Die fundamentalen Herausforderungen, mit denen sich die Europäische Union gegenwärtig konfrontiert sieht, sind in der Geschichte der Europäischen Integration bisher ohne Beispiel. Nicht nur der erreichte Integrationsfortschritt, sondern auch die osteuropäischen Revolutionen und ihre weitreichenden Konsequenzen für den ganzen Kontinent haben dazu geführt, dass der traditionelle, auf Regierungskonferenzen aufbauende Integrationsprozess an seine Grenzen gestoßen ist. Zwar steht der Bedarf einer Reflexion über die zukünftige Gestalt einer politischen Union in der heutigen Debatte außer Frage. Jedoch herrscht über inhaltliche Tiefe und Form einer möglichen europäischen Verfassung noch weitgehend Uneinigkeit. Das vorliegende Buch will dem Abhilfe schaffen. Mit der Präsentation einer systematischen Untersuchung gegenwarts- und zukunftsbezogener Aspekte der Europäischen Verfassung ist den Autoren ein entscheidender Beitrag zur aktuellen Verfassungsdiskussion gelungen.
In einer einführenden Analyse des Verfassungsbegriffs werden treffend die zentralen Merkmale von Verfassungen herausgestellt, die für die Behandlung des Themas von Interesse sind. Nach einem kurzen Aufriss der historischen Entwicklung der europäischen Integration und der Rechtsnatur der Europäischen Union, stellen die Autoren verschiedene Positionen bezüglich aktueller und zukünftiger Aspekte der Europäischen Integration vor, die die Debatte um eine europäische Verfassung maßgeblich geprägt haben. Hierbei ist es den Autoren gelungen, fünf Positionen - darunter Jürgen Habermas, Dieter Grimm, Joschka Fischer - auszuwählen, die ein sehr ausgewogenes Bild der aktuellen Debatte zeichnen.
Das vorliegende Buch beleuchtet desweiteren einsichtig die Entwicklungstendenzen des Staates sowie die Zukunft der Demokratie in Europa. Als besonderer Verdienst der Autoren, kann hierbei die eingehende Reflexion über grundlegende Begriffe des politischen Denkens wie Staat, Nation, Demokratie und Souveränität gelten. Bereichernd ist überdies die Berücksichtigung der osteuropäischen Perspektive, die bei der Frage nach der Notwendigkeit einer europäischen Verfassung oftmals zu kurz kommt.
Die Autoren vermögen es die verschiedenen Themenaspekte in einer abschließenden Diskussion um Stand und Perspektiven der europäischen Verfassung überzeugend zu einem Ganzen zusammenzuführen und ermöglichen dem Leser dadurch einen übergreifenden Blick auf die zentralen Problempunkte und Chancen, die bei der Frage nach einer europäischen Verfassung nicht vernachlässigt werden dürfen. Nicht zuletzt angesichts des jüngst konstituierten Verfassungskonvents ein Buch von besonderer Aktualität, das die heutige Debatte um eine europäische Verfassung um einen Schritt weiter gebracht hat.