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Etwas Kleines gut versiegeln [Gebundene Ausgabe]

Svealena Kutschke
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 294 Seiten
  • Verlag: Wallstein; Auflage: EA, (27. Februar 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3835304798
  • ISBN-13: 978-3835304796
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 13 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 223.498 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Svealena Kutschke
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Das Beste an dem Roman ist Svealena Kutschkes frische, farbige Sprache. Sie hat großen Mut zu originellen, mutwillig windschief gehaltenen Bildern. Mal sind sie betont lakonisch - wenn Lisa auf einem Friedhof kräftige Züge aus der Weinflasche nimmt, spürt sie: »Der Zwischenraum zwischen mir und dem Tag wurde immer größer.« Mal sind sie betont poetisch - wenn Lisa mit einem Begleiter einen Joint teilt, resümiert sie: »Gemeinsam träumten wir von einem Mond, der nie unterging, von Zigaretten, lang wie die Milchstraße, von Drinks, tief und unendlich, von Liedern mit Harmonien wie ein Kometenschweif.« Zudem hat Svealena Kutschke ein Ohr für Dialoge zwischen Leuten, die alles dafür geben, cool zu wirken, für die aber schon der erst morgendliche Schritt aus dem Bett einem Hochseilakt über schwindelnde Abgründe gleichkommt.« (Uwe Wittstock, Die Welt, 11.4.2009) »Es ist eben dieses Ungebremste, das Kutschkes Art zu schreiben so unmittelbar macht. Sie spielt mit der Sprache wie mit ihren Protagonisten. Sie lässt ihnen die Freiheit, sich in kindlich-magischen Trieben zu verlieren. Zum Beispiel versucht Lisa, einen schönen Fremden mit einer Lakritzbonbon-Spur zu sich nach Hause zu locken. Es ist nicht nur Kutschkes Haarschnitt, der einen ein wenig an Jean-Pierre Jeunets Amélie erinnert. Also: Willkommen in der fabelhaft verrückten Welt der Svealena.« (Nina Berendonk, Süddeutsche Zeitung, 25.3.2009)

Jan Drees, WDR 1live, 20.3.2009

»Etwas Kleines gut versiegeln« ist ein Debüt, in dem alles blinkt und blitzt und schimmert und knallt.

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Kundenrezensionen

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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sodom und Gomorrha 23. Februar 2011
Format:Gebundene Ausgabe
"Sodom und Gomorrha" oder Der Untergang des Abendlandes hätte man dieses abseitige Werk der jungen deutschen Schriftstellerin Svealena Kutschke auch nennen können. Angeregt durch eine Veranstaltung mit der Autorin, in deren Verlauf sie erkennen ließ, dass sie zu ähnlichem Suchtverhalten neigt wie ihre Protagonistin in diesem Buch, denn Frau Kutschke steht ständig unter Fluppenzwang, stürzte ich mich mit einer gewissen Vorfreude in die Lektüre des Romans. Denn der Einstieg, den ich von der Lesung kannte, ist nicht schlecht: Eine junge Frau, Lisa, die einen Freund, B, unter Umständen verloren hat, die sich im Lauf der Handlung klären, braucht dringend einen Tapetenwechsel. Sie steigt in den nächsten Flieger nach Sydney, wo sie eines Tages auf der Straße ein Foto von sich selbst findet. Sie kann sich jedoch nicht erklären, wie dieses Foto (zu einem Zeitpunkt, da sie noch gar nicht in Australien war) entstanden sein könnte.

Darin erschöpft sich dann allerdings auch schon die Originalität des Stoffes, den sich die Nachwuchsautorin (Preisträgerin des Berliner "Open Mike") ausgedacht hat. Vor allem geht es ihr nämlich um ausufernde, die Handlung an sich kaum nennenswert voranbringende Schilderungen des pathologisch-perversen Lebensstils einer Gruppe von künstlerisch ambitionierten Libertins, in die es Lisa in Sydney verschlägt: Marc, bei dem sie unterkommt, ist der homosexuelle Ex-Freund ihres Bruders Elias; von seinen zwei Freunden Ben und Nick neigt der eine zu sadistischen Sex-Exzessen, der andere, in den sich Lisa verliebt, offenbar weil er noch der normalste von allen ist, zu verschrobenen Kunst-Projekten. Nick zieht sich zwar mit ihr zusammen aus, aber Sex hat sie dann doch mit Ben, von dessen animalischer Gier sie sich angezogen fühlt. Schließlich lässt sie sich auch noch von einer perversen Frau namens Charly küssen und begrapschen. Liebe ist nicht im Spiel. Wer das nicht widerlich findet, muss schon hartgesotten sein.

