FAZ, 10. 10.2002, Nr. 235, S. 14
Das Lehrbuch unterrichtet nicht bloß über die Politik der Europäischen Zentralbank, sondern beleuchtet auch ihre Wechselwirkung mit Finanz-, Lohn- und Wechselkurspolitik. Ist die Staatsverschuldung hoch, dann ist der Druck auf die Geldpolitik stark, gleichgültig wie die Autonomie der Zentralbank institutionell verankert ist. Deswegen erhält der Leser auch Informationen, wie Sanktionen greifen und wie nationale Regierungen sie abbiegen können. Insgesamt ein kompaktes, gut lesbares und materialreiches Buch zur Geldpolitik der EZB.
Joachim Starbatty, Universität Tübingen -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
WISU, Heft 8-9 (August-September 2002 - I
Bereits zwei Jahre später präsentiert das Autorenteam eine völlig überarbeitete Auflage. Dabei fällt nicht nur das neue markante Äußere des Buches auf, sondern auch sein fast doppelter Sei-tenumfang. Die ersten Erfahrungen, die man mit dem Euro-System gesammelt hat, sowie die in der Zwischenzeit aufgeflammten Strategiediskussionen haben nämlich eine deutliche Erweite-rung des Lehrstoffes nötig gemacht. Die kompakte und verständliche Darstellung hat darunter jedoch nicht gelitten. Ohnehin geht ein Teil der zusätzlichen Seiten auf das Konto des verbesser-ten Layouts und damit zugunsten eines höheren Lesekomforts. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
WISU, Heft 8-9 (August-September 2002 - II
WISU, Heft 8-9 (August-September 2002 - III
Börsenzeitung, Ausgabe 57, 23. März 2005
Christian Burckhardt, Börsen-Zeitung, 23.3.2005
Börsen-Zeitung, 20.10.2001, Ausgabe 203, Seite 7 - III
WISU-Magazin 6/2005 (Teil 3)
Kurzbeschreibung
Der Verlag über das Buch
Als im Herbst des Jahres 1999 die erste Auflage des vorliegenden Buches erschien, waren die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion und die mit ihr einhergehende einheitliche Geldpolitik für die Mitgliedsländer nicht einmal ein Jahr alt. Dem Start der Währungsunion gingen umfangreiche rechtliche und organisatorische Vorarbeiten voraus. So wurde dem Eurosystem Preisstabilität als vorrangiges Ziel der Geldpolitik vertraglich vorgegeben, ihm zugleich aber bei der Erfüllung seiner Aufgaben Autonomie in dem Sinne verliehen, dass die Europäische Zentralbank und die nationalen Zentralbanken von politischen Weisungen unabhängig sind. Verständigung über das geldpolitische Instrumentarium, die Entwicklung einer handlungsleitenden Strategie sowie der Aufbau eines Kommunikationssystems mit der Öffentlichkeit waren wichtige in die Startphase fallende Schritte. Dennoch blieben einige Fragen offen. Wie würde die einheitliche Geldpolitik in Ländern mit unterschiedlichen Finanzstrukturen und Finanzierungstraditionen wirken? Welche Probleme ergeben sich, wenn bestimmte monetäre Impulse auf abweichende reale Strukturen zwischen den Mitgliedsländern treffen? Welcher Druck geht von den weiterhin in nationaler Autonomie befindlichen Finanz-, Lohn- und Sozialpolitiken auf eine stabilitätsorientierte Geldpolitik aus? Wie gewichtig einzelne Probleme auch immer gewesen sein mögen, insgesamt kann man dem Eurosystem, gemessen an seiner Hauptzielsetzung Preisstabilität, eine erfolgreiche Geldpolitik attestieren. Bereits mit der ersten Auflage des Lehrbuches "Europäische Geldpolitik" gelang es den Autoren Görgens, Ruckriegel und Seitz frühzeitig und umfassend die Gegebenheiten und Probleme in dem neuen Währungsgebiet zu behandeln. Ihnen kam dabei eine Vorreiterrolle zu. Wenn der europäischen Geldpolitik als primäre Aufgabe die Wahrung der Preisstabilität vorgegeben und den geldpolitischen Akteuren zugleich Handlungsautonomie verliehen wurde, so verbirgt sich dahinter zweierlei: Zum einen taugt eine auf Dauer betriebene expansive Geldpolitik nicht als Wachstums- und Beschäftigungsmaschine. Vielmehr ist ein stabiler Euro eine Grundvoraussetzung für eine effiziente Steuerung der in der EWU zusammengeschlossenen Marktwirtschaften. Zum anderen ist die Preisstabilität gefährdet, wenn sie zur Disposition von um (Wieder-)Wahl kämpfenden Politikern steht. Im Jahre 2004 steht die europäische Geldpolitik vor neuen Herausforderungen, jedenfalls anderen als 1999. In der Diskussion über den Entwurf einer Europäischen Verfassung wurde die Autonomie der Europäischen Zentralbank ebenso problematisiert wie die Priorität der Preisstabilität für die Geldpolitik. Es gibt politische Bemühungen, mit einer europäischen Wirtschaftsregierung ein Gegengewicht zur autonomen Europäischen Zentralbank zu schaffen. