Nach dem Meisterwerk "Eureka Seven" warteten viele Fans lange auf eine Fortsetzung. 2009 war es dann endlich so weit und der Eureka Seven-Film lief in japanischen Kinos an. Statt um eine Fortsetzung handelte es sich hier aber um eine alternative, alleinstehende Geschichte mit Charakteren und wiederverwendeten, verfremdeten Szenen aus der Serie. Kann so eine Art von Film der Serie überhaupt gerecht werden? Das kommt ganz darauf an, worauf man bei der Serie den größten Wert gelegt hat. Noch mehr kommt es allerdings darauf an, ob man sich von den Charakteren aus der Serie trennen und zumindest für die Dauer des Films akzeptieren kann, dass sie hier eine ganz andere, von der Serie unabhängige Rolle einnehmen. Lässt man sich darauf ein, so bekommt man hier einen mehr als sehenswerten Film serviert, andernfalls wird man an ihm wohl keine Freude haben.
Der Film beginnt mit einem Rückblick Rentons. Der Rückblick legt einem die Vergangenheit von Eureka und Renton näher, die als Kinder in Warschau von ihrem Lehrer Dominic aufgezogen wurden. Dieser erzählt ihnen von der so genannten Mondblume, die der Sage nach Wünsche erfüllen kann. Ausgerechnet diese magische Blume wächst auf einem Hügel ganz in ihrer Nähe. Als sie sich jedoch alle um sie versammeln und sich etwas wünschen, verwelkt die Blume. Auf Wunsch von Dominic versprechen Renton und Eureka ihm daraufhin, diesen Hügel und die Mondblume von nun an für immer zu beschützen. Das Schicksal nimmt jedoch seinen Lauf und Dominic verstirbt kurze Zeit später. Zu allem Übel wird daraufhin auch noch Eureka vom Militär entführt, während der vor Angst gelähmte Renton nur zuschauen kann. Gezeichnet von diesen Ereignissen tritt er selbst ins Militär ein, mit der Hoffnung, Eureka eines Tages retten zu können. Nach einer besonders erfolgreichen Laufbahn landet er schließlich bei der Gekko, einer nach außen hin dem Militär treu untergebenen Truppe, die insgeheim aber ihre eigenen Ziele verfolgt. Neben der Geschichte um Renton spielen im Film auch noch die so genannten Image eine Rolle. Diese stellen eine außerirdische Rasse dar, die die Menschheit für immer zu vernichten droht und deshalb seit vielen Jahrzehnten vom Militär bekämpft wird.
Auf dem ersten Blick scheint der Film diverse Story-Parallelen zur Serie aufzuweisen. So spielt das Militär wieder eine große Rolle, es gibt wieder einen gemeinsamen Feind einer außerirdischen Rasse, die Gekko scheint eine ähnliche Rolle, wie in der Serie, einzunehmen und es gibt auch wieder diverse Mecha-Fights. Gerade in der ersten Hälfte des Films ist dieser Eindruck, insbesondere durch die wiederverwendeten Szenen, besonders prägend. Je länger man den Film jedoch verfolgt, desto mehr trennt sich sein Handlungsstrang von dem der Serie und desto mehr unterscheiden sich auch die einzelnen Charaktere von ihren jeweiligen Gegenstücken. So bekommen die Gekko-Mitglieder im Film beispielsweise auch mal die Rolle von Gegenspielern zugeteilt und sind von internem Misstrauen geprägt. Durch diese Entwicklungen erhält der Film ganz neue Qualitäten und wird für Fans damit umso spannender, da nicht dieselbe Kost zweimal verdaut werden muss. Wie gesagt aber auch nur, wenn man sich auf diese alternative Handlung einlässt.
Als ich damals die Serie geschaut habe, gefielen mir an ihr drei Dinge besonders gut:
1) Die dramatischen Liebesgeschichten
2) Die Charakterentwicklung
3) Die philosophischen Aspekte
Selbstverständlich habe ich mir deshalb vom Film auch genau diese Punkte wieder gewünscht. Ob bzw. inwiefern meine Erwartungen erfüllt worden sind, lege ich im Folgenden dar.
Bezüglich 1) wurden meine Erwartungen größtenteils erfüllt. Der Liebesgeschichte von Renton und Eureka wurde wieder sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt und sie erlebt wieder sehr viel Drama, Kitsch und einige Glücksmomente. Durch die Kürze des Films bedingt fällt sie allerdings nicht ganz so ausführlich aus, wie in der Serie. Dies trifft die anderen Liebesgeschichten leider umso härter. Die Liebesgeschichte von Holland und Talho spielt nur ganz am Ende des Films eine größere Rolle und die Liebesgeschichte von Anemone und Dominic wird gar nur einmal kurz angedeutet. Dies ist allerdings auch verständlich, denn in der Kürze des Films blieb nichts anderes übrig, als sich auf die wichtigste der drei Liebesgeschichten zu konzentrieren, nämlich die von Renton und Eureka. Spätestens, wenn sie dann vereint sind, ist sowieso alles drumherum vergessen und man erlebt dieselben Glücksgefühle, wie in der Serie.
