Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Uneingeschränkte Empfehlung, 26. November 2006
Die aktuelle Situation der Soziologie in Deutschland ist im Grunde beschämend. Immer noch lesen sich viele Publikationen so, als hätte sich die Soziologie in den letzten Jahrzehnten überhaupt nicht weiterentwickelt. Wie in vielen anderen Wissenschaftsfeldern hinken wir leider auch hier den USA hinterher. Wenn beispielsweise über ethnische Kolonien gesprochen wird, dann meist aus einer Außensicht heraus, die der deutschen Soziologie so eigen ist.
Immer noch gibt es kaum einen Soziologen in Deutschland, der sich die Mühe macht, sich Zugang zu ethnischen Kolonien zu verschaffen, der nötig ist, um fundierte Ergebnisse liefern zu können. So müssen wir immer wieder Publikationen lesen, von Soziologen, die über Communities sprechen, die sie nicht kennen und deswegen auch nicht verstehen können.
Auf der anderen Seite müssen wir uns gerade in der Soziologie und auf dem Feld der Integrationsforschung mit so genannten "Islamkritikern" herumschlagen, die offensichtlich gar kein Interesse an einer differenzierten Darstellung haben. In Ermangelung anderer "Insider" wird ihnen praktisch blind vertraut. Leider sprechen sie das aus, was so viele so gerne hören möchten und erhalten eine Öffentlichkeit, die zumindest aus ihrer Arbeit selten gerechtfertigt ist. Nur müssen wir uns über eins im Klaren sein: Diese "Islamkritiker" haben eine eigene Agenda, sie lösen unsere Probleme in Deutschland nicht. Das allerdings ist es, was wir dringend benötigen: Problemlösungen.
Genau das leistet hier Rauf Ceylan mit seiner Dissertation. Als Sohn türkischsprachiger Kurden hat er den Zugang, der anderen fehlt und er nutzt ihn sinnvoll. Im Stile von William Foote Whyte (Street Corner Society) vorgehend, liefert er mittels qualitativer Sozialforschung ein Bild der ethnischen Kolonie, das bisher ganz einfach gefehlt hat. Hier wird deutlich, wie komplex die Situation ist, wo sich Möglichkeiten, aber auch Gefahren ergeben könnten. Die Arbeit bietet sozusagen die Grundlage, auf der nun weitere Forschung aufgebaut werden muss. Es ist traurig, dass es so lange gedauert hat, aber nun ist es wichtig, die dargelegten Probleme möglichst intensiv anzugehen.
Ceylan untersucht Moscheen und Cafés im Duisburger Stadtteil Hochfeld, Ausländeranteil: 40%. Der Stadtteil steht exemplarisch für ethnischen Kolonien, die es so oder ähnlich wohl in nahezu jeder Großstadt in Deutschland gibt. Er stellt heraus, welchen Einfluss diese Einrichtungen auf den Stadtteil haben und wie sie selbst durch ihn beeinflusst werden. So haben beide Einrichtungen seit den 70ern enorme Wandlungen durchgemacht, die bisher so gut wie gar nicht bekannt waren.
Weiterhin zeigt Ceylan Möglichkeiten auf, um die Potentiale, die der ethnische Kolonien innewohnen zu nutzen, anstatt sie zu verkennen. Im Spiegel der hier zusammengetragenen Erkenntnisse wird deutlich, welch enormer Schaden angerichtet wird, wenn Politiker weltfremd von Deutschpflicht in Moscheen sprechen und meinen, damit etwas für die Integration leisten zu können.
Jahrelang wurde seitens der Regierung einfach geleugnet, was Tatsache ist: Deutschland ist ein Einwanderungsland. Diese irrationale Leugnung hat der Integrationspolitik erheblichen Schaden zugefügt, der sich in den ethnischen Kolonie manifestiert. Ceylan ist es zu verdanken, dass in der Migrations- und Integrationsforschung endlich eine bedeutende Lücke geschlossen wurde und nun belastbares Material existiert, auf das sich auch die Politik bei weiteren Maßnahmen stützen kann. Bei den weiterhin vorhandenen großen Defiziten in diesem Bereich bleibt zu hoffen, dass Ceylan der Forschung auf diesem Gebiet treu bleibt.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Spannende Studie, 24. Dezember 2006
Die Arbeit von Dr. Rauf Ceylan über sogenannte "Ethnische Kolonien" ist von hoher wissenschaftlicher Relevanz und integrations- wie stadtpolitischer Aktualität. Das haben die jüngsten Ausschreitungen in den französischen banlieux bewiesen. Leider ist der empirische Erkenntnisstand über das Innenleben türkischer Wohngebiete in Deutschland erschreckend gering. Insofern schließt Ceylan mit diesem Buch eine Forschungslücke. Der Autor untersucht türkische Moscheen und Cafés in einem Duisburger Stadtteil, da diese Einrichtungen über sehr hohe Mitglieder- und Besucherzahlen aufweisen.