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt, das finanzpolitische Pendant zur stabilitätsorientierten Geldpolitik, soll gelockert werden, wodurch die Geldpolitik wiederum unter Druck geraten könnte. Die EU-Erweiterung zum 1. Mai 2004 wird in absehbarer Zeit eine sukzessive EWU-Erweiterung nach sich ziehen mit bislang in ihrer geldpolitischen Bedeutung nicht zuverlässig abschätzbaren zunehmenden Heterogenitäten in den finanziellen und realen Strukturen. Nach wie vor besteht großer Bedarf an zuverlässiger theoriegeleiteter, praxisrelevanter und empirisch orientierter Information über die komplexen Beziehungen innerhalb des monetären Bereichs sowie zwischen dem monetären und realen Sektor in der Europäischen Währungsunion. Diesem Informationsbedarf trägt die vorliegende vierte Auflage des innerhalb von nur fünf Jahren zum Standardwerk für Europäische Geldpolitik gewordenen Buches Rechnung. Den Autoren ist es dabei in überzeugender Weise gelungen, die einzelnen Teilbereiche der Geldpolitik zu verzahnen und die theoretischen Hintergründe klar aufzuzeigen. Die Ausführungen, die mit vielen Tabellen und Grafiken angereichert sind, stellen durchwegs konkrete Bezüge zur geldpolitischen Praxis des Eurosystems dar und tragen somit zu einem unmittelbaren Verständnis geldpolitischer Maßnahmen bei. Gerade das Zusammenspiel von Theorie, Empirie und geldpolitischer Praxis bewirkt einen hohen Verdichtungseffekt und macht die Lektüre dieses Buches für den Leser so ergiebig. Es stellt sowohl für geldpolitische Praktiker, Geldtheoretiker, Studenten als auch dem einfach an geldpolitischen Fragen Interessierten ein unverzichtbares Studien- und Nachschlagewerk dar. Ich bin sicher, dass auch diese Auflage mit ihren Analysen grundlegender Zusammenhänge und aktueller Probleme das Verständnis der europäischen Geldpolitik fördert und zugleich für politisch-ökonomische Diskussionen auf dem Feld der Geldpolitik sensibilisiert.
Über den Autor
Auszug aus Europäische Geldpolitik: Theorie - Empirie - Praxis (Uni-Taschenbücher L): Theorie - Empirie - Praxis von Egon Görgens, Karlheinz Ruckriegel, Franz Seitz. Copyright © 2008. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Im zehnten Jahr der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Euro erscheint die Europäische Geldpolitik in der 5., völlig neu bearbeiteten Auflage. Das ist ein beachtlicher Erfolg der Autoren. In didaktisch ansprechender und analytisch fundierter Form verstehen sie es, geldpolitische Grundsatzfragen kompetent zu erörtern und die einheitliche Geldpolitik der EZB mit ihren vielfältigen Facetten umfassend darzustellen. Das inzwischen zum Standardwerk avancierte Lehrbuch bietet, wie im Untertitel versprochen, eine gesunde Mischung aus Theorie, Empirie und Praxis. Dabei ist es ein besonderer Vorzug des Buches, dass die Ausführungen auch dort verständlich bleiben, wo komplexe Zusammenhänge herausgearbeitet werden. Daneben ist es vor allem der konkrete Praxisbezug, der das Buch zu einem informativen Vademekum für alle macht, die sich für die Geldpolitik in Europa interessieren.
Der Zusammenschluss von elf Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion am 1. Januar 1999 war ein historisches Ereignis. Zum ersten Mal haben sich souveräne Staaten darauf verständigt, ihre nationalen Währungen durch eine gemeinsame, einheitliche Währung - den Euro - zu ersetzen und ihre staatliche Hoheit auf dem Gebiet des Geldwesens auf eine neu gegründete, supranationale Institution - die EZB - zu übertragen. Heute ist der Euro die gemeinsame Währung von rund 320 Millionen Menschen in 15 Mitgliedstaaten der EU.
