Klaus-Michael Bogdal hat eine Literaturgeschichte der Romvölker
geschrieben, die in Deutschland seit dem 14.Jahrhundert Zigeuner
genannt werden. Man kann es ja nicht schöner sagen als der Autor:
'Im Anfang war die Chronik. Kein Dokument von eigener Hand, keine Hinterlassenschaft,
nicht einmal ein Fetzen Stoff oder eine Scherbe zeugt heute von der Ankunft
einer Gruppe von Menschen im Europa des 15. Jahrhunderts, die bald im Englischen
als Gypsies, im Französischen als Bohémiens, im Niederländischen als Heiden, im Schwedischen
als Tatern im Spanischen als Gitanos und im Deutschen als Cigäwnär bezeichnet werden.'
Man erfährt, wer sich alles mit dem Thema beschäftigt hat: Angefangen bei Puschkin,
Eichendorff, E.T.A Hoffmann, Victor Hugo oder Tieck und weiter Günter Bruno Fuchs,
Johannes Bobrowski und Marianne Rosenberg.
In Harry Mulischs Roman 'Die Entdeckung des Himmels' spricht ein jüdischer Musiker
im Amsterdam der sechziger Jahre einem Mitglied eines Zigeunerorchesters und ihrem
Primas seine Hochachtung aus:
'Sage ihm, dass Zigeuner für mich heilig sind, weil sie das einzige Volk auf Erden sind,
das nie einen Krieg geführt hat'. Darauf spielen sie für ihn auf eine Weise, die ihn
eine tiefe Verbundenheit spüren lässt und ihn an das Leid seiner eigenen Familie erinnert.'
Dieses Buch ermöglicht einen Blick in den Spiegel. Wir erfahren mehr über unser Denken
Fühlen und Verhalten als über die Romvölker. Das hängt einerseits mit der spärlichen
schriftlichen Überlieferung der Romvölker zusammen und andererseits damit, dass sie zögern
sich zu öffnen, weil sie der Nachwelt eine andere, bessere Lebensgeschichte überliefern
möchten, 'ohne die Erlebnisse , die ihnen lange den Mund verschlossen haben'.
Und es hängt damit zusammen, dass, wie Bogdal schreibt, wir, was das Denken und Fühlen der
Romvölker betrifft in einen undurchdringlichen Nebel zurückblicken, der sich wohl niemals
lichten wird, da es an brauchbaren Zeugnissen mangelt.
Viele Forscher die sich damit beschäftigt haben, sind nach dem Prinzip der stillen Post
vorgegangen. Sozusagen der Grundfehler der Zigeuner war oder ist, in einer Welt zu leben die
auf dem Prinzip der Territorialität besteht: 'Territoriales Denken geht davon aus,dass alles
auf der Erde vorgefundene einschließlich des Bodens und der Menschen, sich in Besitz- und
Eigentumsverhältnissen befindet.'
Wir lesen von der 'gefühlten Bedrohung' die von den Zigeunern ausgeht und, dass das Sprechen
und Schreiben über sie selten mit ruhiger Hand geschieht. Der zivilisatorische Abstand
wird vermessen und schafft 'Raum für staatliches Handeln und alltägliche Diskriminierung'.
Im Prolog schreibt Bogdal, vielleicht sei Fassungslosigkeit das, was zurückbleibt im Blick
auf die zerstörerischen Energien die in diesem Buch gezeigt werden.
Und die romantischen Zigeunerphantasien seien so wirkmächtig, dass sie erfolgreich konkurrieren
mit der Wirklichkeit und diese nicht unerheblich beeinflussen.
Komm Zigan, spiel mir was vor.. Went to see the Gypsy ..