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Europa ohne Identität?
 
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Europa ohne Identität? [Taschenbuch]

Bassam Tibi
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 393 Seiten
  • Verlag: Siedler (1. April 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442755921
  • ISBN-13: 978-3442755929
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,9 x 2,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 97.135 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Bassam Tibi
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Europa steckt in einer tiefen moralischen Krise: Durch politische Umwälzungen, wirtschaftliche Rückschläge und globale Wanderungsströme droht es ins Abseits zu geraten. Die Europäer reagieren darauf mit gefährlichen Extremen: einerseits mit einer panischen Abwehr gegen alles Fremde, andererseits mit einem multikulturellen Relativismus, der dem Ansturm undemokratischer und fundamentalistischer Strömungen nichts entgegenzusetzen hat. Der renommierte Islamwissenschaftler Bassam Tibi, selbst ein Wanderer zwischen den Kulturen, analysiert die europäische Verunsicherung souverän und kenntnisreich. Sein Fazit: Europa muß aus seiner aufklärerischen Tradition ein neues Selbstbewußtsein entwickeln; es muß eine Leitkultur bilden, die jeder zu akzeptieren hat, der hier leben will. Erst auf diesem Fundament kann es ein Neben- und Miteinander verschiedener Kulturen geben.

Über den Autor

Bassam Tibi, geboren 1944 in Damaskus, studierte Sozialwissenschaften,Geschichte und Philosophie in Frankfurt am Main. Seit 1973 Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Göttingen und seit 1998 Bosch Fellow in Harvard. Jüngste Veröffentlichungen: "Krieg der Zivilisationen. Politik und Religion zwischen Vernunft und Fundamentalismus" (1995), "Der wahre Imam. Der Islam von Mohammed bis zur Gegenwart" (1996) sowie "Political Islam and the New World Disorder" (1998).

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Dass sich der europäische Kontinent in einer der schwersten Krisen seiner Geschichte befindet, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Diese Tatsache beruht nach Meinung von Bassam Tibi weder auf dem Eiertanz um die Europäische Gemeinschaft, die sich als offenes Haus ohne gültige Geschäftsgrundlage zu Tode erweitert, noch auf der im Vergleich zu China oder den USA mickrigen wirtschaftlichen Dynamik, die langfristig in einen herben Wohlstandsverlust führen wird. Die eruopäische Krise beruht nach Bassam Tibi in erster Linie auf einem beispiellosen Identitätsverlust, der es den europäischen Regierungen immer schwerer macht, ihre wahren Interessen zu erkennen. Dieser Befund einer weitgehenden Entwestlichung" der europäischen Nationen ist umso bedrückender als dem unsicher gewordenen Europa ein islamischer Neo-Absolutismus gegenübertritt, der seinen universalistischen Anspruch auf Weltherrschaft niemals aufgegeben und neu vitalisiert hat. Islamischer Neo-Absolutismus tritt dabei in vielfältigen Formen auf: zunächst als eine demographische Umwälzung westlicher Bevölkerungen durch Masseneinwanderung, wobei die Zuwanderung nicht in die Arbeits- sondern in die Sozialsysteme gleichsam als Menschenrecht beansprucht und erzwungen wird. Zweitens als fundamentalistische Unterwanderung der freien Gesellschaft, die von den Terrorzellen in Hamburg und anderswo jahrelang vollkommen unbehelligt ihre Anschläge in der ganzen Welt planen konnte, wobei, auch darauf weist Tibi anhand vieler konkreter Beispiele hin, die fundamentalistischen Todfeinde der freien Gesellschaften in Deutschland durch Stipendien und Sozialhilfe alimentiert werden. "Deutschland ein Tollhaus" ruft der Autor und fragt: wie ist so etwas möglich? Seine Antwort. Diese suizidalen Zustände sind nur erklärlich durch einen "Selbsthass der gesinnungsethischen Linkseliten", die mit der öffentlichen Dominanz der politischen Correctness jeden vernünftigen Diskurs in der Gesellschaft unterdrücken. Ebenso wie die radikalen Islamisten jeden gemäßigten Muslim mit dem Totschlagargument des "Nichtgläubigen" traktieren, schwingen auch Trittin und seine linken Konsorten gegen jede Kritik an der ungehemmten Zuwanderung nicht integrationswilliger und schlecht qualifizierter Migranten die Rassismuskeule, was sich als so erfolgreich erwiesen hat, dass auch die konservativen Parteien und Zeitungen in diesen Ritus der Selbstverstummung eingeschwenkt sind.

Ist denn alles verloren, möchte man fragen. Nein, antwortet Bassam Tibi, wenn man nur zweierlei konsequent angeht: Erstens muss endlich eine europäische Leitkultur entwickelt und selbstbewusst vertreten werden, eine Leitkultur deren Werte sich auf den Lehren der europäischen Aufklärung gründen und die vor allen Dingen keine Toleranz für Intolerante beinhaltet. Zweitens muss eine Einwanderungspolitik konzipiert werden, die sich am nationalen Interesse der Einwanderungsländer ausrichtet, das heißt, dass Fundamentalisten, Terroristen, Kriminelle und unzureichend Qualifizierte in Deutschland nichts zu suchen hätten. Auch wenn man über Tibis Offenheit ( "In Deutschland sind die Kriminalitätsraten durch Zuwanderung explodiert, doch ist geradezu verboten, darüber zu sprechen." ) fast ein wenig erschrickt, so sind es doch bare Wahrheiten und Selbstverständlichkeiten, die er propagiert, allerdings Selbstverständlichkeiten, mit denen jeder, der sie heute verkündet, sofort ins Kreuzfeuer der Gesinnungsethiker gerät. Das hat Friedrich Merz erfahren müssen, als er die Leitkulturdebatte anstieß, und auch Bassam Tibi kann ein Lied davon singen, hat er doch trotz guter Verkaufszahlen seiner Bücher durch konsequentes Totschweigen seines Wirkens in Presse und Funk inzwischen fast jede öffentliche Resonanz verloren. Niemand wird natürlich sich wundern, dass sich Bassam Tibi mit seinen Thesen bei den Grünen, der "linken Süddeutschen Zeitung" und der "gesinnungsethischen ZEIT" keine Freunde erworben hat. Erstaunlich aber ist, dass er es sich auch mit der konservativen FAZ verdorben hat, bei der er früher noch recht regelmäßig publizieren durfte und die im Kern in ihren Leitartikeln keine anderen Thesen verkündet als Bassam Tibi in dem vorliegenden Buch. Möglicherweise liegt ein Grund für diese Entfremdung zwischen dem Autor und den konservativen Blättern aber auch in der unübersehbaren Eitelkeit des Autors, der es sich bei aller Kenntnis und analytischer Schärfe nicht verkneifen kann, den Leser immer wieder mit Selbstzitaten und Eigenlob zu nerven. An der Stringenz und Überzeugungskraft der Darstellung und der unüberschaubaren Zahl von geradezu erschütternden Beispielen die das vorliegende Buch wie ein Kompendium des gegenwärtigen Schwachsinns liefert, ändert das aber nichts.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Abgesang oder Warnung? 28. Januar 2010
Format:Taschenbuch
Wer sich für Europas Zukunft interessiert, sollte dieses Buch (oder eines der anderen vom Autor, die in die gleiche Kerbe schlagen)von einem
Europa- und Islamkenner von international anerkanntem Rang lesen.
Professor Tibi, der unzählige Veröffentlichungen als Islamologe und
Politikwissenschaftler hat, ist vielleicht das, was man als einen
lebendigen Widerspruch bezeichnen könnte, da er überzeugter Demokrat und
bekennender Muslim ist. Wie geht das? Wenn er bei allem Einsatz für die
Verteidigung europäischen Kulturgutes trotzdem als Islamkenner zu
bezeichnen ist, dann deshalb weil er die politische Welt des Islam
zeitlebens studiert und analysiert hat. Tibi wurde mehrfach
international ausgezeichnet, hielt in aller Welt Vorträge und
veröffentlichte Bücher in 16 Sprachen. 1997 war er in den USA "man of
the year". Diesen Mann sollte man hören, wenn er tatsächlich versucht zum Kern der Sache vorzudringen. Wenn er in diesem Land
oft kritisiert wird, liegt das wohl meist daran, dass es ihm nicht um die
political correctness geht, und ständig vor falscher Toleranz warnt, er
macht sich dabei weder bei den Rechten noch Linken Freunde. Der Träger
des Bundesverdienstkreuzes 1.Klasse für sein Engagement für ein besseres
Verständnis des Islam in Deutschland verdient zunächst einmal Glaubwürdigkeit, da er stets bereit ist, zwischen den gemäßigten Fronten zu vermitteln. Wenn er nun in diesem Buch davor warnt, dass Europa sich zu wenig um seine geistigen Wurzeln kümmert und nicht kompatibles Fremdes immer mehr um sich greifen lässt, ist das nicht nur ungewöhnlich aus dem Mund eines Muslim, sofern es dieser ehrlich meint. Man sollte es auch zur Kenntnis nehmen und darüber nachdenken.
Es war Tibi, der den Begriff von der europäischen Leitkultur einführte.
Sein Islam hat wenig mit dem Islam des Koran zu tun, würden viele seiner
Glaubensbrüder behaupten und es anhand unzähliger Koransuren wohl auch
nachweisen können. Das macht das Ganze durchaus wert noch etwas gründlicher darüber nachzudenken. Islamisten bezweifeln daher auch sein Bekenntnis zum