Bezüglich 2) muss ich sagen, dass meine Erwartungen hier nur teilweise erfüllt wurden. Hieran ist wieder die Kürze des Films Schuld. In knapp zwei Stunden Film lässt sich einfach nicht ganz so viel Charakterentwicklung hineinpressen, wie in über sechzehn Stunden Serie. Dafür hat im Film aber wieder jeder Charakter seinen ganz eigenen und dramatischen Hintergrund. Das Schicksal von Renton interessiert einen genau so sehr, wie das von Eureka oder das der Gekko-Mitglieder. Durch die jeweiligen Hintergründe entwickelt man auch Sympathie für die Charaktere und kann ihre Handlungen voll und ganz nachvollziehen. Diese Charaktertiefe gleicht die fehlende Charakterentwicklung wieder aus.
Bezüglich 3) wurden meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen. Anders als bei 1) und 2) wirkte sich in dieser Hinsicht die Kürze des Films sogar positiv auf ihn aus. Während in der Serie die meiste Zeit über eine reale Welt dargestellt wurde und philosophische Aspekte erst zum Ende hin überhaupt eine größere Rolle spielten, nehmen sie hier mindestens die zweite Hälfte des Films komplett ein. Ob es um das Verwirklichen von Träumen, das Erfüllen von Wünschen, das Erschaffen von Legenden oder das Verändern der Welt geht: All diese Aspekte spielen im Film eine große Rolle und dürften jeden zufriedenstellen, der auf Philosophie einen eben so großen Wert legen, wie ich.
Wonach man in diesem Film, genau wie in der Serie, vergeblich sucht, sind lange und ausgeprägte Mecha-Fights, denn ähnlich wie in der Serie erfüllen die Kämpfe hier nur den Zweck, die Story, die den eigentlichen Fokus des Films ausmacht, voranzutreiben. Wer also, wie ich, mit Mecha so rein gar nichts anfangen kann, braucht sich auch vor diesem Film nicht zu fürchten.
Nun ein paar obligatorische Worte zu Animation und Soundtrack. Die Animationen sind, selbst für 2009, sicherlich nicht das Maß aller Dinge, dennoch ist der Film durch viele bunte Lichteffekte und Farben durchaus eine Freude für die Augen. Ein besonderer Leckerbissen ist es hier, Eureka mit langen Haaren zu erleben. Der Soundtrack ist hingegen wieder absolut spitzenmäßig und wird dem Soundtrack der Serie vollkommen gerecht. Sowohl einige altbekannte, als auch viele neue Themes sind zu hören und unterstreichen die Stimmung des Films perfekt. Besonders das Ending Theme "Space Rock" von iLL bleibt einem noch lange im Kopf.
Jetzt möchte ich auf die deutsche Synchro eingehen, die am 24.06.2011 mit der DVD hierzulande erschien. Als Fan von Eureka Seven und von deutschen Dubs musste ich mir die DVD natürlich sofort vorbestellen. Angesichts der Tatsache, dass der Film, anders als die Serie, in Deutschland von Kaze und nicht von Beez lizensiert wurde, war bereits mit einigen Änderungen zu rechnen. So haben auch viele Charaktere einen neuen Synchronsprecher verpasst bekommen. Glücklicherweise haben aber zumindest die wichtigsten Charaktere, darunter Renton, Eureka und Holland, ihre alten Stimmen behalten und selbst die neuen Synchronsprecher machen ihre Arbeit größtenteils gut und passen zu ihren Charakteren. Sehr störend ist es allerdings, dass die Übersetzung vieler Namen und Begriffe sich im Vergleich zur Serie stark verändert hat. So wurde aus Talho beispielsweise Taruho (mit stark betontem U), aus Gidget wurde Gijetto, aus Mathieu wurde Matthew (mit englischer Aussprache) und aus der Devilfish wurde der Teufelsfisch. Auch kann ich die Aussprache des Wortes "Image" nicht nachvollziehen. Statt englisch wird dieses nämlich französisch und somit als "Imaasch" ausgesprochen.
Trotz dieser Mängel empfehle ich aber jedem, die deutsche statt der japanischen Version zu schauen. Wieso? Aus einem ganz einfachen Grund: Der Film erzählt eine Menge Story in sehr kurzer Zeit. Auf Japanisch fällt es einfach verdammt schwer, der Handlung des Films zu folgen, was mit der deutschen Synchro wesentlich erleichtert wird. Da sie im Gesamtbild immer noch durchaus gelungen ist, sollte man hier, zugunsten des Verständnisses der Story, ruhig mal auf die japanische Synchro verzichten und stattdessen zur deutschen greifen. Mir jedenfalls hat es sehr geholfen.
Zu guter Letzt noch ein paar Worte zur DVD an sich. Nach besonders vielen Extras sucht man auf ihr vergeblich. Das ist, meiner Meinung nach, auch nicht weiter schlimm, denn der Fokus bei einer DVD liegt immer noch ganz klar auf dem Film selbst. Der ist zum Glück, wie es sich gehört, mit deutscher und japanischer Tonspur (jeweils in 2.0 und 5.1), sowie deutschen Untertiteln ausgestattet. Einen kleinen Punkt abziehen muss ich lediglich für die auf der DVD enthaltenen Anime-Trailer. Wenn man schon Trailer auf eine DVD packt, sollten diese auch aufschlussreich sein.
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