollen.

Vielleicht deshalb, vielleicht aber auch weil so viele vom medizinischen Personal später unbehelligt weiterarbeiteten, wurde nach 1945 das Thema Euthanasie im NS-Staat eher unter den Tisch gekehrt. Ernst Klees Buch, das man ohne jedes Zögern ein Basiswerk hierzu nennen kann, wirkt dadurch oftmals wie ein Schock. Was der Autor darin an Erkenntnissen über diese Praxis der Massentötung im NS-Regime zusammengetragen und analysiert hat, ist in der Kombination von Gesamtübersicht und Detailinformationen nicht zu überbieten. Ein Exkurs über die generelle Geschichte der Euthanasie führt zu den propagandistischen und juristischen Vorbereitungen im NS-Regime (die Verabschiedung entsprechender Gesetze begann bereits 1933). Dem Aufbau einer Euthanasieorganisation folgten dann im Spätjahr 1939 die ersten Tötungen. Klee beschreibt anhand von Originalunterlagen und Augenzeugenberichten Täter und Opfer, Organisation, Methoden und Orte dieser Verbrechen. Und er belegt, dass auch nach Hitlers offiziellem Euthanasie-Stopp 1941 das Morden weiterging.

Ein aufrüttelndes Buch darüber, wie kaltblütig man im Hitler-Reich mit Menschen umging, die man in nationalsozialistischer Dumpfheit als "lebensunwert" titulierte -- ein Begriff, der einen erschauern lassen sollte. --Joachim Hohwieler

Kurzbeschreibung

In mehrjähriger Arbeit ist es Ernst Klee bei der Suche nach Dokumenten zur sogenannten Euthanasie gelungen, bisher noch nie publiziertes Material zu entdecken. So ist es erstmals möglich geworden, umfassend die Tötung von geisteskranken, alten und behinderten Menschen zu dokumentieren und auch das Schicksal der Fürsorgezöglinge, Alkoholkranken, Arbeitslosen und der anderen »Gemeinschaftsunfähigen« oder »Asozialen« nachzuzeichnen. Das Buch bringt nicht nur neue Tatsachen, sondern korrigiert auch in vielen Punkten die bisher erschienene Literatur zu diesem Thema. So beginnt die »Euthanasie« nicht erst im Jahre 1940 in der ersten Vergasungsanstalt Grafeneck, sondern bereits viel früher. Erstmals wird ausführlich gezeigt, wie raffiniert die Tötungen nach dem sogenannten Euthanasie-Stop weitergingen, und wie sich Wissenschaftler, Ärzte, Richter, Staatsanwälte und die Vertreter beider Kirchen dazu verhielten. Klee rekonstruiert im Detail den Alltag in der Tötungsanstalt Grafeneck, schildert, wie die Patienten auf ihr bevorstehendes Schicksal reagierten, was ihre Mörder sagten, und was jene berichten, die der Vergasung entgehen konnten. Die »Ausmerzung« der »Ballastexistenzen« war keine Erfindung der Nationalsozialisten. Die öffentliche wie die private Fürsorge hatten ihre Opfer bereits lange vor 1933 zu »lebensunwertem Leben« erklärt und zur Sterilisierung freigegeben, bevor sie dann später der Tötung ausgeliefert wurden.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Korpo
Format:Taschenbuch
Wie wir Deutschen mit den Juden oder den Sinti und Roma verfuhren, ist uns heute weitestgehend bewusst. Dass wir aufgrund scheinbarer rassischer Merkmale einen industriemässig betriebenen Mord veranstalteten, ist jedem beuwsst. Mordlager wie Auschwitz, Treblinka oder Sobibor sind so vielen auch im Land der Täter ein Begriff, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus abgearbeitet scheinen.

Aber auch der Holocaust hat seinen unmittelbaren Vorläufer. Die Vernichtung "lebensunwerten Lebens" begann in einem Mord am eigenen Volk, an "Schwachsinnigen" und chronisch Kranken. Gaskammern entstanden in Kliniken, und der Vorläufer der Deportation war der Abtransport Kranker in diese Vernichtungsanstalten. Durch eine gemeinnützige Transportgesellschaft.

Als das Volk merkte, dass die Führung so ruchlos mordete, kam es sogar hierzulande zum Widerstand. Die Gaskammern in den Kliniken wurden eingemottet. Aber skrupellose Rassehygeniker mordeten weiter, mit Hungertod und Betäubungsmitteln, Alte, Kinder und wehrlose Kranke.

Vor den Juden kamen die Volksgenossen. Rassenhygiene konnte niemals enden, sie war von den Nazis als von oben auferlegter darwinistischer Ausleseprozess angelegt.

