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Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert
 
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Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert [Broschiert]

Marie-Janine Calic
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Marie-Janine Calic schlägt in diesem Buch analytische Schneisen in die faszinierende Geschichte Jugoslawiens und legt die erste Gesamtdarstellung in deutscher Sprache seit der Auflösung des Vielvölkerstaates vor.

Warum ist Jugoslawien zerfallen? War der gewaltsame Untergang unvermeidlich? Warum hat der heterogene Staat dann überhaupt so lange überlebt? Dieses Buch analysiert, warum und unter welchen Umständen Jugoslawien entstand, was den Vielvölkerstaat über siebzig Jahre zusammenhielt und weshalb er sich schließlich gewaltsam auflöste. Im Mittelpunkt stehen die um die Wende zum 20. Jahrhundert einsetzenden fundamentalen Wandlungsprozesse, die die Ideologien, politischen Systeme, wirtschaftlich-sozialen Beziehungen sowie die Lebensweisen in ganz Europa nachhaltig prägten und auch Jugoslawien im Laufe des 20. Jahrhunderts von einer Agrar- in eine moderne Industriegesellschaft verwandelten. Dadurch wird die jugoslawische Geschichte in die europäische Geschichte mit all ihren wechselseitigen Verflechtungen eingebettet und das Klischeebild des rückständigen, mit unauflösbaren Nationalitätenkonflikten belasteten Balkans korrigiert. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Über den Autor

Marie-Janine Calic ist Professorin für Geschichte Ost- und Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

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Format:Broschiert
Marie-Janine Calics Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert ist eine umfassende und aktuelle Einführung in die Geschichte des zerfallenen Balkanstaates. Ihr Fokus liegt klar auf der politischen und wirtschaftlichen Geschichte, bezieht aber viele kulturelle und gesellschaftliche sowie die weltweiten Entwicklungen im 20. Jahrhundert kontinuierlich mit ein.
Der Autorin gelingt es dabei überzeugend, eine Geschichte mit möglichen Alternativen zu schreiben. An keiner Stelle glaubt sie an Automatismen. Es haben Menschen gehandelt, die auch hätten anders handeln können, das gilt sowohl für die Gründungsphasen als insbesondere auch für die Phase des Zerfalls und der Separationskriege in den 1990er Jahren.

Das Buch ist mit einer großen Kenntnis und einem guten Konzept geschrieben. Anschaulich werden die Problemlagen des Vielvölkerstaates beschrieben, der in Krisenphasen Acht geben musste, die vielen Interessenlagen einer ethnisch und kulturell heterogenen und sozioökonomisch disparaten Gesellschaft zu befriedigen. Insbesondere die Zeit unter Tito, der zwischen den Blöcken agieren musste und eine eigene Mischform zwischen Sozialismus und Marktwirtschaft fand, ist sehr interessant geschrieben.
Stilistisch ist der Text gelungen, auch wenn häufig verzichtbare Redundanzen zu finden sind. Hin und wieder springt der Text zugunsten einer systematischen Beschreibung zwischen mehreren Daten hin und her, was an manchen Stellen etwas verwirrt beim erstmaligen Lesen. Außerdem sind die Abschnitte, die sich mit den Jahren der Auflösung zwischen 1985 und 1991 beschäftigen, etwas kurz geraten. Dem Verständnis dieser Jahre hätte eine etwas ausführlichere Darstellung, welche Kräfte zu welchem Zeitpunkt welche Strategie verfolgt haben, geholfen.

Das sind aber Kleinigkeiten. Die Einführung ist gelungen und bietet ein hervorragendes erstes Verständnis für die Geschichte Jugoslawiens. Für Studenten und historische Interessierte, die sich mit dem Balkan beschäftigen wollen, dürfte dieser Text eine Pflichtlektüre sein.
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Von Dietrich Marquardt TOP 500 REZENSENT
Format:Broschiert|Von Amazon bestätigter Kauf
Die Völker, die sich nach dem Ende des ersten Weltkriegs, dem Untergang der Habsburger Monarchie zum ersten jugoslawischen Staat zusammenschlossen, waren ein buntes Gemisch. Es überwogen aber im Staat als Staatsvölker die drei Nationen Serben, Kroaten und Slowenen. Diese Nationen war nach Geschichte, Religion und wirtschaftlicher Entwicklung keineswegs einheitlich.