Schließlich führen die Recherchen Lisas und ihrer Freunde, die klären sollen, wie es zu dem ominösen Foto kam, zu der transsexuellen Mora, womit sich der Kreis schließt: Auch B litt an dieser seelischen Störung, bei der sich ein Mensch in seinem Geschlecht nicht heimisch fühlt. Und damit ist dann auch klar: Normal ist hier keiner. Und: Svealena Kutschke ist offenbar eine Parteigängerin der grotesken Gender-Theorie, jener fixen Idee, mit der uns Prediger der Postmoderne glauben lassen möchten, dass sich das Geschlecht eines Menschen nicht an Chromosomen ablesen lässt, sondern von selbstbestimmten Menschen selbst bestimmt wird, was auf jeden, der seinen Verstand nicht an der Wache der politischen Korrektheit abgegeben hat, etwa so überzeugend wirkt, als würde man auf eine Banane das Schild "Apfel" kleben und erklären, dass das ja nun mal gar keine Banane sein könne, weil da ja dieses Schild drauf stehe. Denn was sollen sonst all diese kranken Gestalten? Sympathie mit der Gender-Theorie, in einer milderen Form allemal aber mit dem Postulat der Umwertung von Mann-Frau-Rollenmustern ist in Künstler-Kreisen weit verbreitet. Die Filme von Pedro Almodóvar handeln fast nur davon. Die Buchpreisträgerin Katrin Schmidt machte einen Transsexuellen zur zweiten Hauptfigur ihres Romans Du stirbst nicht und Doris Dörries Film Kirschblüten - Hanami zeigt, wie sich ein Ur-Bayer Schritt für Schritt in ein androgynes Wesen verwandelt. Beängstigend häufig gibt es für so was dann auch noch immer Preise von linksintellektuell durchseuchten Jurys.

Aber selbst wenn man diesen fragwürdigen ideologischen (und ja von mir auch nur unterstellten) Überbau mal außer Acht lässt, bleibt festzuhalten: Die Geschichte, die uns Svealena Kutschke hier erzählt, taugt wenig. Viel zu schleppend kommt Lisa dem Geheimnis auf die Spur, ständig tritt die Handlung auf der Stelle bzw. versinkt in einem dunklen Sumpf aus Sex und Drogen. Sprachlich indes weiß der Roman zu überzeugen - durch witzige Wortkombinationen und originelle Sprachspielereien. Schade, dass sie im Dienst einer Geschichte stehen, die keinerlei kritische Distanz zu der sonderbaren Sodom-und-Gomorrha-Subkultur aus Perversen und Drogenkranken erkennen lässt, vor deren Kulissen sie spielt.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Der neue Roman der Berlinerin Svealana Kutschke "Etwas Kleines gut versiegeln" ist die Geschichte einer Suche. Der Suche nach Identität, der Suche nach den Spuren der eigenen Biographie.

Es geht um die junge Lisa. Lange hat sie mit ihrem Bruder B. zusammengelebt, einem Mann, den sie geliebt hat, obgleich dieser viel lieber eine Frau gewesen wäre. Als B. stirbt, fällt Lisa in ein tiefes psychisches und existentielles Loch, aus dem sie sich nur dadurch zu befreien glaubt, indem sie an das andere Ende der Welt flüchtet. Sie fliegt nach Australien, wo sie bei einem Mann namens Marc unterkommt, einem früheren Geliebten ihres Bruders. Er nimmt sie gerne auf, ist ein umkomplizierter Mensch und kann mit dem ungewöhnlichen Leben, das Lisa nun in Sydney führt, umgehen.

Sie will vergessen, verhindern, dass die Narben an ihrem Herzen wieder aufbrechen. Sie tut das, indem sie sich in das Nachtleben Sydneys stürzt und die Stadt atemlos regelrecht in sich einsaugt.

Immer hat sie Sudden Smith dabei, eine kleine Holzfigur, mit der sie endlose und tiefsinnige existentielle Gespräche führt. Mit Sudden Smith diskutiert sie Fragen und Themen, die Miranda July in ihren Büchern, die Lisa liebt, gestellt hat und die das Künstlerpaar Fischli & Weiss immer wieder thematisieren.

Eines Tages findet Lisa auf der Straße in Sydney ein Bild, das sie selbst zeigt an einem Ort, den sie nicht kennt. Als sie nach schier endloser Suche zusammen mit Marc diesen Ort endlich findet, begegnen sie Mora, einer Frau, die unter ihrem dicken Make-Up einen Mann versteckt. Klar, dass sofort die Erinnerung an B. hochkommt, der auch eine Frau sein wollte.

Marc, Mora und Lisa unternehmen nun eine Reise durch die Wüste, was die Autorin auch als Metapher verstanden wissen will, wie ich jedenfalls vermute.

Die Erfahrungen, die sie dort machen miteinander und mit sich selbst, die Grenzen, die sich dort verwischen, sind das Hauptthema dieses Buches, dem es allerdings nicht gelungen ist, mich an irgendeiner Stelle wirklich anzusprechen. Es ist mir fremd geblieben. Was wohl an seiner Thematik lag.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Dr. M.
Format:Gebundene Ausgabe
Svealena Kutschke ist mir seit einer gemeinsamen Veranstaltung an meiner Universität im Jahre 2010 persönlich bekannt. Sie ist eine sensible, bescheiden auftretende, auffällig zu Schwarztönen neigende und ohne Zweifel ziemlich begabte Fabulierkünstlerin und ich hoffe, falls sie das hier irgendwann zufällig liest, nimmt sie mir nicht krumm, dass ich mit ihrem Werk einfach überhaupt nichts anfangen konnte. Es beginnt schon mit dem sinnlosen Titel (einem Auszug aus einem der Elfchen, die die Protagonistin gern gemeinsam mit ihrem Bruder dichtet) und dem sagenhaft dämlichen Titelbild. Immerhin spielt die Geschichte in Australien, dem Kontinent der exotischen Postkartenmotive - alle vom Verlag ignoriert zugunsten von Fischen an der Wäscheleine, die mit der Handlung nun wirklich nichts zu tun haben, es sei denn, damit soll die halluzinogene Wirkung bestimmter Drogen visualisiert werden.

Damit sind wir beim zweiten Problem: Die Hauptfiguren dieses Buches sprechen Zigaretten, Wein, Kokain und Hasch in einem Maße zu, dass es einfach nicht mehr schön ist. Und Kutschke lässt eigentlich erschreckend wenig kritische Distanz zu diesem morbiden Milieu erkennen, sie nähert sich ihm durch häufiges Abdriften in Gossenjargon ("Die Luft stand so dicht zwischen den Häusern, dass ich die Hundepisse in den Gassen roch" ist noch ein harmloses Beispiel) vielmehr so stark an, dass von einem "schöngeistigen" Werk wahrlich nicht mehr die Rede sein kann. Denn ein Schöngeist interessiert sich auch dann nicht für Hundepisse, wenn es irgendwo nach ihr riecht. Mich hat dieser vulgäre Gestus jedenfalls gewaltig abgestoßen. Ein weiterer thematischer Schwerpunkt ist eine Promiskuität, bei der nicht nur die Identität des Partners, sondern auch sein Geschlecht eine zu vernachlässigende Rolle spielt: ganz schön abgründig. Natürlich wandert so was heute nicht mehr auf den Index für jugendgefährdende Schriften, aber gestört hätte es mich ehrlich gesagt auch nicht. Ich hätte wenigstens vor der Lektüre gewusst, was mich erwartet:

