Ich war bestürzt, dass ich der erste sein sollte, der zu diesem Buch eine Rezension schreibt. Das kann doch nicht sein! Das Buch war und ist ein Politikum; das Buch ist provozierend (zumindest für die Horde Irrer, die das Universum (und Rom) regiert); das Buch ist polarisierend; das Buch ist hochaktuell. Schon die ersten zehn Seiten reichen aus, um aus der christlichen Kirche auszutreten. Wenn man gewohnt ist zu denken, dann weiß man ja, dass die Kirche eine Machtorganisation ist; dass sie aber so offensichtlichg auf die Dummheit der Massen setzt, ist auch für mich immer wieder erschreckend. Ok, ein erstes Ergebnis des Buches: Die Masse ist eine Herde Schafe. Wenn man dann aber aufmerksam rein liest, dann bemerkt man bei all dem Sexualpessimismus erfreutliche optiimistische Impulse. Wenn Frau Prof. Ranke-Heinemann von Philosophen berichtet, die alle die "Massen" verdammen, die beim Beischlaf mit der eigenen Frau Lust empfinden, ... dann muss es erfreulicherweise Massen gegeben haben, über die sich lohnt so zu schreiben. Gut! Blöd für die Einzelnen, die offenbar die Zeit ihrer Enthaltsamkeit benutzt haben, Pamphlete in die Welt zu setzen.
Das Buch ist nicht leicht zu lesen. Es gehört ein gerüttelt Maß an Interesse an Geschichte und Kirche dazu, dabei zu bleiben. Es ist Arbeit. Auf der anderen Seite schreibt Uta Ranke-Heinemann so klar provozierend, dass es anfängt Spaß zu machen. Eine unendliche Fülle an Geschichte. Eine unendliche Fülle an Zusammenhängen. Eine unendliche Fülle an Interpretationen. Ich kann Uta Ranke-Heinemann nur unendlich bewundern, dass sie es immer noch in diesem Rudel Irrer aushält. Das Buch wird Sie zum Nachdenken bringen; und möglicherweise zu einer Entscheidung.
Nachtrag: Man ist zuerst interesseirt, dann erstaunt, dann bestürzt, dann verärgert, dann wütend, dann fassungslos, schließlich nur noch froh am Ende zu sein - um endlich aus der Kirche auszutreten. Mann weiss, dass auch hier die Antwort "42" lautet.