Der Überfall Deutschlands führte auch zu grausamen Bürgerkriegen der Jugoslawen untereinander, jeweils verstärkt durch Bündnisse etwa des Kroaten Ante Pavelic und der serbischen Tschetniks mit den nationalsozialistischen Besatzern. Vor allem gegen die Serben wurde ein weltanschaulich begründeter Vernichtungskampf ("slawische Untermenschen") geführt. Einzig die Kommunisten unter Tito boten für sehr viele Menschen eine Perspektive. Immer mehr schlossen sich dieser übernationalen Bewegung an. Ohne nennenswerte Hilfe der sowjetischen Roten Armee eroberte Titos 1945 Partisanen- und dann reguläre Armee die Macht. Ein verwüstetes, verarmtes Land hatte nunmehr eine (sozialistische) Perspektive.

Tito wahrte die Unabhängigkeit von der UdSSR, auch wenn er dafür wüsten Anfeindungen ausgesetzt war. Bald nach Stalins Tod beeilten sich seine Nachfolger unter Chruschtschow eine Verständigung mit ihm, der bis dato als Verräter beschimpft worden war, herbeizuführen. Jugoslawien war, vor allem wegen seiner führenden Rolle in der Bewegung der Nicht-Paktgebundenen, einfach zu wichtig. Tito verstand es sich von West und Ost umwerben zu lassen und daraus auch erhebliche wirtschaftliche Vorteile (westliche Kredite, Zulassung jugoslawischer Arbeitskräfte auf dem westeuropäischen Arbeitsmarkt etc.) für sein Land zu ziehen.

Die innere Struktur des Landes war förderalistisch, eine Antwort auf die frühere Dominanz vor allem der Serben. Trotz der Versuche der Zentrale die starken Unterschiede im wirtschaftlichen Entwicklungsniveau (vor allem zwischen Norden und Süden) abzuschwächen, verstärkten sich diese im Laufe der 50er, 60 und 70er Jahre eher. Der Tod Titos im Jahre 1980 war der Anfang vom Ende Jugoslawiens. Die große Integrationsfigur lebte nicht mehr. Die Autorin weist die Bedeutung Titos überzeugend nach. Fast genau 10 Jahr nach Titos Tod begann die Serie von Kriegen, die zum Zerfall Jugoslawiens führte. Eine neue Stabilisierung ist vor allem im Süden (Kosovo) noch keineswegs erreicht.

Das Buch vereinigt drei Vorzüge: Es ist wissenschaftlich fundiert mit ordentlichen Fußnoten und reichen Literaturhinweisen. Die Darstellung ist flüssig und gut lesbar. Die Wertungen der Autorin sind begründet und fundiert. Bei der Darstellung der Opposition gegen den serbischen Parteichef Milosevic hat man den Eindruck einer gewissen Verzerrung, denn der Name Dobrica Cosic wird gar zu häufig genannt. Historiker tun sich am schwersten mit der Darstellung der allerjüngsten Vergangenheit oder gar der Gegenwart. Es fehlt einfach der Abstand, der für eine Objektivierung erforderlich ist. 6 Karten, zahlreiche statistische Tabellen sind im Anhang enthalten. In Summe ein sehr gutes, empfehlenswertes Buch.
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0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Leseratte
Format:Broschiert
Um die Kriege im ehemaligen Jugoslawien verstehen zu können muss man erst einmal verstehen, wie es zur Gründung eines gemeinsamens Staates der Südslawen kam. Frau Calic beschreibt hier auch sehr gut, wie bereits in den 60er Jahren die Teilstaaten begannen auseinanderzudriften. Als dann 1990 der Ostblock sich auflöste, gab es dann für die wohlhabenderen Teile kein Halten mehr.
Auch beschreibt Frau Calic, dass Serbien nicht verhindern wollte, dass Jugoslawien auseinanderbricht, sondern nur eine Lösung finden wollte für die Serben, die in mehreren Teilstaaten verstreut waren. Dies kann aber keine Entschuldigung sein für die Verbrechen während der Kriege.
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