Ceylan begnügt sich in seiner Arbeit nicht nur mit empirischen Beobachtungen und zahlreichen Zitaten aus den durchgeführten Interviews in den Moscheen und Cafés, sondern verflechtet diese Daten mit korrespondierenden Erkenntnissen aus der Literatur und theoretischen Interpretationen. Besonders spannend sind die Ausführungen des Autors zum illegalen Glücksspiel und Frauenhandel innerhalb des Cafémilieus. Insgesamt leistet der Autor einen wichtigen und differenzierten Einblick in türkische Wohnwelten. Insgesamt eine sehr gute Arbeit, die auch für Nicht-Soziologen gut - vor allem der empirische Teil - lesbar ist.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wissenschaftlich perfekt, 27. August 2007
Rauf Ceylans empirische Forschung über Migranten-Selbstorganisationen in einem Duisburger Stadtteil ist eine erste systematische Analyse des alltagsnahen Binnenlebens von Migranten in Deutschland. Dabei schaut er auf die wichtigsten Kristallisationspunkte: die türkische Moscheen und Cafés.
Auf 272 Seiten stellt er ohne zu langweilen dar, wie Migranten versuchen in segregierten Wohngebieten durch Selbstorganisation sich aktiv mit den ökonomischen, sozialen und kulturellen Folgeproblemen auseinanderzusetzen.
Dabei zeigt der Autor nicht nur auf Probleme und Konflikte, die in diesem Prozess entstehen, sondern macht auch reale Lösungsvorschläge.
"Türke ist nicht Türke"
Durch diese Forschungsarbeit leistet Ceylan einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des Binnenlebens der ethnischen Kolonien. Der alltägliche Erfahrungsraum der türkischstämmigen Bewohner wurde realitätstreu herausgestellt.
83 narrative Interviews, 31 teilnehmende Beobachtungen, 18 Sitzungen mit lokalen Experten und 6 Begehungen liefern auch dem migrantenfremdesten Leser einen guten Einblick in das Innenleben der türkischen Migranten.
Nachdem man Ceylans Arbeit gelesen hat, wird man erkennen, dass Türke nicht Türke ist, und dass es nicht den Islam gibt, sondern dass hier eine pluralistische Sicht notwendig ist. Der Leser wird feststellen, dass einige migrantenspezifische Einrichtungen zur Integration beitragen, und wiederum andere zur sozialen Ausgrenzung.
(Un)vollständige Analyse
Zudem stellt der Autor heraus, dass die nach wie vor verwehrte Anerkennung von muslimischen Gemeinschaften in Deutschland als Körperschaften des öffentlichen Rechts ein Hindernis im Öffnungs- bzw. Integrationsprozess sind.
Der Einblick in das subkulturelle Caféhausmilieu dürfte für einen Fremden in diesem Gebiet sehr spannend sein. Hier werden die Risiken der sozialräumlichen Konzentration deutlich. Die Analyse der Moscheen kommt meines Erachtens zu kurz. Auf diesem Gebiet hätte man noch etwas viel mehr rausholen können.
So ist das Buch eine Pflichtlektüre für SoziologInnen, PolitikwissenschaftlerInnen, ErziehungswissenschaftlerInnen, SozialarbeiterInnen, MigrationsforscherInnen und gesellschaftspolitisch Interessierte.
Buchrezension: Ethnische Kolonien. Entstehung, Funktion und Wandel am Beispiel türkischer Moscheen und Cafés von Rauf Ceylan, erschienen im VS Verlag für Sozialwissenschaften. Das Buch ist unter anderem bei AMAZON bestellbar.
Zum Autor: Dr. Rauf Ceylan ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule Düsseldorf im Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften.
Cemil Sahinöz
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