Nachdem sie ihren Freund B auf tragische Weise verloren hat, reist die Ich-Erzählerin Lisa nach Sydney, wo sie insgesamt elf Monate verbringt. Über diese elf Monate erstreckt sich die Handlung des Buches. Lisa arbeitet aushilfsweise als Kellnerin und wohnt bei Marc, dem Ex-Freund ihres homosexuellen Bruders Elias. Sie lernt dessen Freunde Nick und Ben kennen. Marc und Nick trauern wie Lisa verflossenen Lieben hinterher. Zu Nick, einem exzentrischen Künstler, der in seinem "Danger-Museum" mobile Ausstellungen veranstaltet, fühlt sie sich hingezogen, aber für eine neue Beziehung ist er nicht bereit. Mit Ben, der sich als perverser Wüstling entpuppt, hat sie eine exzessive Sex-Affäre. Eines Tages findet Lisa auf der Straße ein Schwarzweißfoto, das eine Doppelgängerin von ihr in einer Milchbar zeigt. Sie glaubt sogar, es handle sich um sie selbst. Aber zum Zeitpunkt der Aufnahme war sie gar nicht in Australien. Nick gelingt es, die Bar zu finden. Lisa trifft den Tätowierer Mora, in dessen Geschichte mit Lucy, ihrer Doppelgängerin, sich Lisas Geschichte mit B, die der Roman in zwischengeschalteten Rückblenden etappenweise enthüllt, auf geheimnisvolle Weise doppelt. Denn wie B ist Mora ein Mann, der eine Frau sein möchte. Schließlich begeben sich Lisa, Mora und Marc auf eine Reise in die australische Wüste (Alice Springs, Ayers Rock). Im Anschluss daran trennen sich ihre Wege: Elias trifft ein, Marc und Nick können ihre zerbrochenen Beziehungen kitten und die Ankunft ihres Bruders wird für Lisa zum Anlass, Sydney hinter sich zu lassen.

Der Roman spielt überwiegend vor der (absolut austauschbaren) Kulisse Sydneys und die einzige Überraschung darin ist die, dass es keine gibt: Das vermeintliche Mysterium um die doppelte Lisa, aus der sich immerhin etwas Spannendes hätte machen lassen, erweist sich als grandiose Luftnummer. Wie das rätselhafte Bild entstand und warum Lucy aussieht wie Lisas Zwillingsschwester, bleibt so ungeklärt wie so vieles andere in diesem Buch. (Wie funktioniert eigentlich ein "Sudden Smith"?) Ein kurzes Telefonat zwischen Lucy und Lisa gibt mehr Rätsel auf, als es löst. Ich habe ja kein Agatha-Christie-Finale erwartet, aber wenn ein Autor so ein Riesenfass aufmacht, es dann aber einfach offen in der Gegend herumstehen lässt, hat das für mich etwas von nicht eingelöstem Versprechen, insbesondere wenn ich mich ersatzweise mit der Welt von Trans- und Homosexuellen auseinander setzen muss, einer Welt, die mich tatsächlich nicht mehr anzieht als stinkende Fische an der Wäscheleine. Irritierend fand ich auch die sprunghafte, unepische Erzählweise und den Mangel an Lokalkolorit: Erst bei der Schilderung des Ausflugs in das Hinterland kommt überhaupt ein Gefühl für Land und Leute auf. Sydney-Flair vermittelt der Roman dagegen überhaupt nicht.

Was einzig für den Roman einnimmt - und wenn mich die Geschichte nicht so enttäuscht hätte, wäre das auch noch einen Stern wert gewesen -, ist die ingeniöse, experimentierfreudige, auf schöpferische Weise witzige und geistreiche Sprache, mit der die Ich-Erzählerin Lisa vor allem sich selbst immer wieder ironisch betrachtet und begutachtet. Großartig die Schilderung der Großmutter, die auf einen Telefonanruf reagiert wie auf einen Besuch an der Haustür und sich so lange schick macht, bis der Anrufer aufgibt.

Doch die schönste Verpackung nützt nichts, wenn der Inhalt nicht überzeugt oder sogar, wie in diesem Fall, wegen der unkritischen Nähe zu anrüchigen Milieus für Naserümpfen sorgt. Ich würde in Anbetracht der vielen "Joints" und Kokain-Linien, die in dem Roman geraucht und geschnupft werden, als wäre es das Natürlichste von der Welt, jedenfalls nicht wagen, die Autorin für die Kampagne "Keine Macht den Drogen" gewinnen zu wollen.

Für Freunde von Axolotl Roadkill und Treffen sich zwei.
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