Islam. Andere könnten ihn für besonders clever bezeichnen. Oder unterliegt er doch eher einem Wunschdenken? Tibi geht es nach seinem Selbstbekenntnis nicht um einen Streit der Religionen.
Aber warum unterschätzt er, dass der Islam eine politische Religion schon immer gewesen ist? Ist der Islam so wandelbar, dass er seinen Ursprung verleugnet? Dieser Frage geht der Autor in diesem Buch jedoch nicht nach. Sie drängt sich aber bei der Lektüre auf und bleibt unbeantwortet.
Es geht Tibi also um die Bewahrung der westlichen Kultur, das ist sein
Anliegen. Es geht ihm um Freiheiten, Freiheit des Geistes, Freiheit der
Meinungsäußerung, Rechte auf individuelle Lebensgestaltung. Und das alles soll auch unter der Herrschaft des Islam gedeihen können! Tibi ist in der
nicht-islamischen Welt aufgewachsen, ist hier im Westen "groß" geworden
und lernte die westliche Gesellschaftsordnung mit ihren Freiheiten und
den im Vergleich zu islamischen Staaten anscheinend unbegrenzten
Möglichkeiten schätzen. Dies verdeutlicht er auch in diesem Buch. Der
Westen müsse an den demokratisch-pluralistischen Werten festhalten und
sie gegen Angriffe von außen unbedingt verteidigen. So ist es nur
folgerichtig, dass er stark die in Europa entstehenden
"Parallelgesellschaften" des Islam kritisiert. Man fragt sich, ob er
dabei nicht ein wenig naiv ist, wenn er die in Europa lebenden Muslime
zu einem Euro-Islam aufruft, der die gleichen Grundwerte vertreten soll,
oder zumindest die europäischen Rechts- und Verfassungsordnungen
respektiert. Naivität prangert er dagegen bei Europäern an, weil sie
nicht entschlossen genug gegen die islamistischen Bestrebungen die
Gesellschaft zu beeinflussen vorgehen, Islamisten sind für ihn auch
Feinde des Islam. Diese Unterscheidung zwischen Islamisten und Muslimen
ist notwendig und richtig, geht aber doch manchmal an dem Kern der Sache
vorbei. Tibi bekennt sich eindeutig zur demokratischen Streitkultur und
warnt unaufhörlich vor falscher Toleranz. Die Integrationspolitik der
deutschen Regierung bezeichnet er als inkompetent. Erstaunlich ist in
diesem Zusammenhang, dass Tibi sich enttäuscht zeigt, wie unstet sich
die europäischen Intellektuellen in Bezug auf die Wertschätzung von
Werten geben, die für ihn europäische Werte sind. Dabei gehört das auch
zur Gesamtentwicklung der europäischen Gesellschaft, die ihr Erbe nach
und nach vergisst und so erst möglich macht, dass man tolerant ist, wo
man keine Feinde mehr erkennen kann oder mag. Es passt einfach nicht
mehr in das Weltbild. Schließlich ist man sich unbemerkt selber zum
größten Feind geworden und ist auch noch froh, wenn andere das Regiment
übernehmen. Ein trotz allem lesenswertes Buch.
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26 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Bassam Tibi ist den meisten Lesern wohl vor allem als Experte in Sachen politischer Islam und naher Osten ein Begriff. In seinem neuen Buch widmet er sich nun der Region, die seit Jahren seine Heimat geworden ist. Europa. Ausgehend von der sich intensivierenden europäischen Integration stellt er die Frage nach der europäischen Identität, die diesen werdenden Staat zusammenhalten kann. Zunächst geht es im dabei um die spezifisch europäische Mixtur aus kulturellem Überlegenheitsgefühl einerseits und der politisch-korrekten Doktrin des Kulturrelativismus. Er plädiert für eine nachhaltige Entromantisierung des guten alten Europa, den Abschied vom der Schau auf Europa als Nabel der Welt. Nach dem Aufräumen mit diesen Illusionen kann der alte Kontinent darangehen, ein neues Selbstbewußtsein zu entwickeln und sich den anstehenden Veränderungen zu stellen. Ein zentraler Aspekt ist hier die durch Einwanderung und Globalisierung aufgeworfene Frage nach dem Zusammenleben mit Angehörigen von Kulturen, die der europäischen teilweise zuwiderlaufen. Ziel muß es also sein, die europäischen Prinzipien von Pluralismus und Toleranz aufrechtzuerhalten beziehungsweise ihnen auch angesichts der veränderten Lage Gültigkeit zu verschaffen. Das bedeutet aber nicht - wie von rechts häufig gefordert - eine Unterwerfung der neuen kulturellen Impulse durch die alteingesessene, sondern heißt auch, den europäischen Narzißmus und Nationalismus in die Schranken zu weisen. Tibi liefert hier einen stringent ausgearbeiteten Debattenbeitrag, den man nicht ignorieren sollte. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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