Am 16. Mai ist es wieder soweit: ESC Finale in Moskau. Da 42 Songs nicht in eine Sendung passen, gibt es ja seit 2004 die berüchtigten Semis, leider nur im NDR zu bewundern, weil die ARD nichts von Promotion für ihr ältestes und bestes Kult-Trash-Programm-Zugpferd hält und diese Semifinales für Quotengift hält. Dabei müsste den Verantwortlichen vielleicht schon aufgefallen sein, dass ein Privatsender mit DsdS jedes noch so lächerliche Casting für Werbungszwecke in eigener Sache herannimmt, dem Publikum ohne Gnade rund um die Uhr zeigt und damit Erfolg hat.
Sei es drum...die Fans des TV-Dinos kennen ja die 42 Songs bereits aus dem Internet, einer - der Skandalsong aus Georgien gegen Gastgeber Russland "We donŽt wanna put in" - ist bereits Geschichte, weil die Georgier ihre Teilnahme gecancelt haben. Wird auch nicht auf dem Sampler erscheinen. Macht auch nix, man verpasst lediglich einen Sister Sledge 70er Jahre Disco Gedächtnis Song.
Die diesjährige Ausbeute ist gar nicht übel. Es finden sich sogar überrascherweise einige bekannte, wenn nicht gar populäre Namen im Angebot. Die grandiose Worldmusic Sängerin Noa aus Israel tritt im Duett mit Mira Awad beispielsweise, Arash - der schwedische Orientale für Aserbaidschan oder auch der dritte Anlauf der schwergewichtigen Chiara aus Malta. Schafft sie nach Platz 3 (1998) und 2 (2005) diesmal den Sieg ?
Oder auch Sakis Rouvas aus Griechenland, der besser tanzt als singt....
Den Vogel schiesst aber Frankreich ab, hier geht doch tatsächlich Frau Diva Patricia Kaas höchstpersönlich an den Start. Womit ? Fast mit einem Gegenentwurf gängiger ESC-Konfektionsware, ein anspruchsvolles Chanson.
Ob die Strategie aufgeht ?
Frankreich gehört ja wie Deutschland, Spanien und UK zu den s.g. Big 4 Ländern, die grössten Zahler und die grössten Musikmärkte. Diese 4 Länder müssen sich nicht im Semi der Konkurrenz stellen, sie sind bereits - wie Gastgeber Russland - für das Finale gesetzt.
Dieser Vorteil ist vielleicht auch im europäischen ESC Chaos um Ostmafia, Immigranten, Nachbarschaftsvotings der extrem grosse Nachteil. Die anderen Länder übertragen die Semis und die Zuschauer dort kennen somit die 38 Songs, die vom Anfang an ins Rennen gehen. Wir sehen dank der geringen Weitsicht der ARD erst das letzte Drittel.
Aber vielleicht kann es ja diesmal diese 50 % Juryentscheidung richten...
Kommen wir zu den Perlen im Angebot:
Mir gefällt der armenische Song "Nor par" von Inga & Anush am besten. Eine starke Dancenummer mit einem bombastisch fetten Sound.
Lettland präsentiert mit Intars Busulis und "Probka" eine Art Peter Fox des Baltikums.
Eine männermordende Femme Fatale Svetlana Loboda aus der Ukraine singt und performt vor allem ihr umstrittenes "Be my Valentine", ein Song, den viele Fans sehr weit oben sehen - der aber in der Mehrzahl ganz schlechte Kritiken von den gleichen Fans erhält.
Der Song ist aber für meine Begriffe sehr gut und zündet richtig...
Norwegen mit dem spitzbübischen Geigenjungen Alexander Ryback und "Fairytale" gilt allerdings als der Topfavorit Nummer Eins....
Sasha Son aus Litauen zeigt mit der verträumten Jazzpopballade "Love" einen anspruchsvollen, guten Beitrag.
Der Däne Niels Brick wandelt auf den Pfaden eines Ronan Keating. Kein Wunder, sein Song "Believe" wurde auch von Keating geschrieben.
Belgiens Patrick Ouchene ist eine äusserst schräge Ausgabe von Elvis Presley, keine Angst: Die Idee vom Elvis-Imitator hört sich krude an, das Ergebnis kann sich aber sehen lassen.
Die Tschechen, bislang erfolglos, probieren es mit der Zigeunerkapelle gipsy.cz mit "Aven Romale", ein guter ethnischer Sound, der ein bisschen auf Stadionhymne hochgemotzt wurde.
Nicht vergessen sollte man die Elfe aus Island, Johanna mit "Is it true" - wie meistens sind sie Nordländer auch dieses Jahr sehr stark.
Kurios und irre witzig ist der schwedische Beitrag "La Voix" von einer Opernsirene Malena Ernmann dargeboten. Ein sehr bizarrer, fast schon unmöglicher Song (so schlecht, dass er schon wieder gut ist), der sicher sehr schnell Kultstatus bei den ESC-Fans erringen könnte. Wer hysterische Diven mag, der wird für " Lady Scream" anrufen...
es gibt inzwischen auch schon bei youtube eine Songeinspielungen von Fans, die sich an "La voix" versuchen. Da lacht man sich schlapp...
Natürlich sind wieder auch die üblichen Gurkenbeiträge dabei. Muss es ja auch, denn diese Freakshow funktioniert doch vor allem durch das "Gut"
und "Böse" Schema....
Allerdings freue ich mich schon richtig auf das Event...und natürlich auch auf den Sampler des Schreckens...
Ob Deutschlands Alex Swings Oscar sings in Moskau zünden kann ?