Ich habe gezögert diese Buch zu kaufen, ist es doch nur eine (gut) übersetzte Auswahl von frei verfügbaren Texten. Ich habe einige im englischen Orginal gelesen, da mir Fjordman wegen seiner klugen Gedanken zur Transmission von Wissen auffiel. Wegen des Hinweises auf das Nachwort von Martin Lichtmesz habe ich es aus einem Impuls heraus trotzdem gekauft. Sowohl die Texte Fjordmans in gebundener Form, wie auch das Nachwort rechtfertigen die Anschaffung. Im Anhang sind alle alle Quellen wiedergegeben. Ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen, ohne alle Punkte diese Buches zu teilen.
Die Auswahl der Texte ist schlüssig. Im wesentlich wird die Kulturkritik und "vierzehnhundert Jahre Krieg" in den Mittelpunkt gerückt. Sehr gut der Text zur "Vaterlosen Gesellschaft", hin zur der "Elternlosen Gesellschaft" zur Kultur der Nichterwachsenen. Der dritte Teil hat den Schwerpunkt der Globalisierung und EU mit dem geradezu prophetischen Essay: "Wenn Verrat zu Norm wird". Am Ende des Buches ist es beeindruckend, den brillanten Entwurf der Europäischen Unabhängigkeitserklärung von Fjordman in deutscher Sprache zu lesen.
Fjordman hat einen wachen Verstand und profunde historische Kenntnisse, wie erwähnt auch im Bereich der Wissenschaftsgeschichte. Da er sehr belesen ist, sind seine Hinweise immer eine Fundgrube für Orginalquellen und weiterführende Literatur. Seine Analyse der Europäische Situation wird wohl von den meisten Menschen geteilt, die frei denken können und dürfen. Seine präsentierten Fakten sind immer belegt und kaum angreifbar.
Martin Lichtmesz befindet sich dagegen in einem Dillemma. Er versucht zu beschreiben, wie Fjordman vom norwegischen Attentäter Anders Breivik gelesen und missverstanden wurde. Er stellt Breivik und Fjordman als Menschen, sowie deren Texte (Breivik's Manifest) exzellent gegeneinander. Auch das "Unabomber-Manifest" wird analysiert. Sicher eine der klügsten deutschsprachigen Analyse von Motiven und Hintergrund des Attentats und auch dessen Instrumentalisierung in der Presse. Martin Lichtmesz gibt des weiteren eine gute Zusammenfassung der fatalen Dekonstruktion von Europas Erbe. Man kann dieses Essay geradezu als Einführung in das Werk Fjordman lesen. Sicher ist, Fjordman hat mit den Attentaten nichts zu tun. Nur der letzte Halbsatz von Martin Lichtmesz ist bezeichnend und nur dieser zweite Teil richtig: "vor allem muss gehandelt werden bevor es zu spät ist". Man könnte in seiner These, dies müssen Denker und Publizisten tun, einen klassischen Widerspruch seiner vorausgegangenen Argumentation entdecken. Die Zahl der Denker und integren Publizisten scheint im Westen begrenzt. Dagegen befolgen alle Dekonstruktivisten, die oppertunistische "Elite" und die (Selbst-)Zensoren in den Medien den Satz von Karl Marx: "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt drauf an, sie zu verändern". Die Antwort wie aus einer liberalen Sicht gehandelt werden muss, um die Freiheit zu verteidigen, ist in der Europäischen Unabhängigkeitserklärung von Fjordman schlüssiger formuliert