Wer wissen will, woher die grosse Befangenheit gegen Gentechnik, als Umgestaltung des Menschen, oder gegen das Töten unrettbar Kranker, die das selbst wollen, kommt, findet hier die Antworten und den Ursprung. Frühere "Weltverbesserer" und "Rasseverbesserer" hielten auch den Mord im Namen scheinbar hehrer Ziele für gerechtfertigt, und Ungleichheit und Abweichen von der Norm waren Anlass genug für staatliche Tötungshandlungen.

Euthanasie war ursprünglich nicht das, was heute in den Niederlanden erlaubt ist: Sterbehilfe. "Eu" bedeutet gut und "Thanatos" Tod. Aber der "gute Tod" der Nazis war die Hinrichtung im Namen der Gesellschaft, nicht auf die Erlösung von Schmerz ausgerichtet.

Wo der Mensch nur zum statistischen Begriff einer Kosten-/Nutzenrechnung verkommt, zum genormten Erbringer von Leistungen, zum Spielball derer, die sich anmassen, die Schöpfung neu schreiben zu wollen, ohne ethische Mindestgrundsätze, dort lauert auch heute noch das Gespenst und der Geist eben dieser Euthanasie im Schatten.

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von AM
Format:Taschenbuch
Klees Report - Trilogie ist ein Muß für die Geschichtsaufarbeitung. In iener nüchternen Art wird ein Mordkapitel dargestellt, bei dem Deutschalnd schuldig wurde, durch Wegsehen, durch Ignorieren durch Entwerten. Die Schuld reichte lange nach dem zweiten Weltkrieg hinein, noch heute sind Massenmörder unter uns udn viele konnten in einem "Rechtsstaat" unbehelligt untertauchen. Dies ist nicht nur ein Kapitel für Ärzte sondern auch für Juristen, die ihre Geschichte weiter bearbeiten wollen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Mit Euthanasie bezeichnete man ursprünglich die Sterbehilfe für unheilbar Kranke und Schwerstverletzte mit dem Zweck, ihnen qualvolles Leiden zu ersparen.

Mit "Sterbehilfe" in diesem Sinne hatte die ideologisch motivierte "Vernichtung lebensunwerten Lebens" im Dritten Reich allerdings nichts zu tun, denn im Nationalsozialistischen Deutschland ging es niemals darum, irgend jemand einen "Gnadentod" zu gewähren, es ging um den geheimzuhaltenden Massenmord aus wirtschaftlichen und militärischen Gründen.

Erschreckend ist nicht allein, was und wie es geschah. Erschreckend ist die Tatsache, dass fast alle damals freiwillig mitmachten und ausführten, was im Namen des Führers befohlen wurde, denn zahlreiche offizielle Stellen und viele Personen waren dabei beteiligt und wussten davon: Reichbahn, Reichspost, die Gesundheitsverwaltungen, Arbeitsämter, Gerichte, Polizei, Staatsanwaltschaften und nicht zuletzt auch die Heilanstalten, in deren Obhut sich die Kranken, Behinderten und Pflegebedürftigen befanden.

Dass es dabei nachweislich nicht um Sterbehilfe ging, belegen die vielen verschiedenen Dokumente aus unterschiedlichen Quellen, die der Autor zusammengetragen hat, unter anderem die Kopie eines Original-Aktendeckels aus der Registratur des Württ. Innenministeriums mit der Aufschrift: "Heilanstalt Grafeneck - Eingaben und Beschwerden ", denn unter der Überschrift findet sich ein Stempel: "Nicht in Feindeshand fallen lassen! Bei Feindgefahr vernichten!" (abgebildet im Band: "Dokumente zur Euthanasie", hrsg. ebenfalls von Ernst Klee).

Die an dem Massenmord beteiligten Stellen hatten nämlich den Befehl, vor dem Eintreffen alliierter Truppen alles belastende Material zu vernichten, was jedoch offensichtlich nicht in jedem Fall und vollständig gelungen ist.

Der Autor versucht in seinem Buch aber "nicht nur auf die Täter zu starren", sondern insbesondere der Frage nachzugehen, "wie es geschehen konnte, daß Kranke, Arbeitslose, Behinderte, Alkoholiker, Alte, Nichseßhafte usw. von ihren Fürsorgeverbänden schon vor dem Nationalsozialismus zu minderwertigen und Lebensunwerten deklariert wurden - was ihre spätere Tötung letztlich erst ermöglichte." Die ideologischen Grundlagen für die Euthanasie wurden nämlich bereits vor 1933 gelegt.

Und Erst Klee schreibt an einer anderen Stelle: "Die Euthanasie zeigt, wohin der Weg letztlich führt, wenn Menschen über den Leisten einer Kosten-Nutzen-Relation geschlagen und Hilfe-Bedürftige zu Pflegeware degradiert werden. Jeder Ansatz dazu ist sträflich."
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