Die Wirtschafts- und Währungsunion ist ein anspruchsvolles politisches Regime mit zentralisierter, einheitlicher Geldpolitik und dezentralen, aber eng zu koordinierenden nationalen Wirtschafts- und Fiskalpolitiken. Um ihr reibungsloses Funktionieren zu gewährleisten, legen der Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaften (EG Vertrag) und die ihn ergänzenden Regelungen wie etwa der Stabilitäts- und Wachstumspakt eine klare Aufgabenverteilung zwischen den Politikbereichen fest. Die hierzu erforderlichen Institutionen, Instrumente und Verfahren sind klar formuliert.
Demnach ist es das vorrangige Mandat der EZB, Preisstabilität im Euroraum zu gewährleisten. Dieses eindeutige Mandat beruht auf der theoretisch wie empirisch wohl begründeten Überzeugung, dass Preisstabilität der beste und letztlich auch einzige Beitrag ist, den eine glaubwürdige Geldpolitik zu Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand leisten kann. Es ist daher nur konsequent, dass die EZB und die nationalen Notenbanken der am Euroraum teilnehmenden Länder (kurz das Eurosystem) mit einem hohen Grad an Unabhängigkeit von politischem Einfluss ausgestattet sind. Wie die Geschichte lehrt, ist eine solche "Entpolitisierung" von Zentralbank und Geldpolitik, eine zentrale Voraussetzung für dauerhafte Preisstabilität.
Was ist nun "europäisch" an der europäischen Geldpolitik? Europäisch ist ganz offensichtlich der institutionelle Rahmen, innerhalb dessen die Geldpolitik operiert, nämlich die Asymmetrie zwischen einheitlicher Notenbank und derzeit 15 nationalen Regierungen. Europäisch sind aber vor allem das schon angesprochene eindeutige Mandat und die von der EZB entwickelte geldpolitische Strategie mit ihrer einzigartigen Zwei-Säulen-Struktur. Zwei Säulen deshalb, weil die Beurteilung der künftigen Preisentwicklung im Euroraum auf einem kombinierten Ansatz aus wirtschaftlicher und monetärer Analyse basiert. Dabei spielt die monetäre Analyse eine hervorgehobene Rolle, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass mittel- bis langfristig ein enger Zusammenhang zwischen Geldmengenwachstum und Inflation besteht. Dadurch wird die mittelfristige Orientierung der Geldpolitik sichergestellt. Mit ihrer Strategiewahl hat die EZB nicht nur an den Erfahrungen und Erfolgen der in der Vergangenheit erfolgreichsten Zentralbanken der teilnehmenden Länder des Euroraums angeknüpft, sondern auch den Besonderheiten in Europa Rechnung getragen.
Inzwischen sind der Euro und die EZB fest etabliert. Mit einer Preissteigerungsrate von knapp über 2% im Jahresdurchschnitt können wir auf ein Jahrzehnt weitgehend stabiler Preise zurückblicken. Auch ist es der EZB gelungen, die langfristigen Inflationserwartungen im Einklang mit ihrem Ziel auf einem Niveau von unter, aber nahe bei 2% fest zu verankern. Ein solcher Erfolg wurde von zahlreichen Kritikern der Währungsunion für nicht erreichbar gehalten. Aber auch auf den internationalen Finanzmärkten genießt der Euro hohe Wertschätzung.
Allerdings war der Erfolg des Euro kein Selbstläufer, waren die ersten Jahre der Währungsunion alles andere als eine Schönwetterperiode. Im Gegenteil: Von Anfang an war die EZB mit einer Reihe widriger makroökonomischer Entwicklungen konfrontiert, die außerhalb des Einflussbereichs der Geldpolitik lagen. Hierzu zählen vor allem die weltweite Korrektur auf den Aktienmärkten und die Terroranschläge im Jahr 2001 sowie der nahezu kontinuierliche Ölpreisanstieg und die schwache Produktivitätsentwicklung im Euroraum.
Große Herausforderungen bleiben aber auch für die Zukunft. So gibt es etwa immer wieder Bestrebungen, die EZB durch eine ex ante Koordinierung zwischen einheitlicher Geldpolitik und nationalen Wirtschafts- und Fiskalpolitiken in andere Politikbereiche einzubinden und dadurch ihre Unabhängigkeit zu unterminieren. Der Erfolg der Währungsunion hängt aber entscheidend davon ab, dass die Geldpolitik der EZB durch adäquate Fiskal- und Wirtschaftspolitiken flankiert wird. Hier besteht angesichts der unterschiedlichen Anpassungskapazität der Wirtschaft in den einzelnen Ländern der Währungsunion noch erheblicher Handlungsbedarf. Gleiches gilt auch für diejenigen Länder, die in Zukunft dem Euroraum beitreten wollen. Eine solche Erweiterung setzt aber einen hohen Grad an wirtschaftlicher Konvergenz voraus, deren Nachhaltigkeit anhand der Konvergenzkriterien strikt zu prüfen ist.
Im März 2008, Prof. Dr. Jürgen Stark
Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank