Der Hype um das Debut vor drei Jahren ist ein wenig an mir vorrübergezogen. Was mir damals fehlte, neben der natürlich equisiten Produktion und dem klasse Sound irgendwo zwischen U2 und Jesus and Mary Chain waren einfach die brillianten Songs, die im Ohr, in den Beinen und vor allen im Herzen hängen blieben.
Vielleicht bin ich deshalb um so mehr hingerissen von 'Euphoric / Heartbreak'. Angeführt von der britischen Produzentenlegende Flood zeigt das zweite Album ein anderes, abwechselungsreicheres Gesicht als das Debut. Der energetische Gitarrensound wird kanalisiert, mit vielen elektronischen Spielereien und Synthesizern unterlegt und so zu einem bombastischen Wall-of-Sound, der stark in Richtung Dreampop geht. Die dahinterstehende Ambition wird ein kleiner musikalischer Schock sein für diejenigen Fans, die sich gewünscht haben, dass die selbst benannten "working class heroes" beim Sound ihres ersten Albums bleiben. War das Debut noch erdverbunden, mit dem Kopf nur manchmal in den Wolken, ist 'Euphoric / Heartbreak' defintiv ein Blick in die Sterne.
Die Highlights wirken wie im Vorbeigehen aus dem Ärmel geschüttelt. SHINE LIKE STARS ist eine melodiöser Synth-Rock Song, der auch den Killers gut stehen würde. Ähnliche aufgebaut - und brilliant - ist WHATEVER HURTS YOU THROUGH THE NIGHT. I FEEL WRONG ist Musik gewordener Herzschmerz in Zeitlupe. Die Melodien von THE WORLD IS YOURS und DREAM DREAM DREAMING klasse und eingängig, genau solche Songs werden im bevorstehenden Festival Sommer die Hände in die Höhe treiben.
Absolut überzeugend. Aber bitte, Fans der ersten Stunde sollten auf jeden Fall vorab hineinhören, um sie diesen Schwenk mitvollziehen können und wollen. Lohnen tut es sich.